5 Fragen an Susanne Fuss

Interview-Montag! Juchhu!

Ich kenne Susanne Fuss nicht persönlich. Vor fast einem Jahr habe ich einen Blogbeitrag zum Thema Rezensieren verfasst, der viel Echo ausgelöst hat. Ich bin geradezu mit Rezi-Anfragen von AutorInnen überrannt worden. (Was wieder einmal zeigt, dass die gar nicht nur fünf Sterne abgreifen wollen, sondern tatsächlich an echter Kritik interessiert sind.) Unter den vielen Zuschriften, die ich bekommen habe, war auch eine Email von Sanne. Zwar fehlte mir die Zeit ihr Buch „Driving Phil Clune“ zu rezensieren, aber der Kontakt war sehr nett und gar nicht bitter und knurrig, obwohl ich abgesagt hatte. (Ja, auch das gibt es leider …) Nach ein paar Emails fragte ich sie, ob sie nicht Lust hätte an meiner „5 Fragen an“-Reihe mitzumachen und das hatte sie. Eigentlich ist Sanne eher eine Art literarisches Kuckucksei. Obwohl sie in ihrer Jugend Kurzgeschichten geschrieben hat – Wer hat das nicht? Bei mir waren es echt miese Gedichte … – hätte sie nicht gedacht Romanautorin zu werden. Ist sie auch jetzt nicht; jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Eigentlich liebt sie es, Geschichten mit Bildern zu erzählen und so schreibt sie Drehbücher. Auch „Driving Phil Clune“ war zunächst ein Drehbuch. Da sich jedoch kein Produzent fand, wurde ein Roman daraus.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Die ersten bewussten Leseentscheidungen habe ich so mit 10-11 Jahren getroffen. Da bin ich auf die Bücher von Jules Verne gestoßen und habe die 20 bändige Reihe aus dem Fischer-Verlag durchgelesen, viele davon an einem Stück. Darunter war ein Roman, der auf einer Novelle von Edgar Allan Poe basierte. Und mit Poe ging das mit der Leidenschaft dann so richtig los. Ich habe insbesondere phantastische Literatur gelesen, dazu die Antiutopien von Orwell, Huxley, Samjatin usw. (Ich bin in den 70/80er Jahren groß geworden, da gab es diese Fantasy-Dystopie Welle noch nicht.) Meine bevorzugte Literatur stammte nahezu ausschließlich aus dem angelsächsischen Raum. Deutsche Literatur, die mir im Schulunterricht vermittelt wurde (Dürrenmatt, Frisch, Brecht) fand ich entsetzlich langweilig. In der neunten Klasse war mir schon klar, dass ich fleißig englische Vokabeln lernen sollte, um später einmal Anglistik studieren zu können.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Ich kann mich an kein bestimmtes Lieblingskinderbuch erinnern. Ich mochte die Bücher von Otfried Preußler und Astrid Lindgren. „Die unendliche Geschichte“ hat mir gut gefallen, auch wenn ich die anderen Bücher von Michael Ende nicht sonderlich mochte. Mein Lieblingsbuch als Jugendliche war zweifellos Ray Bradburys „Fahrenheit 451“, das ich mit missionarischem Eifer an alle meine Freundinnen verschenkt habe. In diesem Buch habe ich viele Vorstellungen und Gedanken, die mir zu dieser Zeit im Kopf herumschwirrten, wiedergefunden. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ein Autor es in seinem Werk schafft, die eigene diffuse Gedankenwelt zu ordnen und auf den Punkt zu bringen.

Ich kann nicht sagen, dass Märchen in meinem Leben eine besondere Rolle gespielt hätten, auch wenn mir mein Vater bevorzugt Märchen vorgelesen hat. Meine Favoriten waren „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und „Von Einem, der auszog das Fürchten zu lernen“. Wahrscheinlich habe ich darin ein Ventil für meine eigenen Ängste gefunden. Ich hatte als Kind sehr oft Alpträume.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Mein Vater hat mir jeden Abend vorgelesen. Da er nur abends zu Hause war, war das natürlich ein wichtiges Ritual. Außerdem hatte mein Vater schauspielerisches Talent und konnte die Figurenrede entsprechend überzeugend darbieten. Es hat einfach Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Natürlich lese ich heute meinen eigenen drei Kindern vor. Aufgrund der unterschiedlichen Leseinteressen habe ich zeitweilig jedem ein anderes Buch vorgelesen, was das abendliche Ins-Bett-Geh-Ritual ausufern ließ. Gottseidank liest meine älteste Tochter jetzt selber und die anderen beiden müssen sich mittlerweile auf ein Buch einigen.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Empfehlenswert finde ich immer noch die Kinderbücher von Preussler, einige von Lindgren und die Urmel-Bücher von Max Kruse. Die Geschichten sind zeitlos und gehen auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Bei Preussler gefällt mir insbesondere auch die Sprache. Insgesamt würde ich mir bei der Kinderliteratur wünschen, dass mehr Wert auf die Sprache, auf abwechslungsreichen Wortschatz und korrekte Grammatik gelegt würde. Spracherwerb findet bei Kindern eben auch über das Vorlesen statt. Dennoch dürfen der Spaß und die Phantasie nicht zu kurz kommen. Kinder spüren den moralischen Zeigefinger. Wenn alles zu pädagogisch wertvoll daherkommt, kann das auch Lesekarrieren im Keim ersticken. Wichtig ist es auch, Identifikationsfiguren zu schaffen, in denen die Kinder ihre Träume, Ängste und Nöte wiederfinden können.

Ich habe Schwierigkeiten, Empfehlungen für Jugendliche auszusprechen. Der eine Grund dafür ist, dass ich so gut wie keine Jugendliteratur kenne, da ich als Jugendliche Bücher für Erwachsene gelesen habe. Der andere Grund: Ich habe mich als Jugendliche oft gegen Bücher gewehrt, von denen andere behaupteten, man müsse sie unbedingt lesen (insbesondere wenn es Erwachsene waren). Jugendliche wollen eigene Wege gehen, auch literarisch, und das ist gut so. Hauptsache lesen. Obwohl ich ehrlich gesagt etwas befremdet bin über das Ausmaß an Gewalt, das man heute in der Jugendliteratur ganz selbstverständlich antrifft („Tribute von Panem“). Zugegeben geht es in „1984“ auch nicht gerade gewaltlos zu, aber hier handelt es sich auch nicht um ein Jugendbuch.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Natürlich meinen Seelenverwandten, den Seele-fant aus den Urmel-Büchern! Ich bin so eine Chortante, die vom Singen nicht genug kriegt. Vielleicht gelänge dem Seele-fant ja, was mir nicht gelingt, nämlich meine Kinder zum Singen zu animieren. Beim Gegenbesuch würde ich mit dem Seele-fant endlich tun, was ich als Mutter sowieso schon längst tun wollte: Ohne basisdemokratische Diskussionen die Macht an mich reißen und einen Tag lang über die „Unteren Tannen“ regieren. Alle Menschen und Tiere werden zum gemeinsamen „Söngen“ genötigt, auch die männlichen Vertreter ihrer Art!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

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