Interview mit Dagmar Geisler

Ein Interview zum Wochenbeginn…

Dagmar Geisler ist die Autorin von dem Kinderbuch-Klassiker Mein Körper gehört mir, das ich vor zwei Monaten vorgestellt habe.
Dagmar Geisler schreibt und illustriert seit 25 Jahren Bücher für Kinder und Jugendliche. In ihren Büchern geht es um immer wieder um sehr schwere Themen wie Trauer, Scheidung oder Missbrauch. Sie liefert Kindern und Erziehungsberechtigten so zahlreiche Gesprächsanlässe über Gefühle, schwierige Situationen und Probleme zu sprechen. Auch wenn diese Themen „schwere Kost“ sind, zeigt sie zahlreiche Ansätze, diese Phasen positiv zu überwinden. Sie hat sich die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet.

Liebe Dagmar, ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich dich duze. Da ich ursprünglich aus Kiel komme, ist mir das skandinavische „du“ – zumindest was meinen Blog betrifft – in Fleisch und Blut übergegangen. Ich freue mich sehr über die Gelegenheit zum Interview! Das Thema Kindesmissbrauch liegt mir sehr am Herzen.

Liebe Claudia, es stört mich überhaupt, dass du mich duzt. Ich liebe Skandinavien auch, obwohl ich so weit im Süden wohne. Auch ich freue mich über die Gelegenheit, deine Fragen zu beantworten.

„Mein Körper gehört mir“ ist vor inzwischen 25 Jahren erschienen und heute ein Klassiker. 25 Jahre sind eine lange Zeit und du hast dich die ganze Zeit mit dem Thema befasst. Was hat sich seitdem in Deutschland zum Thema Missbrauch getan? Und was ist immer noch ein Problem?

Vor 25 Jahren war das Thema „Missbrauch“ noch ein Tabuthema. Die öffentliche Auseinandersetzung damit, ging damals erst los. Ich finde es gut, dass es inzwischen möglich ist, darüber zu sprechen, dass immer mehr Opfer sich melden und – wenn auch in vielen Fällen sehr spät- Gehör und Hilfe finden können.
Ein Problem ist und bleibt, dass das Thema Angst macht und deshalb bei vielen nach wie vor eine Scheu besteht über diese Dinge in angemessener Weise zu sprechen.

Das Thema hat es nicht zuletzt durch Fälle wie den Missbrauch in der katholischen Kirche oder die Missbräuche auf dem Campingplatz von Lüdge in die Presse und damit in das öffentliche Bewusstsein geschafft. Das macht es für erwachsene Betroffene einfacher darüber zu reden. Gilt das auch für Kinder? Wird ihnen heute eher geglaubt? Gibt es mehr institutionelle Hilfen? Was fehlt?

Das sind spannende Fragen. Ich fange mal mit der einfachsten an. Es gibt auf jeden Fall mehr institutionelle Hilfe und mehr geschulte Kräfte in Institutionen wie der Polizei oder beim Jugendamt. Auch wenn da sicher noch Luft nach oben ist.
Ob Kindern mehr geglaubt wird, kann ich so nicht sagen. Weil das Thema so ein Angstthema ist, gibt es auch viel Verdrängung. Deshalb finde ich es gut, wenn Erwachsene hier wach und aufmerksam sind, ohne in Panik zu verfallen.

Ein anderer Aspekt des öffentlichen Bewusstseins, dass Kindesmissbrauch real ist, ist auch, dass man, also Eltern, Institutionen, die mit Kindern zu tun haben, die Gesellschaft, besser Prävention betreiben können. Nimmst du eine Veränderung seit dem ersten Erscheinen von „Mein Körper gehört mir“ wahr? Wird in Familien mehr darüber geredet? In Kindergärten, in Schulen? Sind Kinder heute besser aufgestellt Nein zu sagen? Können heute mehr Kinder zwischen guten Geheimnissen, die Spaß machen, und schlechten Geheimnissen, die bedrücken und die man daher eigentlich immer weitererzählen sollte, unterscheiden? Was unternimmt die öffentliche Hand?

Was ich wahrnehme ist, dass Eltern sich in der Regel Prävention wünschen. Alle Eltern möchten ihr Kind geschützt wissen, sind aber zum Teil sehr unterschiedlicher Auffassung darüber sind, wie dieser Schutz aussehen soll. Ich erlebe jetzt wieder mehr Eltern, die ihr Kind am liebsten vor allem, was mit Sexualität zu tun hat, fernhalten möchten. Dabei ist, nach meiner Meinung, ein offener Umgang mit dem Thema eine Grundvoraussetzung für die vertrauensvolle Atmosphäre, die ein Kind braucht, um geschützt zu sein. Es geht ja nicht nur um die Vermeidung von Übergriffen, sondern auch um die Möglichkeit, schon in einem frühen Stadium ein Unbehagen oder eine Beobachtung zur Sprache zu bringen.
Diese Offenheit erlaubt auch die Unterscheidung von „guten und schlechten Geheimnissen“ einzuüben, in dem man immer wieder dazu anregt, über die eigene Befindlichkeit zu sprechen.
Was die öffentliche Hand angeht, finde ich es zum Beispiel gut, Sexualkundeunterricht schon so früh wie möglich anzubieten. Ich denke allerdings, dass es für die entsprechenden Vermittler mehr Vorbereitung und Supervision geben müsste. Ganz einfach, weil es gegenüber diesem Thema immer noch eine Scheu gibt. Kinder haben sehr feine Antennen für das Unbehagen, das ein Erwachsener in ein Gepräch mitbringt.

Wenn man der feministische Analyse folgt, ist Missbrauch ein kranker Auswuchs – wie alle sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen – des patriachalen System. Der weiße, heterosexuelle Mann hält am meisten Macht über andere und übt diese auch aus. Frauen, PoC, andere Gender stehen im patriachalen Machtranking unter ihm. Kinder als schwächste und machtloseste in diesem Ranking werden daher am leichtesten zu Opfern. Bei Missbrauch geht es um Macht-über und nicht um Sex. Das ist in vielen Köpfen selbst heute noch nicht angekommen. Was hat sich deiner Meinung nach da in den letzten 25 Jahren getan? Wo siehst du Ansätze, dass etwas getan wird? Was würdest du dir wünschen, was noch geschieht?

Es gibt ja, die „Me-too-Debatte“, bei der es um dieses Machtgefälle geht. Vor diesem ganzen Hintergrund wünsche ich mir eine weitere Debatte darüber, was Sexualität im positiven Sinne sein kann. Nämlich die intime Begegnung zweier Menschen auf Augenhöhe. In den Medien wird der patriarchalisch geprägten Sicht darauf noch viel zu viel Raum gegeben.

Dass das eigene Kind einen Missbrauch erlebt, ist der Alptraum aller Eltern. Wenn das Schreckliche geschieht, bleibt neben der Wut und dem lähmenden Entsetzen oft die Frage: „Was tun?“ Das wirst du sicherlich oft gefragt, aber ich denke, man kann es gar nicht oft genug sagen: Wie helfe ich meinem Kind nachhaltig? Was sind die nötigen Schritte? Was sollte ich besser unterlassen?

Ich fände es gut, diesen „Alptraum“ nicht zu sehr in den Fokus zu nehmen. Das ist leichter gesagt als getan. Ich bin selbst Mutter und weiß, wie viele Ängste man ums eigene Kind auszustehen hat. Wenn ich mal das Thema Straßenverkehr nehme. Da bereite ich mein Kind gut vor, übe mit ihm zum Beispiel alle Schritte, die notwendig sind, um eine Straße sicher zu überqueren und …und…
Ich stärke damit sein Selbstvertrauen und muss irgendwann zulassen, dass es seinen Weg alleine geht. Ich muss loslassen, auch wenn ich weiß, dass der Straßenverkehr eine verdammt gefährliche Angelegenheit ist.
Das gilt auch für das Thema „Schutz vor sexuellen Übergriffen“. Ich kann nicht alles verhindern, aber ich kann mein Kind so weit stärken, dass es den Mut hat „Nein“ zu sagen und kann ihm vermitteln, dass es sich jederzeit Rat und Hilfe holen kann.
Dazu gehört es auch zu vermeiden, die eigene Angst auf das Kind zu übertragen.

Und zu guter Letzt: Was wolltest du immer schon mal zu dem Thema sagen, wirst aber nie danach gefragt?

Danke für diese letzte Frage. Ich wünsche mir, dass das Wort Aufklärung aus unserem Wortschatz verschwindet. Und zwar aus dem Grund, dass das Thema Sexualität so selbstverständlich besprochen werden, wie jedes andere Thema. Womit ich selbstverständlich nicht meine, dass jeder seine intimen Geheimnisse preisgeben soll.

Vielen Dank für das Interview!

Ich bedanke mich auch für die engagierten und spannenden Fragen.

Mehr zu Dagmar Geisler gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Warum ich lese

Sandro vom Blog Novelero fragte mich auf Facebook, warum ich lese. Ich habe ja hier immer schon so ein bisschen darüber geplaudert, dass Lesen für mich ein Ausweg und der Zugang zur großen, weiten Welt war. Aber ich nutze diese Gelegenheit und ordne meine Gedanken zu dem Thema.

Lesen bringt Freude!
Der einfachste und vermutlich auch wichtigste Punkt ist, es macht mir einfach Spaß! Ich finde es einfach toll, an den Ideen und der Fantasie anderer Menschen zu partizipieren. Ich liebe es, wenn mich Lustiges zum Lachen und Tragisches zu dem einen oder anderen Tränchen bringt. Ich mag es, wenn Leute mein Bücherregal bewundern und mich, weil ich so viel lese. Ich mag es, vor meinem Bücherregal zu stehen und meine gelesenen Schätze zu bewundern und mich auf die eine oder andere Erinnerungsreise mitnehmen zu lassen. Es macht mich glücklich in einen Buchladen zu gehen und nur zu wissen, dass ich mir heute ein Buch kaufen werde, aber nicht zu wissen welches. Ich mag es, Cover, Einbände und Bücher an sich zu bewundern. Ich finde den Gedanken an ein Buch, einen Kakao und meine Sofaecke zutiefst anheimelnd und gemütlich. Ich finde es zutiefst befriedigend, ein Buch zuzuklappen und zu denken: „Wow! Das war toll!“

Lesen erweitert den Blickwinkel.
Ich lerne, wenn ich lese. Ich lerne nicht nur bei Sachbüchern neue Dinge und alte wieder neu, sondern auch in Romanen lerne ich stets Neues. In Krimis erfahre ich beispielsweise etwas über Polizeiarbeit, in Frauenromanen etwas über Mode, in historischen Romanen über Geschichte, in allgemeiner Belletristik etwas über Landstriche und Länder. Und selbst wenn die Autor*innen nicht gut recherchiert haben, lerne ich etwas, denn wenn mir eine Unstimmigkeit auffällt, recherchiere ich auf eigene Faust. Nicht umsonst wird jemand, der gebildet ist als „belesen“ bezeichnet.

Lesen lässt mich an Orte und Zeiten gelangen, an die ich sonst nie käme.
Es gibt Länder, die ich sicher nie bereisen werde, der nahe und ferne Osten, Südamerika, Australien zum Beispiel. Aber wenn ich Romane lese, die dort spielen, dann bin ich dort – in meinen Gedanken, in meiner Fantasie. Eine gutgeschriebene Geschichte versetzt mich dorthin, lässt mich die Hitze der australischen Wüste spüren, die Gerüche eines arabischen Souks riechen oder den Lärm der Iguazú-Wasserfälle hören.
Und da niemand in der Zeit reisen kann, außer mit 60 Minuten pro Stunde in die Zukunft, werde ich sicher auch nie genau wissen, wie es im antiken Ägypten war oder im mittelalterlichen Deutschland oder viktorianischen England zu leben. Doch eine gute Schriftstellerin kann diese vergangenen Zeiten mit Leben füllen, wie ein anderer Autor fremde Kulturen heutiger Zeit.
Und so komme ich doch an ferne Orte und in vergangene Epochen.

Lesen macht mich schlauer.
Es gibt viele Studien, die belegen, dass unser Gehirn trainiert werden muss, um gut zu funktionieren und sogar immer noch besser zu werden. Es gibt verschiedene Trainingsmöglichkeiten; Lesen ist eine von ihnen.

Lesen beflügelt die Fantasie.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon – auch Wochen nachdem ich das Buch beendet hatte – in der Welt der Geschichte weitergelebt habe. Wie ich mir Plots für Nebenfiguren ausdachte. Wie ich über die Möglichkeiten von Weiterentwicklung einer Serie nachgesponnen habe. Wie ich Räume und Gärten, die nicht beschrieben waren, eingerichtet und angelegt habe. Wie ich beendete Romane weitergesponnen habe, damit ich mich noch nicht von meinen Freunden trennen musste.
Und sehr oft haben mich gute Geschichten inspiriert. Sie haben den Anstoss gegeben, dass ich mir selbst Geschichten ausgedacht habe. Als Kind habe ich den anderen Cowboy und Indianer gespielt, inspiriert von Karl May. Als ich das erste Mal Der Herr der Ringe gelesen habe, habe ich eine eigene Fantasiewelt entworfen. Vielleicht habe ich heute noch in irgendeiner Schublade Zettel über Zettel liegen mit  Plänen von Ländern und Burgen, Modebeschreibungen verschiedener Kulturen, Mythologien und geschichtlichen Zeitachsen. Als junge Erwachsene hat die Inspiration von mich packender Literatur dann seinen Niederschlag gefunden, indem ich eigene Abenteuer fürs Rollenspiel schrieb. Episch oder spannend, gruselig oder verwickelt.

Lesen ist eine Ruhepause und Quell von Kraft!
Und wie jedes gute Hobby ermöglicht Lesen für eine Zeit aus dem Alltag auszusteigen. Bei etwas, das ich mag, meine Probleme für einige Stunden beiseite zu lassen, mich zu entspannen, neue Kraft zu schöpfen, um dann wieder voller Elan durchzustarten und mich meinem Leben zu stellen.

Das alles ist der Grund, warum ich lese. Warum ich gerne lese. Warum ich weiterhin lesen werde.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Jeanine Krock

Interview-Montag! Juchhu!


Copyright: Jeanine Krock
Fotograf: Sascha Gramann

Als ich noch in Kiel lebte, spielte auf der Kieler Woche fast jedes Jahr Miles Davis. Und fast jedes Jahr versuchte ich es, ihn auf der Bühne zu erleben. Es ist mir nie gelungen. Immer ist etwas dazwischen gekommen; von verspäteten Bussen bis zu Freundinnen, die weinend auf meiner Türschwelle saßen, war alles dabei. Einmal habe ich es fast geschafft. Ich hörte noch Musik, als ich zur Bühne hastete, aber als ich ankam, war der Gig zu Ende und ich sah nur noch ein Bein, das hinter dem Vorhang verschwand. Vermutlich war es ein Roadie, aber für mich ist Miles Davis seither der Mann mit dem Bein.
Bei Jeanine Krock ist es ähnlich. Wir waren schon häufig zur selben Zeit am selben Ort, aber ich habe sie nie gesehen. Außer das eine Mal vor vielen Jahren auf der Leipziger Buchmesse, als ich ihren Arm gesehen habe, als sie Kristina Günak zum ersten Mal die Hand schüttelte und ich mich diskret im Hintergrund hielt. So ist sie für mich die „Frau mit der Hand“.
Aber ich hoffe sehr, dass wir uns einmal sehen, denn als Freundin einer Freundin ist sie mir sympathisch und was sie auf Facebook schreibt, lässt mich denken, dass wir uns viel zu erzählen hätten.
Jeanine ist in Braunschweig, meiner Heimatstadt, geboren und hat als Kostümbildnerin und Model-Bookerin, als Relocation Consultant und im Musical-Theater gearbeitet; heute lebt sie als Autorin mit langer Veröffentlichungsliste in Norddeutschland.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Alles begann ganz scheinbar mit einer Buchstabensuppe … Meine Eltern haben immer behauptet, ich hätte schon Bücher unter dem Bett gehortet, bevor ich überhaupt ein Wort sprechen konnte. Das stimmt natürlich nicht, denn unter dem Bett wohnten Krokodile, jedenfalls nachts, und denen hätte ich nie meine papierenen Träume anvertraut. Mein erstes Buch bekam ich im ersten Lebensjahr. Es war abwaschbar und ihm folgten viele Bilderbücher, von denen mir die Häschenschule lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Ich wünschte, ich könnte eine originellere Antwort geben.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

So genau kann ich das gar nicht sagen. Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga (Astrid Lindgren) gehörte auf jeden Fall zu meinen Held*innen. Hexen (Ottfried Preußler) fand ich toll, fliegende Klassenzimmer am 35. Mai (Erich Kästner), Jim Knopf und Frau Mahlzahn (Michael Ende), aber auch Hanni und Nanni im Internat (Enid Blyton), unbedingt Islandpferde (Ursula Bruns), Alice im Wunderland (Lewis Carroll), Die Schatzinsel (Stevenson) und natürlich Huck Finn (Mark Twain), als Inbegriff individueller Freiheit. Die Auswahl ist selbsterklärend, denke ich. Starke Mädchen, die ihre Schwingen öffnen, um in die Welt hinaus zu fliegen, kann es gar nicht genug geben.

Märchen gehörten zum Vorlesestoff frühester Erinnerung. Die orientalischen mochte ich sehr, Feengeschichten, Hauff und Hans Christian Andersen. Keine Märchen und auch für Kinder nur bedingt geeignet sind die Geschichten von Wilhelm Busch. Ich liebe ihren finsteren Humor bis heute. An Jugendliteratur kann ich mich nicht erinnern. Gut möglich, dass es davon zu meiner Zeit noch nicht viel gab. Der Schlüssel in die »Erwachsenenliteratur« war definitiv »Narziß und Goldmund« von Hesse. Ich hatte vorher schon so einiges gelesen, aber wenig verstanden. Dieses Buch gilt nicht unbedingt als Meilenstein der Weltliteratur. Mir hat es viel bedeutet.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Lesungen zählen wahrscheinlich nicht? Ich lese meiner Mutter gelegentlich vor. Aus der Wochenzeitung oder neue Kapitel meiner Bücher. Das gehört zu unserer gemeinsamen »Quality Time« und ist ja auch nur fair, denn sie hat mir früher fast jeden Abend vorgelesen. Vater und Omi waren auch am allabendlichen Entertainment beteiligt, aber sie war wirklich süß. Manche Geschichten musste sie immer wieder vorlesen und häufig war sie so erschöpft, dass ihr dabei die Augen zufielen, sie aber noch eine Weile auswendig weitersprach.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Meine Kinderzeit liegt zu weit zurück, um konkrete Empfehlungen geben zu können. Viele Klassiker haben sich wahrscheinlich auch kulturell und weltanschaulich überholt. Unglücklich finde ich allerdings den derzeitigen Trend, Kinder- und Jugendbücher zu »bereinigen«.
Pippi Langstrumpfs Vater kann doch »Negerkönig« bleiben, wenn eine Fußnote darauf hinweist, dass dieses Wort heute als beleidigend empfunden wird. Kinder sind nicht doof, sie verstehen schon, dass früher viele Dinge anders waren. Züge galten mit fünfzehn Stundenkilometern als lebensbedrohlich schnell und arme Kinder blieben in Kaminen stecken, landeten auf Piratenschiffen oder im Bordell. Manches hat sich bis heute nicht geändert. Kinder verstehen das.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ich fürchte, die Heldinnen und Helden meiner Kindheit würden mich schrecklich langweilig finden. Den meisten ist ja auch irgendein Bösewicht oder Ungeheuer auf den Fersen, und die möchte ich lieber nicht in unsere Welt entlassen. An eigenen Ungeheuern fehlt es uns gewiss nicht.
Und ich im Buch? Warte mal … Ja, ich hab’s! Ich würde gern mit Anneliese, Peterchen und Herrn Sumsemann zum Mond fliegen, um dann von dort oben unseren herrlichen blauen Planeten bewundern zu können.

Vielen Dank für das Interview.

Herzlichen Dank für die interessanten Fragen, ich habe die Reise in meine Vergangenheit genossen und könnte noch endlos weitere Bücher aufzählen. Habe ich eigentlich Gullivers Reisen oder Mary Poppins erwähnt?

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Interview mit Markus Gründel

Markus Gründel ist der Autor von Geocaching II, das ich letzte Woche vorgestellt habe. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich ihn bei der Gelegenheit Geocaching auszuprobieren kennengelernt. Ich hatte bei dem sonnigen Wetter viel Spaß mit zwei Teenagern in der Gruppe die Rätsel zu lösen, den Code zu entschlüsseln und die Caches zu finden. Gegen Ende kam ich mit Markus Gründel, der den Workshop leitete, ins Gespräch; er ist der Autor zum Thema im deutschsprachigen Raum. Er war sehr nett und wir plauderten über die Eignung des Hobbys für Kinder und ja! Der Frühling ist da, der Sommer kommt und wir werden das Geochachen bald einmal ausprobieren! Vielleicht bekommt der eine oder die andere ja auch Lust!

Markus Gründel auf der LBM16

Markus Gründel auf der LBM16

Erzähl doch ein bisschen was zu dir! Wer bist du? Wo kommst du her? Wie bist du zu Geocaching gekommen? Wie ist aus dem Hobby Beruf geworden? Wie bist du zum Autor von Geocaching-Büchern geworden?

Ja, die meisten Geocacher im deutschsprachigen Raume kennen mich als „Den Gründel“. Ich versuch mich mal kurz zu fassen. Eigentlich bin ich gelernter Banker, was ich auch 13 Jahre an vorderster Front ausgeübt habe. Da ich aber seit je her ein leidenschaftlicher Wanderer, neudeutsch Hiker und Trekker bin, habe ich mich 2001 entschlossen in den Outdoor-Einzelhandel zu wechseln. Und dort hatte ich auch GPS-Geräte zu verkaufen. Und wie das bei vielen Jungs so ist, verkauft sich technisches Spielzeug ja leichter, wenn man es kennt 😉 So bin ich bereits 2002 über eine Randnotiz im Outdoor-Magazin, die da lautete „Schnitzeljagd mit GPS www.geocaching.com“, gestolpert was für mich das Alibi war mir ein eigenes GPS anzuschaffen. Schnell war dann auch meine Homezone in und um Hannover leergecacht, damals gab es hier ganze 5 Caches 😉
In 2006 habe ich dann angefangen am damals „Geocaching“ zu schreiben. Damals war es ja mit dem Internet noch nicht so arg weit und Printmaterial über das Hobby gabs nicht oder nur rudimentär, so habe ich beim Conrad Stein Verlag angefragt und die waren „mutig“ genug sich auf einen Nicht-Wanderweg einzulassen. Als es dann im Mai 2007 heraus kam war ich schon etwas überrascht, dass nun plötzlich auch ein weiteres Buch auf dem Markt war, nämlich von dem Kollegen Hoecker, welches aber eher lustig und nicht so sehr sachlich wie mein Buch war. Ja, und dann entwickelte sich das von ganz alleine. Als mich dann der Verlag 2009 anfragte in das Buch „Ausrüstung I“ einzusteigen und ich viele Anfragen zum Geocaching aus den unterschiedlichsten Seiten bekam, fehlte letztlich die Zeit für so ein Projekt und ich entschied mich für eine freiberufliche Tätigkeit als Autor und GPS-Coach, ja und da bin ich heute noch mit unterwegs, inzwischen habe ich ja mit dem Steven Ponndorf das „Geocaching II“ (was sich ausschließlich dem Thema Mystery-Caches und mögliche Rätzel annimmt) und ganz aktuell mit der Mitzecacherin das „Geocaching III“ herausgebracht und arbeite an weiteren Büchern zum Thema Ausrüstung, GPS und Geocaching.

Wie lange betreibst du schon Geocaching? Wie viele Caches hast du gefunden? Wieviele versteckt? Und von wie vielen sind die gefunden worden? Was macht für dich den Reiz von Geocaching aus? Welcher Aspekt – Technik, Natur – reizt dich am meisten?

Dabei bin ich seit 2002 und gefunden hab ich gerad mal 3.500. Ich bin bekennender Genuß-Cacher…es gibt Cacher die durchaus eine 0 dranhängen haben – ich kann auch mal ohne GPS aus dem Hause gehen 😉
Selbst hab ich an die 100 versteckt, wovon aber nur noch wenige aktiv sind – die Wartungsarbeiten bei populär versteckten Dosen sind schon nicht zu unterschätzen, so rangieren einige meiner Dosen unter den Top20 in Sachsen-Anhalt.
Als passionierter Wanderer bin ich gern draußen und frische meine Touren gerne mit ein paar zu suchenden Dosen auf.

Du bietest ja auch Seminare, Beratungen, etc. an. Wie kann man sich das vorstellen?

Geocaching ist ja längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, so nutzen Schulen, Jugendeinrichtungen, ja viele Institutionen Geocaching als Tool, um die Kids zum rausgehen zu motivieren. Und da berate ich eben, da es beim Cachen durchaus das ein oder andere Fettnäpfchen gibt, welches es zu vermeiden gilt 😉
Auch Seminare zu den GPS-Geräten als solches, da die sehr komplex sind und die Anleitungen eher nicht so benutzerfreundlich empfunden werden.

Du hast mir, als wir uns auf der Messe getroffen haben, gesagt, dass Geocaching ein tolles Hobby auch für Kinder ist. Magst du noch mal erklären warum? Ab wann können Kinder Geocaching betreiben? Was sollte man bei Kindern beachten? Wie findet man für Kinder geeignete Caches?

Ja, die Kinder sind ja heute immer mehr auf die Technik, das liebe Smartphone fixiert und so bietet das GPS die ideale Schnittstelle, um die Junioren mal in die freie Natur zu locken. Wie heißt es so schön „der Weg ist das Ziel“, aber das langt den Kids halt nicht und so kann ich mit dem Cachen noch für ein paar weitere Zwischenziele sorgen 😉
Gesehen habe ich tatsächlich schon 5-Jährige, grundsätzlich sobald ein Kind lesen kann und mit einem Handy umgehen kann, kann es auch mit Geocaching starten, klar zusammen mit den Eltern.
Zu beachten sind die Schwierigkeitsgrade, möglichst gering und die Größe des Caches. Große Dosen sind natürlich schöner, da sie oft neben dem Logbuch auch Tauschgegenstände enthlaten, was den Kids besondere Freude bereitet. Manch ein Kind verbringt Stunden damit von den eigenen Sachen etwas für seinen Tauschbeutel heraus zu suchen…
Am besten schaut man auch noch, ob beim Cache das Attribut Kinderfreundlich gesetzt wurde, ja und dann hilft natürlich wie über all im Leben das Lesen, Lesen, Lesen, vor allem das Listing des Caches und die Logs der Vorfinder – was man noch so alles beachten sollte habe wir in dem neuen Buch Geocaching III mittels vielen Comics der Mietzecacherin aufbereitet, es richtet sich mehr an die jüngeren, ist aber auch was für die Eltern. Wer tiefer einsteigen mag und lesefreudiger ist, dem sei das Geocaching I, als das Standartwerk empfohlen – beide kann man übrigens zusammen eisetzen quasi als Eltern-Kind-Varianten.

Was wünscht du dir für dein Hobby in der Zukunft? Was möchtest du noch persönlich erreichen?

Ich wünsche mir, das es weiterhin gerne auch noch mehr kreative Cacheleger gibt frei nach dem Grundgedanken „zeige Deinen Mitcachern einen interessanten Ort“ und das jeder in aller Euphorie und Ehrgeiz immer daran denkt „es ist nur ein Spiel“ 😉

Danke, dass ich bei Dir zu Gast sein durfte!

Gerne und vielen Dank für das Interview!

Mehr zu Markus Gründel gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Susanne Fuss

5 Fragen an Susanne Fuss

Interview-Montag! Juchhu!

Ich kenne Susanne Fuss nicht persönlich. Vor fast einem Jahr habe ich einen Blogbeitrag zum Thema Rezensieren verfasst, der viel Echo ausgelöst hat. Ich bin geradezu mit Rezi-Anfragen von AutorInnen überrannt worden. (Was wieder einmal zeigt, dass die gar nicht nur fünf Sterne abgreifen wollen, sondern tatsächlich an echter Kritik interessiert sind.) Unter den vielen Zuschriften, die ich bekommen habe, war auch eine Email von Sanne. Zwar fehlte mir die Zeit ihr Buch „Driving Phil Clune“ zu rezensieren, aber der Kontakt war sehr nett und gar nicht bitter und knurrig, obwohl ich abgesagt hatte. (Ja, auch das gibt es leider …) Nach ein paar Emails fragte ich sie, ob sie nicht Lust hätte an meiner „5 Fragen an“-Reihe mitzumachen und das hatte sie. Eigentlich ist Sanne eher eine Art literarisches Kuckucksei. Obwohl sie in ihrer Jugend Kurzgeschichten geschrieben hat – Wer hat das nicht? Bei mir waren es echt miese Gedichte … – hätte sie nicht gedacht Romanautorin zu werden. Ist sie auch jetzt nicht; jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Eigentlich liebt sie es, Geschichten mit Bildern zu erzählen und so schreibt sie Drehbücher. Auch „Driving Phil Clune“ war zunächst ein Drehbuch. Da sich jedoch kein Produzent fand, wurde ein Roman daraus.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Die ersten bewussten Leseentscheidungen habe ich so mit 10-11 Jahren getroffen. Da bin ich auf die Bücher von Jules Verne gestoßen und habe die 20 bändige Reihe aus dem Fischer-Verlag durchgelesen, viele davon an einem Stück. Darunter war ein Roman, der auf einer Novelle von Edgar Allan Poe basierte. Und mit Poe ging das mit der Leidenschaft dann so richtig los. Ich habe insbesondere phantastische Literatur gelesen, dazu die Antiutopien von Orwell, Huxley, Samjatin usw. (Ich bin in den 70/80er Jahren groß geworden, da gab es diese Fantasy-Dystopie Welle noch nicht.) Meine bevorzugte Literatur stammte nahezu ausschließlich aus dem angelsächsischen Raum. Deutsche Literatur, die mir im Schulunterricht vermittelt wurde (Dürrenmatt, Frisch, Brecht) fand ich entsetzlich langweilig. In der neunten Klasse war mir schon klar, dass ich fleißig englische Vokabeln lernen sollte, um später einmal Anglistik studieren zu können.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Ich kann mich an kein bestimmtes Lieblingskinderbuch erinnern. Ich mochte die Bücher von Otfried Preußler und Astrid Lindgren. „Die unendliche Geschichte“ hat mir gut gefallen, auch wenn ich die anderen Bücher von Michael Ende nicht sonderlich mochte. Mein Lieblingsbuch als Jugendliche war zweifellos Ray Bradburys „Fahrenheit 451“, das ich mit missionarischem Eifer an alle meine Freundinnen verschenkt habe. In diesem Buch habe ich viele Vorstellungen und Gedanken, die mir zu dieser Zeit im Kopf herumschwirrten, wiedergefunden. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ein Autor es in seinem Werk schafft, die eigene diffuse Gedankenwelt zu ordnen und auf den Punkt zu bringen.

Ich kann nicht sagen, dass Märchen in meinem Leben eine besondere Rolle gespielt hätten, auch wenn mir mein Vater bevorzugt Märchen vorgelesen hat. Meine Favoriten waren „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und „Von Einem, der auszog das Fürchten zu lernen“. Wahrscheinlich habe ich darin ein Ventil für meine eigenen Ängste gefunden. Ich hatte als Kind sehr oft Alpträume.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Mein Vater hat mir jeden Abend vorgelesen. Da er nur abends zu Hause war, war das natürlich ein wichtiges Ritual. Außerdem hatte mein Vater schauspielerisches Talent und konnte die Figurenrede entsprechend überzeugend darbieten. Es hat einfach Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Natürlich lese ich heute meinen eigenen drei Kindern vor. Aufgrund der unterschiedlichen Leseinteressen habe ich zeitweilig jedem ein anderes Buch vorgelesen, was das abendliche Ins-Bett-Geh-Ritual ausufern ließ. Gottseidank liest meine älteste Tochter jetzt selber und die anderen beiden müssen sich mittlerweile auf ein Buch einigen.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Empfehlenswert finde ich immer noch die Kinderbücher von Preussler, einige von Lindgren und die Urmel-Bücher von Max Kruse. Die Geschichten sind zeitlos und gehen auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Bei Preussler gefällt mir insbesondere auch die Sprache. Insgesamt würde ich mir bei der Kinderliteratur wünschen, dass mehr Wert auf die Sprache, auf abwechslungsreichen Wortschatz und korrekte Grammatik gelegt würde. Spracherwerb findet bei Kindern eben auch über das Vorlesen statt. Dennoch dürfen der Spaß und die Phantasie nicht zu kurz kommen. Kinder spüren den moralischen Zeigefinger. Wenn alles zu pädagogisch wertvoll daherkommt, kann das auch Lesekarrieren im Keim ersticken. Wichtig ist es auch, Identifikationsfiguren zu schaffen, in denen die Kinder ihre Träume, Ängste und Nöte wiederfinden können.

Ich habe Schwierigkeiten, Empfehlungen für Jugendliche auszusprechen. Der eine Grund dafür ist, dass ich so gut wie keine Jugendliteratur kenne, da ich als Jugendliche Bücher für Erwachsene gelesen habe. Der andere Grund: Ich habe mich als Jugendliche oft gegen Bücher gewehrt, von denen andere behaupteten, man müsse sie unbedingt lesen (insbesondere wenn es Erwachsene waren). Jugendliche wollen eigene Wege gehen, auch literarisch, und das ist gut so. Hauptsache lesen. Obwohl ich ehrlich gesagt etwas befremdet bin über das Ausmaß an Gewalt, das man heute in der Jugendliteratur ganz selbstverständlich antrifft („Tribute von Panem“). Zugegeben geht es in „1984“ auch nicht gerade gewaltlos zu, aber hier handelt es sich auch nicht um ein Jugendbuch.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Natürlich meinen Seelenverwandten, den Seele-fant aus den Urmel-Büchern! Ich bin so eine Chortante, die vom Singen nicht genug kriegt. Vielleicht gelänge dem Seele-fant ja, was mir nicht gelingt, nämlich meine Kinder zum Singen zu animieren. Beim Gegenbesuch würde ich mit dem Seele-fant endlich tun, was ich als Mutter sowieso schon längst tun wollte: Ohne basisdemokratische Diskussionen die Macht an mich reißen und einen Tag lang über die „Unteren Tannen“ regieren. Alle Menschen und Tiere werden zum gemeinsamen „Söngen“ genötigt, auch die männlichen Vertreter ihrer Art!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Lilach Mer

Interview-Montag! Juchhu!

Ich habe Lilach bei einer autorenbegleiteten Leserunde auf Leserunden.de kennen gelernt – wir haben wunderbar über die Struktur von „Der siebte Schwan“ diskutiert. Danach habe ich all meinen Mut zusammengenommen und habe sie auf Facebook angefreundet. Lilach ist online nicht sehr präsent – bei einem Job und dem Schreiben wundere ich mich, dass sie überhaupt noch Zeit für irgendetwas findet … Trotzdem hat der Kontakt gehalten. Vielleicht auch, weil wir beide aus dem Norden stammen und die große Vorliebe für Märchen teilen. Als ich Lilach für dieses Interview anschrieb, war sie jedenfalls sofort Feuer und Flamme!
Lilach hat bisher „Der siebte Schwan“ – Unbedingt lesen! Es ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft schön! -, „Winterkind“, „Seacrest House“ und noch eine Kurzgeschichte bei Rowohlt, „Cirque Indigo“ veröffentlicht. Irgendwann dieses Jahr wird auch noch eine irische Variation des „Die Schöne und das Tier“-Motivs bei U-Line erscheinen, der Titel lautet bisher „Wolf und Rose“. Darauf freue ich mich schon sehr!
Mehr zu Lilach Mer findet man hier.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Bücher sind immer schon meine Begleiter gewesen, so weit ich mich zurückerinnern kann. Ich bin praktisch zwischen Regalen groß geworden. Als ich sie noch nicht selbst lesen konnte, habe ich sie immerhin schön (hüstel) ausgemalt – vor allem die Fachbücher meiner Mutter. Na, die wird sich gefreut haben …!

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Ich habe eigentlich alles gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte, und war dabei in meinen Vorlieben, fürchte ich, nicht besonders originell: Astrid Lindgrens wunderschön-traurig-freche Geschichten waren von allen meine besten Bücher-Freunde. Was genau ihren Zauber damals ausmachte, kann ich nicht wirklich sagen; vielleicht funktioniert er deshalb bis heute. Ich erinnere mich aber gut daran, dass ich mich selbst und die Lisa aus „Bullerbü“ eigentlich für mehr oder minder dieselbe Person gehalten habe. Obwohl ich im Leben nie auf die Idee gekommen wäre, in meinem Kinderzimmer Staub zu wischen und den Teppich auszuklopfen …
Was Märchen betrifft, sie sind für meine eigenen Lese-Abenteuer im Prinzip die Grundlage gewesen: Bei uns zuhause bekam man sie vorgelesen oder auch einfach frei erzählt, zusammen mit Balladen und Unsinnsliedern (für letzteres hatte vor allem mein Vater eine fast schon beunruhigende Begabung). Ob die grauslichen Stellen in den Märchen irgendwie geschönt wurden, weiß ich nicht mehr; als Kind stört man sich aber eh erstaunlich wenig an Schwiegermüttern in Nagelfässern und dergleichen. Vermutlich habe ich die Märchen und alles, was darin so passierte, für eine Art mündlichen Geschichtsunterricht gehalten. Sind sie im Grunde ja auch – jedenfalls, was die menschliche Natur betrifft.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich hatte es wirklich gut und bekam praktisch jeden Tag etwas vorgelesen; spätestens zum Einschlafen. Das brachte den Tag zur Ruhe und schloss ihn sozusagen in sich ab. Außerdem ist es natürlich wunderbar, Mama oder Papa eine kleine Weile mal ganz für sich zu haben, in der friedlichen Kinderzimmer-Dämmerung, wo einem nichts passieren kann. Mein Vater musste mir eine Zeitlang sogar übers Telefon vorlesen, wenn er nicht da war – die lila Märchenbücher, die er dafür benutzte, habe ich heute bei mir stehen.
Ich selber lese unheimlich gerne vor, aber leider nicht besonders gut. Manchmal mache ich das mit Freundinnen, wenn wir neue Schätze ausgegraben haben. Außerdem natürlich immer kleine Schnipsel beim Essen (ohne Buch setze ich mich doch gar nicht erst hin …). Kann zu Kartoffel-Pell-Unfällen führen, ist aber trotzdem unbedingt empfehlenswert.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Die Lindgren gehört natürlich ins Kinderzimmer, am besten jedes einzelne Buch von ihr. Es gibt einfach nichts Besseres für die Kinderseele, nichts, was ihr so sehr entspricht und die rätselhafte, wundersame, schmerzliche Welt so vollständig durch ihre Augen betrachtet. Die ganz traurigen Geschichten, wie die „Schafe von Kapella“ und „Klingt meine Linde“ würde ich allerdings die ersten paar Jahre nach hinten stellen. Außerdem jede Menge „leichte Lektüre“, die einfach Spaß macht wie Süßigkeiten. Und die „Taran“-Bücher von Lloyd Alexander. Und der „Kleine Hobbit“! Inzwischen gibt es ja längst ein anderes Cover als das der dtv-Ausgabe, die mich lange glauben ließ, der Hobbit wäre ein Drache (war ja fett in der Mitte abgebildet – das Männchen, das irgendwo am Rand herumturnte, schien mir völlig unwichtig). Oh, und natürlich das „Schnurpsen“-Buch, und eine gute Ausgabe griechischer Sagen für Kinder. Außerdem noch – ach, eigentlich gehören alle Bücher, die ich damals las, dazu. Ich möchte jedenfalls kein einziges missen. Genau das, schätze ich, macht gute Kinderbücher aus.
Was Jugendbücher angeht, bin ich unsicher. Typische Jugendbücher, also Bücher, die extra für Jugendliche geschrieben wurden, mochte ich eigentlich nie besonders leiden. „Outsider“ von Susan Hinton fand ich sehr anrührend, daran erinnere ich mich. Und ich denke, mit Terry Pratchett kann man eigentlich nicht früh genug anfangen.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Na, Pippi natürlich! Wir würden meine beste Freundin abholen, uns mein winziges, wackliges Banana-Faltboot schnappen, ein Bettlaken als Segel aufziehen (für mehr hat’s bisher leider noch nicht gereicht) und Piratenlieder grölend die Schlei hinunter schippern. Vielleicht könnte uns auch der Kleine Onkel vom Ufer aus treideln. Alle Prusseliesen, denen wir begegnen, würden wir mit Wasserbomben bewerfen, dabei Sahnetorte aus der hohlen Hand essen und die tollsten Abenteuer in Buchten erleben, die die „dummen Erwachsenen“ nicht mal mit Karte entdecken würden.
Bei Pippi zuhause würde ich unbedingt aufs Dach klettern wollen, das habe ich mir beim Anschauen der Filme immer gewünscht. Und vielleicht käme dann auch gleich noch Madita vorbei, und wir könnten die Sache mit dem Sprung und dem Regenschirm nochmal ausprobieren – wenn Pippi dabei ist, klappt es bestimmt!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Demetria Cornfield

Interview-Montag! Juchhu!

Ich habe Demetria vor inzwischen vielen Jahren bei einem online-Seminar kennen gelernt – so gut man das eben bei so etwas kann. Aber ich fand das, was sie schrieb, immer so freundlich, fundiert und authentisch, dass ich mir hinterher ein Herz fasste und sie auf Facebook anfreundete. Seither lesen wir regelmässig von unserem Leben und freuen uns an den Erfolgen und Freunden der anderen. Das erste Mal gesehen haben wir uns, als sie auf dem Weg von ihrer Lektorin nach Hause bei mir einen Kaffee-Stop gemacht hat. Sie das erste Mal zu sehen, zu hören, zu erleben, hätte seltsam sein können, war es aber nicht. Es war schön und wir knüpften live und in Farbe dort an, wo wir im Internet stehen geblieben waren.
Demetria hat bisher das Jugendbuch „Der Wächter des Sternensees“ und die Anthologie „Ganom“, die eher etwas für Erwachsene ist, veröffentlicht.
Mehr zu Demetria Cornfield findet man hier und hier.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Tatsächlich habe ich die Liebe zu Büchern meiner Deutschlehrerin in Thailand zu verdanken. Wir lernen dort schon recht früh lesen und schreiben. In den 70er Jahren war Europa, und speziell Deutschland so weit weg, da haben wir die irischen Elfensagen, die wir gemeinsam gelesen haben, in unserer Vorstellung einfach umgesiedelt. Das war das erste Mal, dass ich mittels gelesener Geschichten fremde Welten bereisen konnte, ich denke, mein unerschütterlicher Glaube an die Elfen stammt noch aus dieser Zeit.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

»Die kleine Hexe« und »Das kleine Gespenst« von Otfried Preußler. Mein absolutes Lieblingsbuch aber war »Krabat«. Dieses unsagbar Düstere, die unheimliche Stimmung, das hat mich gefesselt. Natürlich auch die Magie – sie hat mich, seit ich denken kann, begleitet. Ich war erleichtert, dass die Geschichte gut ausging und die Liebe gesiegt hat, aber auch traurig, weil die Mühle zerstört wurde.

Märchen fand ich, ehrlich gesagt nicht schaurig genug 😀 Du musst verstehen, dass wir Kinder in Thailand zur Abschreckung immer Geistergeschichten vorgesetzt bekamen, tu dies nicht, sonst kommt jener Geist, tu das nicht, sonst kommt jenes Gespenst. Deutsche Märchen fand ich immer etwas *lasch*. Nur die von Hans Christian Andersen, die hatten Tiefgang, die mochte ich. Die roten Schuhe, die Schneekönigin oder die kleine Seejungfrau beispielsweise.

Als Jugendliche habe ich Tolkien, Poe und Lovecraft gelesen, aber auch sehr gerne Stephen King. Da haben wir uns in der Schulklasse immer gegenseitig inspiriert. Wenn meine Eltern wüssten, wofür ich mein Taschengeld immer ausgegeben habe!

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Leider ist mir nie vorgelesen worden, ich bin schon früh ins Internat gekommen und musste selbst lesen. Ich kann aber nicht behaupten, dass es mir gefehlt hätte, das war bei uns halt nicht so üblich. Meinen Kindern habe ich aber schon recht früh vorgelesen. Da unsere Wohnung vor Büchern überquillt, wollte ich ihnen einfach meine Liebe zu Büchern nahebringen. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Jenseits von Bibi Blocksberg und Co.? Auf jeden Fall alle von Otfried Preußler, Astrid Lindgren, Erich Kästtner und Enid Blyton. Auch »Peter Pan« von James Matthew Barrie oder »Alice im Wunderland« von Lewis Caroll. Die Geschichten und die Erzählart sind einfach zeitlos, man kann diese immer wieder lesen, ohne dass etwas von deren Magie verloren geht. Gerade beim »Doppelten Lottchen« ist die Thematik immer noch höchst aktuell.
Meine Tochter hat sich dieses Jahr »Das kleine Gespenst« zum Geburtstag gewünscht und liebt es heiß und innig. Ansonsten habe ich den Kindern gerne »Karoline die Hexe« von Doris Wiederhold und Petra Probst vorgelesen. Später machte mein mittlerer Sohn seine ersten Leseschritte mit »Der Drache Kokosnuss« (liest mittlerweile Tolkien) – die Tochter mit der »Nele« Reihe von Ush Luhn.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ganz ehrlich? Als ich damals »Der kleine Hobbit« las, wollte ich immer Gandalf bei mir haben. Wir würden den ganzen Tag Feuerwerkskörper basteln, und am Abend mit lautem Knall abbrennen lassen. Ich glaube, diesen Wesenszug liebe ich am meisten an ihm – dass er bei all der Magie den Spaß nie verliert.lautem Knall abbrennen lassen. Ich glaube, diesen Wesenszug liebe ich am meisten an ihm – dass er bei all der Magie den Spaß nie verliert.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Thomas Finn

Interview-Montag! Juchhu!

Ich kenne Tom schon ewig über einen gemeinsamen Freund. Wir haben zusammen Babylon 5 geschaut, als man die Serie noch nicht ganz einfach auf DVD kaufen konnte und ich Fangirl sie alle im Fernsehen auf Video aufgenommen hatte, er hat mir eine Spielerin für eine Vampire-Live-Runde vermittelt, die dann eine sehr liebe und ganz wichtige Freundin geworden ist und wir hatten erinnerungswürdige Rollenspielrunden. Einmal leitete Tom Cthulhu und nachdem wir die Nacht durchgespielt hatten – es war vielleicht vier Uhr morgens -, hatte er es mit seiner spannenden und gruseligen Geschichte geschafft den Zwei-Meter-Riesen neben mir am Tisch dazu zu bringen nur noch hysterisch zu kichern, die einige Jahre ältere Frau, die ich immer so erwachsen fand, hatte sich die sprichwörtliche Decke über den Kopf gezogen und murmelte in unregelmässigen Abständen „Ich verstecke mich.“ und der gestandene Mann von Welt, der Sunnyboy, der immer und in jeder Lebenslage wusste, was zu tun ist, klapperte nervös mit den Würfeln und ließ seinen Charakter kopflos mal hierhin und mal dorthin laufen und sinnlose Dinge tun. Und ich? Ich fand das wunderbar! Es war so spannend und gruselig und Tom erzählte die Geschichte so atmosphärisch dicht, dass ich mich mitten drin fühlte und meinen Charakter einen Heldentod sterben ließ. Deshalb liebe ich auch seine Bücher. Sie lassen mich mitfiebern, sind spannend und voller Atmosphäre. Und Tom hat es mit Aquarius tatsächlich geschafft mich aufs Glatteis zu führen; etwas, das gefühlt seit 500 Büchern nicht mehr geschehen ist …
Mehr zu Thomas Finn findet man hier und hier.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Ich habe spannende Geschichten eigentlich schon immer geliebt – nur gab es früher noch nicht so viel coolen und fantastischen Lesestoff wie heute. In der 5. Klasse entdeckte ich dann die John Sinclair-Heftromane, die mich bis zum Beginn der Bundeswehrzeit begleitet und vermutlich auch meine Begeisterung für fantastische Stoffe geweckt haben. Wirklich einschneidend war für mich aber kein Buch, sondern die Entdeckung der Fantasy-Rollenspiele 1984 mit „Das schwarze Auge“. Kaum hielt ich die damalige Spielebox in Händen, machte es bei mir förmlich ‚Klick’. Denn ich begriff schlagartig, welch ungeheuerliches Universum sich mir da eröffnete. Endlich gab es eine Möglichkeit, mit Freunden fast real life selbst in ebenso spannende wie phantastische Geschichten einzutauchen. Mit den Fantasy-Rollenspielen begann auch die Schreiberei immer wichtiger zu werden – erst mittels eines Fanzines, dann für professionelle Magazine, schließlich für Rollenspielverlage. Ich wollte die Geschichten, die ich mir ausdachte, aber auch die erzählerischen Tricks, denen ich auf die Spur kam, natürlich mit anderen teilen. Dass aus alledem mal ein echter Beruf werden würde, hätte ich ursprünglich nie für möglich gehalten.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Fangen wir bei den Märchen an. Ich habe Märchen aller Art regelrecht verschlungen, kaum dass ich selbst lesen konnte. Insbesondere die Geschichten aus 1001 Nacht – und hier mein All-time-favorit „Aladin und die Wunderlampe“. Gefressen habe ich während meiner Grundschulzeit auch alle „Geheimnis um …-Romane“ von Enid Blyton und später dann die TKKG-Romane von Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf. Ich fand es als Jugendlicher unglaublich aufregend, mir vorzustellen, gleich einem Detektiv Kriminalfälle aufzuklären. Aber … es gab auch tolle Filme und TV-Serien, die mich geprägt haben. Zum Beispiel die britische SF-Serie „Mondbasis Alpha 1“, die ich als Kind besser fand als „Raumschiff Enterprise“. Ebenso wie die TV-Serie um Enid Blytons „Fünf Freunde“, die mich wiederum als Romane nicht so begeistern konnten. Ich war also nicht bloß auf ein Medium fixiert. Man sollte halt nicht vergessen, dass Romane bloß ein Mittel sind, um aufregende Geschichte zu erzählen oder zu erleben.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich erinnere mich, dass mein Vater uns Geschwistern recht früh aus dem Lederstrumpf vorlas – was mir als Kind aber immer etwas düster vorkam. Das Kopfkino habe ich aber wirklich genossen. Inwieweit das mein späteres Leseverhalten beeinflusst hat, vermag ich nicht zu sagen. Heute lese ich gern meinen Patenkindern vor, wobei das inzwischen seltener wird, da zumindest der ältere der beiden längst selbst lesen kann und Bücher inzwischen ebenso frisst, wie ich es damals getan habe. Nur hat er heute eindeutig die bessere Auswahl. Ich lese grundsätzlich aber gern – heute aber eher auf offiziellen Lesungen, wozu auch Schullesungen gehören. Gerade die Schullesungen sind stets ganz besondere Herausforderungen, was viele Kollegen deutlich unterschätzen. Denn da kommen die Zuhörer ja nicht gerade freiwillig, sondern das sind gewissermaßen „Zwangsveranstaltungen“, die für manche Schüler gerade mal besser sind, als die dafür ausgefallene Stunde Mathe. Da muss man sich also ein richtiges Programm ausdenken, das auch die weniger leseaffinen Schüler 1 ½ Stunden bei Laune hält.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Oha, das ist schwierig, da das natürlich vom persönlichen Geschmack abhängt. Heutzutage stehen für mich J.K. Rowlings „Harry Potter“-Romane ganz weit oben. Die sind handwerklich sehr gut gemacht, unterfordern die Jugendlichen nicht und sind einfach bunt, schrill und aufregend. Vor allem: Wenn du wissen willst, wie die Story weitergeht, musst du gleich sieben dicke Schinken hintereinander lesen. Danach hast du keine Berührungsängste mehr, was Bücher anbelangt. Manche Erwachsene – insbesondere jene, die die aufregende Phantastik selbst nie kennengelernt haben – tendieren ja eher zu Literatur, die man freundlich ausgedrückt als „schwer“ bezeichnen müsste. Aber das halte ich für einen großen Fehler. Denn speziell bei Kindern und Jugendlichen geht es doch vor allem darum, überhaupt die Lust und den Spaß am Lesen zu entfachen – statt diese mit trockenem Lesestoff bereits im Keim zu ersticken. Davon ab halte ich mich mit Empfehlungen lieber zurück, denn unsere eigene Leidenschaft für bestimmte Geschichten hängt immer auch von der Zeit ab, in der diese geschrieben wurden und in der wir als Kinder aufgewachsen sind. Was uns einst begeistern konnte, mag späteren Lesegenerationen völlig verstaubt vorkommen. Aus dem gleichen Grund bewundere ich aber auch zeitlose Klassiker wie Astrid Lindgrens „Pipi Langstrumpf“. Frau Lindgren hat da generationenübergreifend ein Einfühlungsvermögen fürs kindliche Gemüt bewiesen, das mir ehrliche Bewunderung abnötigt.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ganz früher war das Tim aus TKKG – in den ersten Romanen noch mit dem Spitznamen „Tarzan“ versehen. Mit ihm zusammen hätte ich mich gern selbst auf Verbrecherjagd begeben. Außerdem wurde er von Gabi angehimmelt, was einen echt neidisch machen konnte. Heute würde ich lieber Harry Potter begrüßen und mir von ihm die Welt jenseits der Muggel zeigen lassen.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Robin Gates – als Video

Wir hatten ja gerade den Interview-Montag und Robin Gates hat mir fünf Fragen beantwortet. Er hat diese Fragen aber auch auf seinem Youtube Kanal beantwortet. Schaut es euch an! Auch wenn es dieselben Fragen sind, sind die Antworten doch ein wenig anders. Und persönlicher ist es mit Robins angenehmer Stimme und einen Bild sowieso!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

5 Fragen an Robin Gates

Interview-Montag! Juchhu!

Ich habe Robin vor vielen Jahren bei einer gemeinsamen Freundin kennengelernt. Ich fand ihn nett, aber wir haben nicht viel geredet, weil so viele Menschen da waren. Am nächsten Morgen beim Frühstück hatte ich ein Buch in der Hand (Nicht so überraschend …) und zwar die Reclamausgabe des Nibelungenlieds. Robin kam zum Tisch, setzte sich neben mich, sah, was ich las, und fragte mich, ob ich sie auf Mittelhochdeutsch lesen würde. Ich nickte und begann die erste Strophe zu rezitieren, schnell fiel er ein:

Uns ist in alten mæren    wunders vil geseit
von helden lobebæren,    von grôzer arebeit,
von fröude hôchgezîten,    von weinen und von klagen,
von küener recken strîten    muget ir nu wunder hœren sagen.

Und in diesem Moment waren wir auf eine wunderbare Art miteinander verbunden und in einem Einklang, wie es nur Leute sein können, die dieselbe Leidenschaft teilen. Seither hat Robin einen besonderen Platz in meinem Herzen und auch, wenn wir uns gar nicht so oft seitdem gesehen und gehört haben, sind wir – nicht zuletzt dank moderner Medien – immer in Kontakt geblieben. Wie schön!
Inzwischen hat er den Sprung gewagt und lebt tatsächlich vom Schreiben. In den nächsten Tagen erscheint sein neustes Buch Feuermuse unter seinem Pseudonym Robin Gates. Robin schreibt aber nicht nur Fantasy – zum einen Geschichten, die in der Welt Runland spielen, zum anderen Urban Fantasy wie Dilmun: Jäger des ewigen Lebens oder eben Feuermuse -, sondern veröffentlicht als Bernhard Stäber auch hochspannende Thriller um die Hauptfigur des Deutsch-Norwegers Arne Eriksen. Die Bücher spielen in Norwegen, Robins Wahlheimat.
Mehr zu Robin Gates findet man hier und hier. Und mehr Infos zu Bernhard Stäber gibt es hier und hier.
Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Meine Liebe zu Büchern begann schon im Kindergarten. Ich habe mir das Lesen mit einem dieser altmodischen Setzkästen voll Buchstaben wie auf Scrabble-Steinen selbst beigebracht  – und zwar aus reiner Neugier. Ich wollte unbedingt wissen, was in der Zeitung geschrieben stand, hinter der sich mein Vater immer am Frühstückstisch versteckte, und was für Geschichten es in den Büchern gab, die im Haus meiner Eltern standen.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Mein Lieblingsbuch als Kind war Otfried Preußlers „Krabat“. Damals hätte ich es schwer in Worte fassen können, was mich daran so faszinierte – ich fand es einfach unheimlich und spannend. Als Erwachsener denke ich, dass es mich wohl begeistert hat, wie Preußler einen klassischen Märchenstoff genommen und daraus eine sehr persönliche Geschichte gemacht hat, in der die Hauptfigur über den klassischen Märchen-Archetyp hinauswuchs.

Als Jugendlicher hat mich „Watership Down“ stark beeindruckt, besonders Richard Adams´ Angewohnheit, jedem Kapitel ein passendes Zitat aus einem Literaturklassiker voranzustellen. Ich bekam dadurch sofort Lust, mehr über die Autoren der Zitate herauszufinden. Meine Liebe zu englischsprachiger Literatur geht deswegen stark auf Richard Adams zurück.

Märchen haben in meinem Leben immer eine besondere Rolle gespielt. Ich sammle Märchen und Mythen aus den verschiedensten Ländern. Es ist faszinierend, kulturell unterschiedliche Themen in ihnen zu entdecken. Zum Beispiel findet man in irischen Märchen sehr häufig das Motiv eines Geschichtenerzählers, dem keine Geschichte mehr einfällt, und der die unheimlichsten Erlebnisse durchstehen muss, nur um am Ende wieder eine spannende Geschichte erzählen zu können. – ein Motiv, das ich bisher nur in Irland gefunden habe und das die wichtige Rolle oraler Literatur in der irischen Kultur widerspiegelt.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern mir etwas vorgelesen haben. Aber als sie merkten, dass ich selbstständig lesen konnte, schenkten sie mir immer wieder Bücher und kümmerten sich darum, dass ich einen Büchereiausweis bekam. Mein absolutes Lieblingsgeschenk allerdings war ein Kassettenrecorder. Damit konnte ich zum ersten Mal meine eigene Stimme aufnehmen. Ich habe die Lieblingsstellen meiner ausgeliehenen Bücher aufgezeichnet, um mir sie mir wieder und wieder anhören zu können. Ich habe eigene Geschichten erfunden, einfach drauflos erzählt und bekam so beim Anhören ein Gefühl für den Rhythmus meiner eigenen Stimme. Auch heute noch lese ich gerne meine tägliche Arbeit an einem Manuskript laut, um zu hören, wie gut die Geschichte im Fluss ist. Ich sehe mich selbst in erster Linie als Geschichtenerzähler.

Es gab einen Vorlesemoment in meinem Leben, der mich stark beeindruckt hat und an den ich mich auch heute noch gut erinnern kann. Mitte der Neunziger lebte ich in Berlin und besuchte eine Mitternachtslesung von Samuel Becketts „Molloy“ im Roten Salon der Berliner Volksbühne. Zwölf Schauspieler lasen gemeinsam ohne Unterbrechung den kompletten Roman, jeder jeweils eine Stunde lang. Es war ein beeindruckendes Erlebnis. Der Rote Salon schuf mit seinen gemütlichen Sofas eine intime Wohnzimmeratmosphäre, zu der auch die Schauspieler selbst beitrugen, weil die meisten von ihnen sich zu uns Zuhörern gesellten, nachdem ihr Beitrag vorbei war.

Ich selbst lese heute auch immer noch vor. Auf meinem Youtube-Kanal findet sich zum Beispiel mein erster Runland-Roman, „Der Harfner und der Geschichtenerzähler“, komplett Kapitel für Kapitel eingelesen. Ich organisiere auch immer wieder gerne Lesungen aus meinen Büchern. Der direkte Kontakt zu meinen Lesern bei solchen Veranstaltungen ist ein schöner Ausgleich zu der ansonsten ja recht isolierten Schreibarbeit.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Die Bücher von Rosemary Sutcliff, J.K. Rowling und Astrid Lindgren gehören meiner Ansicht nach in jedes Kinderzimmer. Astrid Lindgrens schlichte, aber dennoch poetische Sprache spricht besonders zu jüngeren Kindern wie es kaum ein anderer Autor nach ihr hinbekommen hat, ohne jemals betulich zu werden. Sie erspart Kindern nichts, nicht einmal den Tod – und nimmt sie damit ernst.

J.K. Rowling hat mit ihren Harry Potter-Büchern ein unglaublich komplexes, doppelbödiges Universum geschaffen, in dem sich viele Handlungen der Charaktere erst auf den zweiten und dritten Blick erschließen. Anfangs wurde sie stark kritisiert. Man warf ihr Eskapismus vor und sagte ihr voraus, im Gegensatz zu anderen Kinderbuchklassikern würden ihre Bücher bald wieder vergessen sein. Aber letztendlich hat sie die Grenzen dessen, was sich in Kinderbüchern erzählen lässt, wie kaum eine andere Autorin vor ihr erweitert. Deswegen sind ihre Bücher bereits heute Klassiker.

Rosemary Sutcliff hat es verstanden, Kinder für Geschichte zu begeistern. Ihre historischen Romane schlagen Brücken zum Leben der Menschen vor zweitausend Jahren und erwecken die Vergangenheit mit allen Sinnen zum Leben.

Soviel zu Kinderbüchern. Ich ziehe nur ungern eine Trennlinie zwischen Jugendbüchern und Literatur für Erwachsene. Aber zu Büchern, die meiner Meinung nach Jugendlichen besonders viel geben, zähle ich „Der Herr der Ringe“ von Tolkien, die Bücher von Stephen King, Terry Pratchett, Neil Gaiman und Michael Ende.

Kinder-und Jugendbuchklassiker haben alle etwas gemeinsam: Sie transzendieren das Alter ihres Klientels. Neil Gaiman hat in „Der Ozean am Ende der Straße“ darüber reflektiert, ob es Erwachsene womöglich gar nicht gibt und alle sogenannten Erwachsenen vielleicht nur äußerlich älter aussehen, aber innerlich genau den gleichen Vorlieben nachgehen, die sie auch schon als Kinder angetrieben haben. Ein gutes Kinderbuch spricht zu dem Kind in uns. Egal in welchem Alter wir es aufschlagen – es erreicht uns, wie ein vertrauter und liebgewonnener Geruch, und macht es auch für Erwachsene lesenswert.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ich würde sehr gerne einmal den Halbelfen Elrond aus „The Hobbit“ und „The Lord of the Rings“ zu Besuch haben. Ich bin gespannt, was er davon hält, dass ich mein norwegisches Zuhause „Rivendell“ getauft habe – immerhin liegt es auf einem bewaldeten Hügel umgeben von mehreren Wasserfällen. Und natürlich würde ich bei einem Gegenbesuch sehr gerne eine Führung durch das echte Rivendell oder Imladris bekommen.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!