Wie sprech ich einen Blogger an?

Ich mag Autor*innen. Wirklich! Ich bin sogar mit einer ganzen Reihe von ihnen befreundet. Sie sind nette, angenehm verrückte Menschen, die meine Liebe zu Geschichten teilen, Bücher mögen, meine Leidenschaft fürs Lesen verstehen und selbst teilen. Sie sind sehr fantasievoll. Sie wissen viel aus den verschiedensten Lebensbereichen und haben immer eine Anekdote zu jedem noch so abseitigem Thema auf Lager. Sie sind unterhaltsam und amüsant und verstehen meist meinen Humor. Sie blicken immer über den Tellerrand. Es bringt Spaß sich mit ihnen zu unterhalten. Sie sind einfach eine angenehme Gesellschaft. Daher bin ich gerne mit ihnen zusammen, mit ihnen befreundet, ich höre gerne von ihnen und lerne auch gerne neue Autor*innen kennen. Jedenfalls meistens.

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Ich bekomme in der letzten Zeit mehr und mehr Rezensionsanfragen. Eigentlich finde ich das schmeichelhaft. Denn es könnte ja bedeuten, dass mein Blog gefällt und meine Rezensionen, bei denen ich mir Mühe gebe mehr zu schreiben „Gefällt mir.“ auf Resonanz stoßen. Es könnte also schmeichelhaft sein. Ohne Frage.
Aber immer mal wieder – und leider auch immer öfter – vergreifen sich die Schreiberlinge dabei im Ton und sind patzig oder anmassend. Oder sie sagen sehr durchschaubar die Unwahrheit, beispielsweise darüber, dass sie meinen Blog lesen und ihnen gut gefällt, was ich schreibe. Oder sie stehlen meine Zeit durch eine Massenemail, die eigentlich gar nicht mich, die ich Kinder- und Jugendbücher rezensiere, als Ziel hat. Und das ist ärgerlich. Sehr sogar!

Dieser Blog ist mein Hobby. Es ist meine freie Zeit, die ich hier investiere. Nicht die ganze, aber doch immer wieder einen signifikanten Teil. Ich bekomme dafür kein Geld nur ab und zu ein Buch). Ich mache das, weil Bücher und Lesen zwei meiner großen Leidenschaften sind. Und deshalb mache ich das gerne.

Eine Rezension schreibt sich nicht von allein. Ich lese das Buch, analysiere es, mache mir dazu Gedanken, formuliere eine möglichst konstruktive Kritik, mache oder besorge mir ein Coverfoto, recherchiere zur Autor*in, lasse das Ganze liegen, um Abstand zu gewinnen, überarbeite den Text noch einmal und dann erst veröffentliche ich die Rezension. Das alles kostet Zeit. Jede*r, der sich selbst mit Schreibprozessen beschäftigt, kann das sicher nachvollziehen.

Die Rezensionsanfragen, die ich in der letzten Zeit bekomme, haben mich dazu gebracht, hier einmal zusammenzufassen, was ein*e Autor*in bedenken und beachten sollte, wenn er oder sie ein*e Buchblogger*in anschreibt und um eine Rezension seines Werks bittet. Frei nach T.S. Eliot „Wie sprech ich einen Blogger an?“

  1. Vorauswahl. Die meisten Blogger*innen sind spezialisiert. Sie sind eben auch in erster Linie Leser*innen, die ihre ganz eigenen Vorlieben haben. Es ist also sinnvoll, den Blog einmal unter die Lupe zu nehmen. Was wird dort rezensiert?
    Eine Liebesromananfrage an eine*n Thriller-Blogger*in oder ein Fantasybuchrezensionsbitte an ein*e Gartenbuchblogger*in zu richten, ist für die Blogger*in ärgerlich und kostet alle nur unnötige Zeit. Die Autor*innen beim Hinausschicken und die Blogger*innen beim Lesen und wohlmöglich Antworten. (Ich habe das eigentlich immer gemacht, aber in der letzten Zeit habe ich zum Beispiel Rezensionsanfragen zu Erotikbüchern kommentarlos aus meinem Emailpostfach gelöscht.) Und am Ende kommt bei mir nichts dabei heraus außer dem miesen Gefühl, dass da schon wieder jemand etwas will, aber sich nicht die Mühe macht zu schauen, ob es passen könnte.
  2. Persönliche Ansprache. Wenn man nun als Autor*in schon geschaut hat, ob der Blog der richtige für das eigene Buch ist, kann man auch noch schauen, wie die Blogger*in und der Blog heißt.
    Eine Ansprache mit Namen und Namen des Blogs ist schön. Jede*r mag mit Namen angesprochen werden; das vermittelt das Gefühl gesehen und gemeint zu sein. Außerdem ist so erkennbar, dass die Autor*in bereit ist auch Zeit zu investieren und tatsächlich recherchiert hat. Das wiederum ist eine gute Grundlage für den Aufbau einer Beziehung auf Augenhöhe, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Und eine solche Beziehung hilft auch noch beim nächsten Buch und dem übernächsten.
  3. Das Wort ist schon gefallen: Respekt. Das wünsche ich mir. Für mich als Person, meine Arbeit und meine Zeit oder vielmehr dem Mangel davon und die daraus resultierenden Entscheidungen für oder gegen eine Rezension. Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber wenn ich eine Rezensionsanfrage höflich ablehne, noch alle Gute mit dem Buch wünsche und dann eine Email zurückerhalte, in der ich entweder herablassend darüber aufgeklärt werde, dass dieses Buch aber absolut in mein „Beuteschema“ passt, außerdem wirklich gut ist und ich echt etwas verpasse oder eine pampige Antwort wie „Dein Blog liest ja sowieso niemand.“ (Warum wollte der Autor*in denn überhauppt eine Rezi von mir?) bekomme, dann habe ich aufgrund dieses Mangels an Respekt sicherlich auch in Zukunft keine Lust mich mit den Ergüssen dieser Person zu beschäftigen.
  4. Respekt bedeutet auch Ehrlichkeit im gegenseitigem Umgang. Wenn Emails kommen, in denen Sätze wie „Ich lese Ihren Blog so gerne.“ oder „Ich mag deine Rezensionen.“ eintrudeln und dann um die Rezension eines Finanzplanung-Sachbuchs oder einer Holocaust-Biografie gebeten wird, dann – ganz ehrlich – fällt es auf, dass das überhaupt nicht passt und ich wohl mit unehrlichen Worten eingelullt werden soll, damit ich der Autor*in einen Gefallen tue. Kommt bei mir – und auch anderen Blogger*innen – nicht so gut an. Im besten Falle machen wir uns darüber lustig…
  5. Daraus ergibt sich dann auch – eigentlich selbstverständlich – Höflichkeit. Eigentlich bricht niemandem ein Zacken aus der Krone ‚bitte‘ und ‚danke‘ zu sagen. Tue ich auch und bringe ich auch meinen Kindern bei.Das Leben ist ruppig genug, da können doch wenigstens wir Buchmenschen höflich, vielleicht sogar freundlich und nett miteinander umgehen.

So, nun ist mein Rant vorbei. Danke für die Aufmerksamkeit!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

Crime Mysteries: Sherlock Holmes

Mal wieder ein Rezensionsmontag!

Als Kind habe ich die Krimis zum Selberrätseln und -lösen von Wolfgang Ecke heiß und innig geliebt. Ich hatte viel Spaß und eine große Freude daran. Dumm war nur, dass man diese Bücher nicht beliebig oft wieder lesen konnte, weil man die Lösungen ja schon kannte.
Als Teenager entdeckte ich dann Sherlock Holmes für mich. Und noch heute bin ich eine begeisterte Sherlockianerin. (Auch wenn ich nicht mehr so viel Zeit wie früher für dieses Hobby aufbringen kann…)
Was kann folglich mein Herz zum Entzücken bringen? Genau, Sherlock-Holmes-Krimis zum Selberrätseln und -lösen. Als ich also die Anfrage erhielt, ob ich das Buch Crime Mysteries: Sherlock Holmes rezensieren wollte, konnte ich nicht anders als Ja sagen.

Titel: Crime Mysteries: Sherlock Holmes
Verlag: Ullmann Medien
Seiten: 224

Nach einer kurzen Einleitung von Dr. Watson berichtet der gute Freund des großen Detektivs Sherlock Holmes von zehn neuen Fällen: Dabei handelt es sich um eine Kabale in Birchfield House mit tödlichem Ausgang, einen Überfall in der Fabrik eines Nahrungsmittelherstellers der Luxusklasse, einer weiteren Intrige mit tödlichem Ausgang im Hause der Freemans, Anekdoten aus der Sunday Times, einem Diamantenraub mit Mord in den Carnaby Rooms, den mysteriösen Mr. Crane, der spurlos verschwunden ist, einer vornehmen, aber durch und durch eigenartigen Gesellschaft in Carstairs House,  den Diebstahl einer nur heimatkundlerisch wertvollen Krone, den Verbrechen – Morde und Entführung – die bei Unwetter zunehmen und dem mysteriösen Tod von Edward Bitters.

Jeder der zehn Fälle ist in in jeweils drei Kapitel unterteilt. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es eine Schlussfolgerung Holmes, die man selber nachvollziehen kann. Alle Anhaltspunkte, die der große Detektiv hat, sind in dem vorausgegangenen Kapitel berichtet worden, so dass man  – zumindest theoretisch – die Fälle auch lösen kann. Natürlich ist genau das dies der Clou der Reihe Crime Mysteries. Mit etwas kriminalistischem Gespür und der Fähigkeit gut aufzupassen kann man in der Tat die Frage beantworten. Falls es jedoch mal nicht klappt, gibt es am Ende des Buchs die Lösungen. Hier kann der geneigte Leser nachschauen, ob die eigene Überlegung stimmt oder auch sich auf die Sprünge helfen lassen, wenn er einfach auf keine Lösung kommt.
Die Geschichten sind alle sehr stringent erzählt. Das Format lässt keinen Raum für Schnörkel und Ausschweifungen. Es geht um die meist großen Täuschungen mit kriminellem Hintergrund, die Hinweise darauf und die Deduktionen, die sich daraus ergeben. Wer neue Erkenntnisse über die bekannten Figuren Sherlock Holmes, Dr. John Watson, Inspektor Lestrade oder Mrs. Hudson oder ihre Beziehung erwartet, wird enttäuscht.
Der Stil ist sehr an die Erzählweise von Sir Arthur Conan Doyle angelehnt. Mit der Figur des Dr. Watsons gibt es einen Ich-Erzähler, der genau beschreibt – auch alle Details, die wichtig für die Deduktionen sind – und den Leser mit in die Welt des viktorianischen Englands nimmt. Am Beginn der Geschichte wird fast immer über das Wetter geredet, kleine Spitzen des Erzählers gegen seine Zeitgenossen kommen vor, ebenso die Bewunderung für den großen Detektiv. Dieser ist gewohnt brillant und verblüfft zwischendurch mit kleinen Deduktionen. So vermitteln die Geschichten das wunderbare Gefühl „zuhause“ zu sein, auch wenn der Erfinder des großen Detektivs sicherlich aus Gründen der Moral niemals eine Show- und Burleskentänzerin als Klientin seines Detektivs erfunden hätte.
Den Figuren fehlt jegliche Tiefe. Blitzen bei Conan Doyle immer mal wieder Momente auf, in denen Holmes, Watson oder die anderen dargestellten Personen Gefühle und eigene Motivationen, Hintergründe und Beziehungen haben, sind sie hier komplett auf die Rolle, die sie in der Geschichte als Handlungsträger zu spielen haben beschränkt. Ein oder zwei kleine Sätze über die Gefühle, die der Ich-Erzähler wahrnimmt oder selber zu diesen Figuren hat, würden sicherlich Wunder wirken.
Ein echtes Highlight ist die Gestaltung des Buchs! Eigentlich auf jeder Seite sind kleine Illustrationen, die ein wenig wie Stiche aussehen und das Geschehen untermalen. Nicht nur gibt es Bilder von den handelnden Personen, sondern auch von den Häusern und Orten, an denen die Geschichte spielt, und kleine Gegenstände, die vorkommen. Am Beginn einer neuen Geschichte gibt es eine stimmungsvolle, zweiseitige Schmuckseite.

Zehn neue Sherlock Holmes Fälle zum Selberrätseln und -lösen, die mich rundherum gut unterhalten haben. Ein gutes Buch für einen grauen Herbst- oder Winternachmittag auf der Couch.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Mein Körper gehört mir von pro familia & Dagmar Geisler

Rezensionsmontag!

Heute zu einem Buch, dass ich wunderbar finde, und zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt.
In Deutschland allein werden im Schnitt 40 Kinder pro Tag Opfer von sexueller Gewalt. Die Dunkelziffer ist deutlich höher. Es liegt in der Natur der Sache, dass niemand weiß wie hoch, aber Experten schätzen bis zu 20mal höher.
Diese Zahlen machen deutlich, dass noch viel passieren muss im Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Prävention ist dabei besonders wichtig: Viele Kinder müssen erst lernen, dass es in Ordnung ist, in unangenehmen Situationen Nein zu sagen und klare Grenzen zu setzen, nicht nur wenn es um ihren Körper geht. . Deshalb ist es für Kinder wichtig zu lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und benennen zu können.
Vor 25 Jahren erschien der Ratgeber „Mein Körper gehört mir!“ in Zusammenarbeit mit ProFamilia und Dagmar Geisler, die seit vielen Jahren zu diesem Thema arbeitet. Das Bilderbuch ist ein Klassiker unter den Kindersachbüchern. Nun erschien im Loewe Verlag die erweiterte Jubiläumsausgabe von „Mein Körper gehört mir!“.

Autorin: pro familia
Titel: Mein Körper gehört mir
Illustratorin: Dagmar Geisler
Verlag: Loewe
Seiten: 32

In dem Bilderbuch erklärt das Mädchen Clara, wie wunderbar ihr Körper ist und dass es schöne und unangenehme Berührungen gibt. Schöne Berührungen geniesst sie und bei unangenehmen Berührungen wehrt sie sich und sagt Nein! Sie erklärt, dass alle Kinder das Recht haben und sich Hilfe holen dürfen, wenn dieses Nein nicht akzeptiert wird.
Erweitert ist die Jubiläumsausgabe um die Behandlung digitaler Medien, über die Clara sagt, dass sich kind nicht anschauen muss, was unangenehm und ungewollt ist und dass die Seele genauso wunderbar ist wie der Körper.

Die Sprache des Bilderbuchs ist einfach und klar. Die Sätze sind kurz und prägnant. So können auch Kinder ab fünf Jahren (so die Empfehlung) dem Inhalt sehr gut folgen und den Inhalt verstehen. Erstleser haben schnell Erfolge, da es nur wenige Sätze pro Seite sind, die schnell gelesen sind.
Auch wenn das Thema ernst ist, liegt der Fokus – nicht zuletzt durch die freundlichen Illustrationen – auf der Dualität von angenehmen oder unangenehmen Berührungen. Durch die klare Botschaft, dass der eigene Körper wunderbar ist und Freude bringen soll, und die ebenso klare Aussage, dass zu unangenehmen Dingen Nein gesagt werden darf und soll, macht das Buch keine Angst. Die kleinen Leserinnen und Leser werden sogar aufgefordert das Nein sagen mit Clara zu üben.
Die Illustrationen von Dagmar Geisler sind bunt und bringen beim Betrachten viel Spaß. Fast meint man die Stimme und das Lachen von Clara beim Betrachten zu hören. Zudem ist da der immer wiederkehrende Stoffhase und Teddy und viele kleine Details, die nicht vom Hauptinhalt des Bildes ablenken, sondern ihm zu einer größeren Tiefe verhelfen. Die Mimik der Figuren ist sehr ausdrucksstark, fast schon übertrieben, aber macht es auch Kindern einfach die Emotionen der Dargestellten zu begreifen.
Schön ist auch die Körperlandkarte, die den kleinen Leser*innen hilft, sich spielerisch und kreativ noch weiter mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Dagmar Geisler verfolgt hier einen kunsttherapeutischen Ansatz. Hier können Körperteile zum Beispiel benannt werden (Auch das ist eine wichtige Präventionsmaßnahme. Eine klare Benennung hilft gegen Sprachlosigkeit.) und mit Erfahrungen verknüpft werden und so „in Besitz genommen“ werden.

Ich habe mein „Mein Körper gehört mir!“ mit den Kindern gelesen. Das Buch macht es sehr einfach mit den Kleinen in ein Gespräch über das Thema zu kommen, indem die Aussagen von Clara in eine Frage umgemünzt werden. Wenn Clara sagt: „Ich mag mich und meinen Körper.“, ist die Frage: „Und du? Magst du dich? Und deinen Körper? Was magst du besonders?“ Viel Spaß hatten wir mit der Übung Nein zu sagen, bei der sich zeigte, dass das Selbstbehauptungstraining, an dem die kleine Tigerin und der kleine Drache teilgenommen haben, Früchte trägt.

Das Buch ist nicht umsonst ein Klassiker geworden. Es ist für kleine Kinder durch und durch zu empfehlen!

Mehr zum Verlag gibt es hier und über Profamilia  Darmstadt hier und Dagmar Geisler hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Zauberbuch Familienfrieden konkret von Hanna Grubhofer

Und noch ein Rezensionsmontag!

Letzte Woche habe ich hier ein Buch der Autorin Hanna Grubhofer rezensiert, in dem es um die Gewaltfreie Kommunikation für und mit Kindern ging. Als Mediatorin und Coach verdiene ich mein Geld, indem ich Menschen bei Konflikten helfe. Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg nutze ich dabei häufig. Ich finde sie einfach, gut umzusetzen und vor allem extrem effektiv.
Zusammen mit dem Kinderbuch zur GfK wurde mir auch Zauberbuch Familienfrieden konkret angeboten; und was lag näher beide Bücher zu rezensieren? Als Mutter, bei der es zuhause trotz aller Gewaltfreien Kommunikation und einem mediativen Ansatz auch mal gehörig knallt, war ich auf ein Buch, das Familienfrieden durch GfK verspricht – und das auch noch konkret! -, ausgesprochen gespannt.

Autor: Hanna Grubhofer
Titel: Zauberbuch Familienfrieden konkret. Magische Anwendungsbeispiele für Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Verlag: edition riedenburg
Seiten: 151

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin von dem Buch enttäuscht und zwar, weil ich Gewaltfreie Kommunikation erwartet, aber dann nur in homöopathischen Dosen bekommen habe.

Nach einer kurzen Einführung, wie die Gewaltfreie Kommunikation abläuft (Was beobachte ich? Was fühle ich? Was ist das dahinterliegende Bedürfnis? und Worum bitte ich den anderen?), beginnt die Autorin aus ihrem Familienalltag zu erzählen. Das ist bei sieben Kindern und mit der durchaus angenehmen Erzählstimme der Autorin an vielen Stellen unterhaltsam bis spannend.
Dann folgen sechs Kapitel Erziehungsratgeber. Dieser ist sicherlich von der GfK inspiriert, aber deutlich mehr von Rebeca Wild (nichtdirektive Erziehung) und Maria Montessori (Montessoripädagogik). Die konkreten Anwendungen von GfK in Problemsituationen, wie sie in jeder Familie vorkommen wie zum Beispiel Trödeln vor dem Schlafen gehen oder Ärger beim Aufräumen, gab es leider nur eine einzige.
Schön waren die besonders gestalteten Seiten, wo die*der Leser*in zu durchaus klugen und hilfreichen Fragen eigene Notizen machen konnten.
Schwierig hingegen fand ich die starke Ablehnung von Plastikspielzeug und Mediennutzung. Die Autorin mag diese gerne verteufeln; in einem Erziehungsratgeber würde ich mir eine (gerne kritische) Auseinandersetzung mit der Frage, wie bereiten wir unsere Kinder auf die von Medien überflutete Welt vor. Gibt es nicht, scheint mir etwas zu kurz gedacht.
Zum Abschluss des Buches gibt es noch ein kurzes Kapitel, in denen es etwas mehr um die Gewaltfreie Kommunikation geht. Hier kamen die von der GfK inspirierten Beispiele, wie mit schwierigen Familiensituationen umgegangen werden kann. Davon hätte ich mir mehr gewünscht!
Im Anhang gibt es dann noch zwei Ideen für Gesprächsführungen im GfK-Stil.
Sehr angetan war ich von der Widmung, in der auch an alle Alleinerziehenden gedacht wurde und an die, die selbst eine schwere Kindheit hatten und nach anderen Wegen suchen. Wie die Autorin bin ich der Meinung, dass man die Leistung dieser Menschen gar nicht hoch genug rühmen kann.

Ein Erziehungsratgeber, der einem gute Fragen an die Hand gibt, der aber nur sehr wenig konkret mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun hat.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Was brauchst du? von Hanna Grubhofer & Sigrun Eder

Rezensionsmontag!

Als Mediatorin und Coach arbeite ich viel mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Ich finde sie einfach, gut umzusetzen und vor allem extrem effektiv.
Als ich gebeten worden bin Was brauchst du?, in dem es um Gewaltfreie Kommunikation für Kinder geht, zu rezensieren, habe ich also mit Freude zugesagt!

Autor: Hanna Grubhofer & Sigrun Eder
Titel: Was brauchst du? Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen
Illustratorin: Barbara Weingartshofer
Verlag: edition riedenburg
Seiten: 75

Emil Erdmännchen und Carla Chamäleon, Balduin Bär und Mia Maus, Pedro Pfau und Martha Maulwurf und acht weitere Tiere haben Konflikte zu verschiedenen Themen. Aber zum Glück ist Gino Giraffe in der Nähe und kann helfen. Er fragt: „Was brauchst du?“ und macht damit den Tieren klar, dass sie unterschiedliche Bedürfnisse haben. Zusammen suchen sie dann eine Möglichkeit, dass alle bekommen, was sie brauchen.
Nach diesem ersten Erzählteil folgt ein zweiter Teil mit vielen Arbeitsbögen, anhand derer Kinder das Gelernte der Geschichten vertiefen können und eigene Ideen zur Konfliktbewältigung entwickeln können. Und es gibt 14 Bedürfniskarten, die auf die Tiere und ihre Bedürfnisse in den Geschichten zurückgreifen und daher auch für kleine Kinder oder Kinder, die noch nicht soviel Erfahrung mit dem Benennen von Bedürfnissen haben, gut geeignet sind.

Die Illustrationen sind entzückend. Mit wenigen Strichen werden die Tiere zu Leben erweckt. Dass dabei die Tiergesichter gut erkennbar die Emotionen der Tiere, um die es in den verschiedenen Geschichten geht, erkennbar abbilden, ist ein kleines Kunststück. Im ersten Teil sind die Bilder bunt, dabei bleiben sie ganz zart und fein, was die kleine Tigerin begeisterte. Im zweiten Teil, dessen Arbeitsblätter vielleicht auch für mehrere Kinder kopiert werden können, sind die Abbildungen in schwarz-weiß gehalten. So auch die Bedürfniskarten am Ende des Buchs, mit dessen Hilfe Kinder leichter zeigen können, wie sie sich gerade fühlen. Meine Kinder zückten sofort die Buntstifte …
Die Sprache ist einfach und klar und somit gut für auch noch recht kleine Kinder zu verstehen.
Das Buch bietet auf kindgerechte Art eine Möglichkeit die Gewaltfreie Kommunikation kennen zu lernen. Mit den Geschichten kann geübt werden wertungsfrei die Situation zu beschreiben, mit den „Arbeitsbögen“ können die Wahrnehmung von Emotionen und Bedürfnissen vertieft werden und die Bedürfniskarten eignen sich für den alltäglichen Gebrauch.
Ein gelungenes Buch für Kinder zum Thema GfK, das viele Wege bietet sich dem Thema Konflikt und die gegensätzliche Emotionen und Bedürfnisse, die sie auslösen, anzunähren. Besonders die Bedürfniskarten am Ende gefallen mir sehr. Für Erwachsene, die sich noch nicht mit Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation beschäftigt haben hätte ich mir eine einseitige Einführung – vor allem mit den vier Schritten: Was beobachte ich? Was fühle ich? Was ist das dahinterliegende Bedürfnis? und Worum bitte ich den anderen? – gewünscht.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Von Alpakakacka bis Zotteltrottel von Andrea Weller-Essers & Eilika Mühlenberg

Rezensions-Freitag!

Freitag? Nicht Montag? Ja, denn diese Rezension ist schon lange überfällig… Und dabei ist das Bilderbuch so lustig … aber von Anfang an.

Autorin: Andrea Weller-Essers
Titel: Von Alpakakacka bis Zotteltrottel – Das voll verbotene Abc
Illustratorin: Eilika Mühlenberg
Verlag: Duden
Seiten: 64

Momentan lehne ich fast alle Rezensionsanfragen ab, weil ich zu wenig Zeit habe. Aber die Idee des Buchs überzeugte mich schon beim Lesen so, dass ich es mir doch schicken ließ.
Die Geschichte des Bilderbuchs ist schnell erzählt: Auf dem Spielplatz treffen sich eine Mädchen- und eine Jungenbande und streiten sich, wer bleiben und spielen darf. Sie vereinbaren einen Wettbewerb. Wer die besten Schimpfworte erfindet, gewinnt. Es zählen nur gut erfundene Worte, nichts gemeines. Und es geht einmal durch das komplette Alphabet von A bis Z.

Die Sprache ist einfach und klar. Es gibt ja auch nicht viel zu sagen bis auf die Spielregeln und dann geht es ja schon los mit dem phantasievollen Schimpfwörtern. Und die sind einfach wunderbar. Der kleine Drache, aber auch noch die kleine Tigerin waren hingerissen. Und ich auch. Der Jammeryeti, das Moppelmonster und der Schlotterroboter sind unsere persönlichen Highlights.
Auf jeder Seite wendet sich eines der Kinder an den Leser und fragt nach der Meinung zu diesen Wortschöpfungen. So werden die kleinen (und großen) Leser angeregt sich auszutauschen und in unserem Falle auch selbst kreativ zu werden, um unsere eigenen Schimpfworte zu erfinden.
Die Illustrationen von Eilika Mühlenberg sind bunt und bringen beim Betrachten Spaß. Besonders charmant (und für die Kinder teilweise zum Schießen) sind die Illustrationen der Schimpfworte. Schon mal eine Glubschgurke gesehen? Oder wie malt man eine Knatternatter?
Ich mag das Buch. Es hält all das, was ich bei der ersten Beschreibung erwartet habe. Und neben all dem Spaß macht es auch Lust auf das Spiel und den kreativen Umgang mit Buchstaben. Genau das richtige für kleine Schulanfänger.
Der kleine Drache mag es übrigens auch sehr. Er war nicht begeistert, dass ich es für eine Rezension noch einmal aus seinem Regal geholt habe.

O-Ton der Kinder:
Die kleine Tigerin: Hihihi. Komm, kleiner Drache, ich lese es dir noch einmal vor.
Der kleine Drache: Hihihi. Schlotterroboter. Hihihi. *wackelt mit den Armen* Ich bin ein Schlotterroboter.

Mehr zum Verlag gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Fibi und ihr Einhorn – Achtung, Einhorn! von Dana Simpson

Die kleine Tigerin ist eine Buchverschlingerin und Schnellleserin geworden. Ich finde das wunderbar! Die ersten drei Harry Potter-Bände haben wir schon in bester Buchclub-Manier verschlungen und alle paar Kapiteln darüber gesprochen, ein paar ihrer Bücher hat sie mir bereits mit den Worten „Mama, das handelt von einem Buchladen/Garten/etc..“ empfohlen und ihr Buchregal quillt wie meines über. Ich würde – zumindest in dieser Beziehung – sagen, alles richtig gemacht!

Heute haben wir eine Premiere: Die kleine Tigerin schreibt hier auf Literaturjunkie ihre erste Rezension. Die lustige und wunderbar liebevolle Comic-Serie Fibi und ihr Einhorn hat das Herz meiner Tochter von Anfang an erobert. Fibi und ihre Freundin Maiglöckchen Samtnüster, mit Spitznamen Glöckchen, die genauso selbstverliebt wie einfühlsam und verschroben und zufällig ein Einhorn ist, reflektieren und erklären ironisch die moderne Welt von Kindern und ihre Probleme. Als ich also den fünften Band der Serie zur Resenzion angeboten bekommen habe, lag es nahe, das Angebot nicht nur anzunehmen, sondern als Gastrezensentin die kleine Tigerin zu verpflichten.

Trommelwirbel und Tusch! Hier kommt nun also die erste Rezension meiner Tochter. Ich würde mich freuen, wenn es ein paar nette Worte in den Kommentaren für sie geben würde, um sie zu ermutigen. Vielleicht mag sie dann ja noch öfter hier Rezensionen schreiben…

Autorin: Dana Simpson
Illustrationen: Dana Simpson
Titel: Fibi und ihr Einhorn – Achtung, Einhorn!
Verlag: h.f.ullmann
Seiten: 175

Im fünften Band von Fibi und ihr Einhorn – Achtung, Einhorn! werden in kurzen Comicstrips verschiedene Geschichten erzählt: Fibi und Maiglöckchen erleben mal wieder ein unvergessliches Halloween und plötzlich möchte jedes Kind ein Kobold haben. Fibis Erzfeindin Daria ist sehr beliebt in der Schule und ärgert Fibi bei jeder Gelegenheit. Und dann sind da ja auch noch ihre Eltern, mit denen sie klarkommen muss. Zum Beispiel möchte sie rausgehen, aber ihre Eltern wollen mit ihr zocken. Im diesem Band verreist Maiglöckchen und Fibi hat einige Probleme, die sie ohne ihre Freundin lösen muss.

Die Bilder sind toll, weil sie sehr fantasievoll gestaltet sind. Fibi finde ich toll gemacht, weil sie nicht an allen Tagen das gleiche trägt wie ein richtiger Mensch. An Maiglöckchens Bildern gefällt mir, dass sie nicht immer die gleiche Form hat. Sie bewegt sich richtig. An den Gesichtern kann man gut ablesen, welches Gefühl die Person gerade hat. Allerdings war ich am Anfang verwirrt, wenn ich mir manche Bilder angeschaut habe, weil die Personen von einem Bild zum anderen plötzlich an an einem anderen Ort sind, wo ich mir gar nicht erklären konnte, wie sie dahin gekommen sind.
Das Cover mit seinem Glitzerstern gefällt mir sehr!
Ich finde die Sprache in den Comics eigentlich ganz gut. Es ist ganz leicht zu lesen; nur manchmal lese ich zu schnell, so dass ich nicht alles richtig verstehen kann. Im fünften Band sind einige schwere Wörter dabei, dafür gibt es das Glossar, in dem alle schwierigen Wörter erklärt werden.
Ich finde, dass man von den Geschichten beim ersten Mal lesen ziemlich ein Lachanfall kriegen kann. Manche der Geschichten sind auch echt spannend, weil teilweise auch spannende Sachen passieren. Zum Beispiel ist Maiglöckchen weg und Fibi ist traurig und man weiß nicht, was sie als Nächstes tut. Allerdings finde ich blöd, dass Maiglöckchen sich von Fibis Vater bestechen lässt, aber von Fibi nicht.
Ich mag Fibi, weil sie mir ähnlich ist: Sie möchte genauso gern wie ich einfach von allen so behandelt werden wie alle anderen (angesagten Kindern).
Maiglöckchen mag ich, weil sie eigentlich sehr freundlich ist. Nur an ihrer Eitelkeit sollte sie noch arbeiten.

Alle, die Fantasy (Einhörner) mögen, sollten das Buch lesen!

Mehr zu Dana Simpson und zu ihrem Schreiben und Leben gibt es auf ihrer Website.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein von Ben Brooks

Rezensionsmontag!

Die kleine Tigerin hat letztes Jahr zu Weihnachten „Goodnight Stories for Rebel Girls“ bekommen und seitdem wird es wieder und wieder gelesen. Das Buch inspiriert sie genauso, wie es die Intention der Autorinnen war. Aber was ist mit dem kleinen Drachen? Soll er mit den alten, ungesunden Männerrollenbildern groß werden? Nein, natürlich nicht. Daher kommt „Stories for Boys who dare to be different“ genau richtig. Um unsere Welt zu verändern, müssen wir nicht nur die Mädchen ermutigen und stärken, sondern auch den Jungen Vorbilder und den Mut geben sich über Genderstereotypen hinwegzusetzen, damit sie alle zusammen eine Welt jenseits des Gegensatzes Mann vs. Frau errichten können.
Offensichtlich ist auch der Loewe Verlag dieser Meinung, denn natürlich lässt sich der Inhalt der beiden Bücher – 100 Kurzbiografien berühmter Frauen bzw. Männer – miteinander vergleichen, aber auch das Cover von „Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein“ ist lehnt sich sehr an der Gestaltung des Covers vom Buch aus dem Hanser Verlag an.

Autorin: Ben Brooks
Titel: Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein
Illustrator: Quinton Winter
Verlag: Loewe
Seiten: 208

So politisch wie meine Einleitung kommt das Buch dann aber gar nicht daher. Es ist eine Sammlung von kurzen (jeweils eine Seite langen) Biographien von so verschiedenen Männern wie Ai Weiwei, Barack Obama, Bill Gates, Konfuzius, Daniel Radcliffe, Galileo Galilei, Hans Scholl, Harvey Milk, Jamie Oliver, John Lennon, Lionel Messi, Louis Armstrong, Louis Braille, Ludwig van Beethoven, Mahatma Gandhi, Muhammad Ali, Nelson Mandela, Nikola Tesla, Oscar Wilde, Patch Adams,  Siddhartha Gautama, Stephen Hawking, Thomas Edison oder Vincent van Gogh. Das Augenmerk liegt auf den Schwierigkeiten, die diese Persönlichkeiten hatten und wie sie sie überwunden haben und so ihre ureigene Größe und Wirkkraft erreicht haben. Erfolg liegt eben in dem eigenen Ziel und nicht in dem, was die Gesellschaft erwartet, und Stärke muss nicht immer die körperliche sein.

Die Sprache ist einfach und klar. Die Sätze sind kurz und prägnant und fassen die teils komplizierten Sachverhalte deutlich zusammen. Auch ungeübte Leser*innen können hier gut folgen, ohne dass der Eindruck von verkrampften Erstleser-Büchern entsteht.
Das Buch berichtet unsentimental über die zum Teil traurigen Enden der Männer, bleibt dabei aber positiv. Wenn beschrieben wird, dass Hans Scholl hingerichtet wird, folgen danach noch zwei Absätze, die auf seine positive Wirkkraft hinweisen.
Sicherlich gibt es zu den vorgestellten Personen noch viel mehr zu sagen, aber da bei Kurzbiografien auf einer Seite eine Reduktion stattfinden muss, wird das Prinzip konsequent durchgehalten. Der Leser erfährt genug über die Männer und Jungen, um neugierig zu werden. Und wenn man mehr erfahren möchte, kann man sich andere Quellen zum Weiterlesen suchen.
Die Illustrationen von Quinton Winter sind bunt und bringen beim Betrachten Spaß. Da sie neben der einen Seite Kurzbiografie eine weitere Seite einnehmen, spielen sie eine gewichtige Rolle im Buch. Man kann die Dargestellten gut erkennen, aber viele Bilder gleicher eher Karikaturen als Porträts.
Ich mag das Buch und freue mich schon darauf, das Buch dem kleinen Drachen zu schenken, wenn er lesen kann und hoffe, dass es ihn genauso inspiriert wie „Goodnight Stories for Rebel Girls“ seine große Schwester..

Mehr zum Verlag gibt es hier und über Ben Brooks hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Mama im Advent von Nicole Schäufler

Wir haben schon November und in den Läden ist schon überall Weihnachten ausgebrochen. Aber tatsächlich planen wir hier auch, was die kleine Tigerin und der kleine Drache für Adventskalender haben wollen. Lego oder Playmobil? Oder doch lieber Schleich? Und natürlich gibt es Engelsbriefe. Für jeden Tag bringen die Engelchen, die dem Weihnachtsmann in seiner Werkstatt helfen, einen Brief mit einem kleinen Geschenk. Ziemlich oft sind da Pixiebücher drin …
Mein Mann und ich hingegen haben keinen Adventskalender mehr, nachdem wir zweimal die Schokolade hinter etwa 18 Türen erst an den Feiertagen herausgeholt haben … Schokolade lockt also nicht, aber über ein Adventskalenderbuch von einer lieben Freundin, das jeden Tag ein Rezept oder Gedicht oder Lied hatte, habe ich mich vor zwei Jahren sehr gefreut. Daher hat mich auch das heutige Rezensionsexemplar angesprochen: Als erstes lachte mich das niedliche Cover an. Und dann der Untertitel: Ein Adventskalender für Mütter.

Autorin: Nicole Schäufler
Titel: Mama im Advent. Ein Adventskalender für alle Mütter
Illustratorin : Nicole Schäufler
Verlag: Edition Riedenburg
Seiten: 109

Für jeden der 24 Tagen bis Weihnachten gibt es ein Kapitel. Jeder Tag hat ein anders Thema – Luciatag, Bratapfel oder Sterne -, zu dem es einen kleinen Text, Bilder und vielleicht ein Gedicht, Rezept oder Märchenauszug gibt. So wird angenehm auf die Vorweihnachtszeit und Weihnachten eingestimmt. Die Rezepte und Bastelideen laden zum Nachmachen ein. Gerade die Rezepte sind so einfach, dass man sie sicher auch mit den Kindern backen kann. Zudem wird immer wieder die Möglichkeit geboten inne zu halten in dieser gerade für Mütter ja doch oft sehr stressigen Zeit des Jahres. Und es wird den Müttern für ihre Mühe eine schöne Advents- und Weihnachtszeit zu schaffen gedankt.

Das Büchlein – die 109 Seiten sind nicht besonders lang – ist ganz bezaubernd und liebevoll gestaltet. Das liegt vor allem an den einfachen, aber niedlichen und hübschen Illustrationen. Für die Rezension wollte ich ich auf eine Illustration hinweisen, die mir besonders gut gefällt, doch das ist nicht möglich, weil mich so viele entzücken.
Die Texte sind in heiterem Ton gehalten und bringen auch bei dem Verständnis für die schweren Aufgaben der Mütter und dem Nachspüren, was sie alles leisten (müssen), eher zum Lächeln und sich freuen. Auch die kleinen Exkurse der Autorin in die Mythologie und der Blick, woher Bräuche kommen oder wie es vielleicht einmal anders gewesen ist, bleiben an der Oberfläche. Eine echte feministische Analyse findet nicht statt. Daher ist der Adventskalender für alle Mütter, Großmütter und zukünftigen Mütter leichte Kost, die wie das Glitzern von Schneekristallen in der Sonne ein Freude bereitet.
Ganz klar stehen in den zahlreichen Illustrationen und Texte Frauenfiguren im Winter oder dem Advent und die (meist) weiblichen Traditionen wie Plätzchen backen, Basteln oder Vorlesen im Mittelpunkt. Aber anstatt dafür nur Anregungen zu geben, wird auch immer wieder den Müttern für die wichtige Rolle, die sie auch und gerade im Advent speilen, gedankt.  Wie wunderbar, dass unsere Arbeit so gewürdigt wird! Das ist neu, anders und sehr schön!

Mehr zum Verlag gibt es hier und über Nicole Schäufler hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Mr. Holmes‘ Krimi Adventskalender vom homunculus verlag

Und hier mal wieder eine Rezension …

Ich bin ja schon seit vielen Jahren bekennende Sherlockianerin. Leider bin ich bei weitem nicht mehr so aktiv, wie ich es einmal war. Wie auch? Ich freue mich ja immer diebisch, wenn ich hier das regelmässige Posten hinbekomme. Früher habe ich sogar für meine Freunde, die so gar kein tieferes Interesse an dem größten aller Detektive hatten, zu Sir Arthur Conan Doyles Geburtstag ein Sherlock Holmes Quiz veranstaltet und die Armen mit meiner überbordenden Begeisterung quasi gezwungen daran teilzunehmen. Sie fanden meine Fragen immer zu schwer … Auch, wenn ich also nicht mehr so aktiv bin, ist meine Leidenschaft für den viktorianischen Detektiv nicht verloschen, sondern lodert auf kleiner Flamme weiter. Ich verfolge gespannt, was sich so tut in der sherlockianischen Welt. Als daher die Frage kam, ob ich den Mr. Holmes‘ Krimi Adventskalender rezensieren möchte, habe ich mich gefreut. Vielen Dank an den homunculus verlag für das Rezensionsexemplar!

Texte: Joseph Felix Ernst, Sebastian Frenzel & Philip Krömer
Titel: Mr. Holmes‘ Krimi Adventskalender
Illustrator: Hans Baltzer
Verlag: homunculus verlag
Seiten: 50 (Ein Deckblatt und 24 Blätter – das hätte vermutlich jeder deduziert!)

Der Mr. Holmes‘ Krimi Adventskalender ist, wie der Name vermuten lässt, ein Adventskalender. Er hat einen stabilen Aufsteller aus dickem Papier und eine Ringbindung, so dass man täglich ein Blatt umdrehen kann und jeden Tag eine neue Geschichte zum Rätseln auf seinem Schreibtisch oder – wer es viktorianischer mag – dem Sekretär oder der Anrichte stehen hat. Jeder Tag bietet eine kleine Geschichte, in der Mr. Holmes und natürlich Dr. Watson in wenigen Worten ermitteln und der geneigte Leser am Ende knobeln kann, ob er auf die gleiche schlaue Lösung wie der britische Meisterdetektiv kommt. Eine wirklich nette Idee!

Der Stil der Geschichten unterscheidet sich sehr. Man merkt deutlich, dass verschiedene Autoren am Werk waren. Und auch die Art der Aufgaben unterscheidet sich von Geschichte zu Geschichte. Mal muss ein Code geknackt werden und ein anderes Mal aus kleinen Details das Geschehen kombiniert werden und einmal braucht man sogar Fachwissen über Bieber, um den Fall zu knacken. Mein persönliches Highlight ist der 9. mit einer gut zu deduzierenden Geschichte und dem moralisch und nicht nach dem Gesetz urteilenden Detektiv.
Sehr schade ist, dass nicht alle Geschichten in das 19. Jahrhundert, die große Wirkungszeit des privaten Ermittlers aus der Baker Street, passen: Da tauchen Lautsprecher und Insulin auf, das Auto – wenn es schon vorkommt, wird nicht als Automobil betitelt und manche der Leute verhalten sich eher anachronistisch. Das ist ein Wermutstropfen!
In vielen der kleinen Geschichten sind literarische Anspielungen auf Krimis und Sherlock Holmes verborgen. Sie bringen beim Lesen den geneigten Leser zum Lächeln.
Das durchgängige vierfarbgedruckte Design des Kalenders ist recht modern. Es passt durchaus zum Thema Krimi und Weihnachten, bezieht sich jedoch nicht auf den Mann mit Pfeife und Deerstalker im besonderen oder das viktorianische Zeitalter im allgemeinen. Das Papier fasst sich angenehm an.
Für einen sherlockianischen Sammler ist der Adventskalender sicherlich eine amüsante Kuriosität. Aber jeder, der gerne die Vorweihnachtszeit zelebriert und sich und sein innere Kind an den kleinen schönen Dingen dieser Zeit erfreut, ist mit diesem Adventskalder gut bedient. Wenn mann dann noch wie ich als Jugendlicher Wolfgang Eckes Krimi-Rätsel verschlungen hat, ist diese Sammlung von Mini-Geschichten ein großer Spaß. Und besser als ein Schokoadventskalender ist der Mr. Holmes‘ Krimi Adventskalender für die schlanke Linie allemal!

Mehr zu den Büchern vom homunculus verlag gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!