Stark! von Armin & Philip Scheuer

Rezensionsmontag!

Ich bin gebeten worden ein Jungenbuch zu rezensieren und ein Buch, das speziell auf Jungs zugeschnitten ist, ist immer interessant. Sie sind es die seltener lesen, sie sind es für die man spezielle Bücher braucht, um sie fürs Lesen zu begeistern, so die Lehrmeinung in der Ausbildung zur Vorlesepatin. Und das stimmt ja auch. Also haben wir Stark! gelesen und soviel verrate ich schon mal vorweg, dem kleinen Drachen hat’s gefallen.

Buchcover

Autor: Armin & Philip Scheuer
Titel: Stark!
Illustratorin: Christiane Eger
Verlag: Selfpublishing www.philipundseinefreunde.com
Seiten: 14

Männer – Rollenvorbilder – sind stark und können verschiedenen Personen in verschiedenen Situationen helfen. Es ist gut stark und hilfreich zu sein. Und das kann ich kleiner Mensch auch.

Die Illustationen sind deutlich sichtbar am Computer entstanden und zeigen sich wenig unterscheidende Menschen, die vor allem an unterschiedlichen Haarfarben und Frisuren auseinanderzuhalten sind. Die Bilder sind aber schön klar, hübsch bunt und gut zu erkennen. Da sie jedoch nicht mit vielen Details aufwarten, werden sie vielleicht nach einiger Zeit langweilig.
Das Buch ist für sehr kleine Kinder konzipiert. Die kleine Tigerin (6) verlor noch während des Vorlesens das Interesse. Auf je einer Doppelseite können verschiedene Männer – Feuerwehrmann, Polizist, Sanitäter, Baumeister, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer – in unterschiedlichen Situationen anderen helfen. Dabei ist der Text sehr offen, so dass die kleinen Betrachter selbst Geschichten erzählen können, wie diese Hilfe aussehen könnte. Ein liebevolles und überraschendes Detail ist der Spiegel am Ende des Buchs, der dem kleinen Betrachter in eine Reihe mit den „Helden“ auf den vorherigen Seiten setzt. Das ist toll und irgendwie faszinierend; zumindest hat der kleine Drache auf dieser Seite die meiste Zeit verbracht.
Der kurze Text wiederholt sich quasi pro Seite und der Stil ist sehr simpel.
Ein hübsches Buch, das sich für Jungs jedoch nur dadurch auszeichnet, dass die Protagonisten männlich sind. Das ist schade, denn schließlich gibt es ja auch Frauen in den dargestellten Berufen, die dasselbe leisten wir ihre männlichen Kollegen. Ich hatte auf eine besondere Art von männlicher Stärke, die vorgestellt wird, gehofft …

Das sagt der kleine Drache (3): Noch mal?

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Wieselwusel von Michat Krygier

Rezensionsmontag!

Ich bin gebeten worden das Wieselwusel zu rezensieren und ein Buch, in dem es um Aufräumen, Ordnung und Unordnung geht, ist immer interessant. Zumindest, wenn man wie ich nicht gut leben kann, ohne dass ein gewisses Maß an Ordnung herrscht. (Und das liegt nicht etwa daran, dass ich so ein ordnungsliebender Mensch bin, wie viele Leute meinen, sondern daran, dass in mir so viel Chaos ist, dass ich es nicht auch noch außerhalb von mir ertragen kann.) Also muss aufgeräumt werden. Das mag nicht jeder – besonders nicht meine Kinder, die jeden Abend all ihr Spielzeug an seinen Platz zurückräumen müssen. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Chaos und Aufräumen ist also Thema bei uns …

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Autor: Michat Krygier
Titel: Wieselwusel
Illustratorin: Alicja Wasilka
Verlag: Fabulus Verlag
Seiten: 21

Ein Ungeheuer aus dem Keller zieht bei der Familie ein. Es stiftet Unordnung und Chaos. Heißen tut es Wieselwusel. Aber Ungeheuer sind ja nicht immer ungeheuerlich …

Die Illustationen sind das, was dieses Kinderbuch zu etwas sehr Besonderem machen. Alicja Wasilka hält sie in den Farben grün, orange und silber und schafft so eine ganz andere und völlig neue Sehwelt. In den jeweils doppelseitigen Bildern sind viele Details versteckt und es gibt sehr viel zu entdecken.
Die Geschichte bezieht ihre Spannung daher, dass erst nach und nach klar wird um wen es geht, von wem erzählt wird und wer das eigentlich ist. Die vielen Beispiele, wo der Wieselwusel wirkt und die Kinder auch aus ihrem eigenen Leben kennen, macht es leicht und einfach sich in die Geschichte hineinzufühlen.
In den kurzen Texten pro Seite spricht der kindliche Erzähler und seine direkte Sprache zieht den Zuhörenden in seinen Bann. Der Stil ist gut verständlich, als würde ein Freund die Geschichte erzählen.
Die Art und Weise wie mit dem Wieselwusel in der Familie des Erzählers umgegangen wird, eröffnet viele Ansatzpunkte für das Aufräumen gegen den eigenen Wieselwusel an: Dinge sind leichter zu finden, sie gehen nicht verloren, niemand verletzt sich, es ist schön, wenn es sauber ist.
Ein gelungenes Bilderbuch zum Thema Aufräumen, das ohne erhobenen Zeigefinder auskommt, aber trotzdem eine positive Botschaft vermittelt. Und wegen der ausgezeichneten und besonderen Illustrationen wird es sich auch bei Erwachsenen lange in Erinnerung bleiben.

Das sagt die kleine Tigerin (6): Ist das aber schön bunt. — Unser Wieselwusel lebt im Kinderzimmer. — Liest du das noch mal vor?

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Geocaching III von Markus Gründel & Melanie Lipka

Rezensionsmontag!

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich, nachdem ich schon das letzte Jahr damit geliebäugelt hatte, das Geocaching ausprobiert. Ich habe Schnitzeljagden und Schatzsuchen schon als Kind geliebt und Geocaching ist ja eigentlich die Fortführung dessen ins Erwachsenenalter. Außerdem ist es vielleicht, so dachte ich, ein Hobby, das wir als Familie ausüben könnten: draußen, in der Natur unterwegs sein, mit milliardenteurer US-Militärtechnik spielen und Rätsel lösen, um Schätze zu finden. Ich finde, das hört sich nach einem klasse Plan an. Also kam mir die Gelegenheit das einmal auszuprobieren sehr gelegen. Ich hatte Spaß und kam auch mit Markus Gründel, der den Workshop leitete, ins Gespräch; er ist der Autor zum Thema im deutschsprachigen Raum. Er war sehr nett und so stelle ich heute sein Buch zum Geocaching – speziell für Jugendliche – vor und demnächst gibt es noch ein Interview mit ihm.

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Autor: Markus Gründel
Titel: Geocaching III Voll im Bilde beim GPS-Abenteuer
Illustratorin: Melanie Lipka
Verlag: Conrad Stein Verlag
Seiten: 129

In Geocaching III Voll im Bilde beim GPS-Abenteuer handelt es sich um eine Einführung und ein Nachschlagewerk zum Hobby Geocaching. Geocaching ist „die moderne Art der Schnitzeljagd. (…) Wie bei der altehrwürdigen Schnitzeljagd versteckt jemand (der Owner, Eigentümer) einen sogenannten Geocache, meist eine wasserdichte Dose mit einem Logbuch und einigen Tauschgegenständen. Dann ermittelt er mit GPS/Smartphone die exakten Koordinaten und stellt diese auf den einschlägigen Webseiten ins Internet. Und schon kann es losgehen! Ausgestattet mit den Koordinaten des Schatzes und einem GPS-Empfänger geht es auf die Jagd!“
Mit viel Wissen – Die Szene-Band „Die Dosenfischer“ hat im Song „Lächeln und Winken“ eine Liedzeile „…wenn schon im Gründel steht“! – und speziell für Jugendliche, wenn auch nicht ausschließlich für die, werden in dem kleinen Büchlein in beinahe A6-Format, so dass es gut in die Tasche passt, die Grundlagen des Hobbys erklärt. Dabei ist das Buch in drei Teile gegliedert: Grundlegendes, wo erklärt wird, was Caches sein können, wie die Verstecke aussehen können, was die verschiedenen Schwierigkeitsgrade bedeuten, was das Fachvokabular bedeutet und wo man im Internet Geocacher findet, weiter geht es im Ausrüstungsteil mit Listen, was man dabei haben sollte – Dabei wird auch die Erste Hilfe- und spezielle Winterausrüstung erwähnt. – und kurzen Erläuterungen und im letzten Teil geht es um Geocaching in der Praxis. Hier finden eine Beschreibung, wie das mit GPS eigentlich funktioniert, Tipps für die Suche an den Koordinaten, was es für verschiedene Suchen gibt und wie man selbst ein Geocache versteckt. Abschließend gibt es noch Hinweise auf Naturverträglichkeit und Gefahren wie Zecken. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass das Thema für eine Einführung rundum behandelt ist.
Die Zeichnungen des Comics sind lustig. Melanie Lipka ist in der Geocaching-Szene mit ihren Comics recht erfolgreich und auch für den Nicht-Kenner erschließt sich in diesem Büchlein wieso. Im klassischen Comicstil werden mit viel Humor und ausgesprochen kurzweilig kleine Anekdoten und lustige Szenen aus dem Hobby erzählt. Zeichnungen und kleine Strips finden sich quasi auf jeder zweiten Seite.
Geocaching III ist ein Sachbuch; der Stil ist daher folgerichtig sachlich, schnörkellos und gut verständlich. Auch Jugendliche können den Erklärungen bei technischen Einzelheiten sicher gut folgen. Da das Buch mit den Illustrationen sehr aufgelockert ist, entsteht auch nicht das Gefühl von „Büffeln müssen“.
Als kleine Zugabe gibt es vorne im Buch noch eine Verschlüsselungstabelle und einen Anhang mit verschiedensten Codes und Alphabeten. Das ist sehr nett, da das Buch in seinem handlichen Format gerade den Anfänger einlädt, es zum Nachschlagen beim dabei zu haben.

Mehr zu Markus Gründel findet man hier auf seiner Website.
Die Comics von Melanie Lipka findet man hier auf ihrer Website.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

DinoWheelies Die Schatzsuche von Matthias Weinert

Rezensionsmontag!
Ich bin gebeten worden für den ersten Band der neuen DinoWheelies-Reihe eine Rezension zu schreiben. Da sich das Konzept ganz spannend anhört, habe ich eingewilligt. Leider konnte ich Matthias Weinert, den Autoren, nicht wie ursprünglich geplant in Leipzig treffen. Aber das Buch oder der Comic funktoniert ja auch gut ohne Autoreninterview. Über die tatsächliche Ausstattug des Buchs kann ich wenig sagen, da ich ein Leseexemplar bekommen haben …

Autor: Matthias Weinert
Titel: Dino Wheelies Die Schatzsuche
Illustrator: Matthias Weinert
Verlag: Fischer KJB
Seiten: 96

2084 haben die Menschen die Erde verlassen und eine riesige Müllkippe zurückgelassen. Aus dem Schrott und „dem, was man das Wunde des Lebens nennen könnte“ entstand etwas Neues: die DinoWheelies, Dinosaurier auf Rädern.
Die drei Freunde Bo, Pukki und Tanka brauchen ein Geburtstagsgeschenk für Mama Tu, die quasi ihre Oma ist. Da ihre Mittel begrenzt sind, kaufen sie eine Schatzkarte und begeben sich auf Schatzsuche, um mit dem Reichtum, den sie finden werden, Mama Tu ein riesiges, wunderbares Geschenk zu kaufen. Und schon stecken sie in einem großen Abenteuer!

Die Geschichte von den drei kleinen DinoWheelies ist sehr liebevoll und charmant erzählt und ebenso gezeichnet. Das Buch ist ein Comic, das allerdings immer wieder von längeren Textpassagen unterbrochen wird. Für Erstleser ist das sicher wundervoll! Beim Vorlesen muss man jedoch erst einmal einen Rhythmus finden, um zu zeigen, wann wer spricht.
Die Geschichte ist vor allem für Jungs ansprechend; nicht nur geht es um eine Dinosaurier-Auto-Kreuzung, auch sind zwei der drei Protagonisten Jungs. Da die Statistik besagt, dass Jungs immer noch weniger lesen als Mädchen, ist es erfreulich, wenn wir mehr Bücher haben, die Jungs vom Lesen überzeugen und sie an Bücher heranführen. Die Altersempfehlung des Verlags ist sehr treffend.
Die Zeichnungen des Comics sind schön. Es gibt eine Menge Details, aber sie bleiben dabei übersichtlich. Und die Figuren sind wirklich niedlich.
Die Geschichte ist locker und leicht erzählt, ist spannend und vermittelt neben dem guten Ende auch noch eine Moral.
Sehr schön ist das Lexikon am Ende des Buchs, in dem noch mal Dinge aus der Geschichte aufgegriffen und mit Tatsachen unterfüttert werden.
Das Marketing mit App und Quartett ist clever gemacht, aber ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es super, wenn die Kinder, nachdem sie neue Helden gefunden haben, noch mehr mit ihnen machen können, aber es erinnert auch an das Quengelregal im Supermarkt.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

Missionstatement: Rezensionen

Ich bekomme in der letzten Zeit mehr und mehr Rezensionsanfragen. Natürlich freut mich das, aber es setzt mich auch unter einen gewissen Druck. Mir ist natürlich klar, dass Literaturjunkie meilenweit davon entfernt ist Das literarische Quartett zu sein, aber ich bin mir meiner Verantwortung als Kritikerin durchaus bewusst. Wenn ich eine Rezension schreibe, habe ich den Anspruch dem Buch, dem Autor und mir gerecht zu werden.

Ich fürchte, ich bin eine sehr harte Kritikerin. Zum einen habe ich mit der „Hochjubel-Superlativ-Attitüde“ des Internets wenig am Hut und zum anderen habe ich nach schätzungsweise 4000 bis 5000 gelesenen Romanen, einem Literaturwissenschaftsstudium und einer Tätigkeit als Gutachterin und Lektorin einen sehr analytischen und klaren Blick auf Plots, Spannungsbögen, Figurenentwicklungen, Dialoge und Co.. Es gibt sehr wenig, das mich noch überraschen kann und wenige handwerkliche Fehler, die ich nicht wahrnehme.

Es ist so einfach (und amüsant) Verrisse zu schreiben, aber das liegt nicht in meiner Absicht. Meine Kritiken sollen klar Schwächen benennen und möglichst einen Hinweis auf Verbesserungsmöglichkeiten geben, aber eben auch die Stärken des Buchs zeigen, die mich dazu gebracht haben, weiterzulesen. Denn das ist nicht selbstverständlich bei mir. Für schlechte Romane ist mir meine Zeit einfach zu kostbar! Drei Sterne bei mir zu bekommen ist also keine Schande, vier Sterne bedeuten schon, dass das Buch für mich empfehlenswert ist und ich Freude daran hatte, fünf Sterne bekommen Meisterwerke wie Die unendliche Geschichte oder Der Tod in Venedig. Ich hoffe und bemühe mich sehr, dass ich beim Rezensieren stets fair und sachlich bleibe – und konstruktive Kritiken schreibe.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

Klausmüller – Ein Esel sucht ein Pferd von Pebby Art

Einer meiner guten Vorsätze für das neue Jahr ist es wieder Rezensionen für Literaturjunkie zu schreiben. Und am besten ist das ja bei solchen Vorsätzen nicht viel darüber zu reden und darüber nachzudenken, sondern einfach zu machen. Also: Here we go!
Ich bin mit Pebby Art über das Rezensionsforum Rezi Suche zusammen gekommen. Wir haben uns ein paar Mal geschrieben und ich kann nur sagen, dass Pebby sehr sympathisch ist …

Autor: Pebby Art
Illustrationen: Pebby Art
Titel: Klausmüller – Ein Esel sucht ein Pferd
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 210

Klara ist elf Jahre alt und hat es geschafft ihre Eltern zu überzeugen, den Familienurlaub am Strand auf Mallorca zu verbringen. Kein Wunder, dass sie stinksauer und bockig wird, als es plötzlich nun doch zu der unbekannten Großtante Agnes gehen soll. Familiensache und so. Doch beim ungeliebten Feriendomizil angekommen erwarten Klara gleich mehrere Überraschungen: Tante Agnes hat Pferde! Wie toll ist das denn? Und Joey, der Junge, der die Pferde versorgt, ist auch noch so nett und wirklich cool. Ist das nicht super? Aber die größte Überraschung ist dann doch, dass Klausmüller, Klaras Stoffesel und guter Gefährte in allen Lebenslagen, nach einem Sturz durch eine Ritterrüstung zu Leben erwacht. Und es stellt sich heraus, dass er nicht nur knuddelig ist, sondern einen sehr eigenen Kopf hat und das Herumschwingen an Lampen und Kekse liebt. Ist das nicht – äh, abgefahren? Und wäre das nicht schon Abenteuer genug, verschwindet auch noch das Fohlen Favorit und nur Klausmüller hat gesehen, dass nachts auf der Weide noch ein Mann war und seine Aufmerksamskeitspanne unterscheidet sich nicht sehr von der eines Frettchens …

Der Plot ist klar und stringent, genau so wie man ihn sich in einem Kinderbuch wünscht. Die Dinge passieren nacheinander und folgen ihrer inneren Logik. Die Rätsel werden gelöst, indem Spuren gefunden und verfolgt werden. Es ist ein sehr zahmer Krimi; es passieren keine schrecklichen oder wohlmöglich verstörenden Dinge. Die Entführung des Fohlens ist nicht schön, aber das Problem wird ja von Joey und Klara kompetent gelöst.
Die lustigen Verrücktheiten um und von Klausmüller sorgen dafür, dass das Buch aus der Masse an anderen Kinderkrimis heraussticht. Ein lebendes Stofftier ist eben nicht alltäglich und mal etwas anderes – und bestimmt sogar der geheime Traum von vielen kleinen Menschen. Ich zumindest wäre außer mir vor Freude gewesen, wenn eines meiner Stofftiere ein Eigenleben entwickelt hätte. Und obwohl etwas so Magisches passiert, bleibt der Roman durch und durch „realistisch“ und auf dem Boden. Das habe ich beim Lesen sehr geschätzt: Kinder akzeptieren die Dinge, auch wenn sie außergewöhnlich sind. Und genauso ist es auch bei Klausmüller.
Die Geschichte wird schnörkellos erzählt. Der Stil ist klar und schmucklos, teilweise leider sogar ein wenig trocken. Die verwendete Sprache ist leicht zu verstehen – ideal, wenn man die ersten Bücher selbst liest.
Den Figuren – allen voran der Protagonistin Klara – hätte allerdings ein bisschen mehr Tiefe nicht geschadet. Ich war immer dann Feuer und Flamme, wenn man ein wenig Einblick in das Seelenleben der Figuren gewonnen hat. Klaras Reaktionen auf Joey, die sie selber nicht einschätzen kann, oder Klausmüllers Eifersucht auf die „Großen“, die er mit Pampigkeit versucht wettzumachen, waren immer die Momente, in denen das Buch zu atmen begann und ich weiterlesen wollte. Leider blieben sie in der Minderheit.
Ein echtes Highlight sind die liebevollen Illustrationen. Innerhalb der Kapitel sind kleine Zeichnungen, die das Geschehen immer mal wieder untermalen. Die Bilder sind schön anzuschauen und sind nicht nur süß, sondern teilweise auch sehr komisch.
Auch wenn Klausmüller nicht das Debüt der Autorin ist, ist es der Beginn einer Reihe – und vielleicht findet Pebby in den nächsten Teilen zu einem lockereren und lustigeren Stil. Dann wären die Klausmüllerbücher unschlagbar. Mit ihren lustigen Ideen und witzigen Einfällen hat sie mich beim Lesen öfter zum Grinsen gebracht.
Es gibt von Klausmüller übrigens kostenlos eine kurze Weihnachtsgeschichte, wenn ihr ihn mal kennenlernen wollt: Klausmüller – Ein Esel fürs Krippenspiel.

Mehr zu den Büchern von Pebby Art und zu ihrem Schreiben und Leben gibt es auf ihrem Blog.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

Winterkind von Lilach Mer

Als Lilach verkündete, sie schriebe ein neues Buch, habe ich mich sehr gefreut. Der siebte Schwan ist eines der Bücher der letzten Jahre, die ich wirklich, wirklich genossen habe. Ich war also voller Vorfreude – auch wenn Lilach sich sehr bedeckt gehalten hat, was das Sujet ihres neuen Projekts angeht. „Egal,“ dachte ich, „das kann nur gut werden!“ Und – um mal vorzugreifen – das ist es.
Ein bisschen habe ich dann doch erfahren, worum es geht, als Lilach an einer Frage zur Toxikologie knabberte und ich ihr einen Freund zur Problemlösung vermitteln konnte. Manchmal macht es sich eben doch bezahlt, wenn man liebe Menschen mit skurrilem Wissen 500 kennt …

Autor: Lilach Mer
Titel: Winterkind
Verlag: Dryas Verlag
Seiten: 279

Niedersachsen, um 1880. Im tiefsten Winter eskalieren die Probleme von Blanka von Rapp. Eigentlich könnte sie glücklich sein: Sie ist schön, ihr Mann reich. Doch das ist nur Fassade: Sie wird von Angst zerfressen und kann das Haus nicht verlassen. Im Herrenhaus wird an den Dienstboten gespart und auch die Arbeiter der Glashütte wollen endlich ihren Lohn. Als dann ihr Mann verreist, die Tochter krank wird und ein Schneesturm niemanden entkommen lässt, kommt es zu einem Moment der Wahrheit. Dem Himmel sei Dank gibt es noch Sophie, die Gouvernante …

Ich habe das Buch gelesen, als draußen der Schnee fiel und es eisig kalt war. Sicherlich hat das geholfen, mich in die Szenerie zu versetzen, aber ich bin mir sicher, dass das eigentlich nicht nötig ist, denn die wundervolle Sprache zieht einen auch so in den Bann der Geschichte! Einige Stellen sind gradezu poetisch und haben mir ein so großes Vergnügen bereitet, dass ich manche Sätze einfach zweimal lesen musste.
Der Aufbau mit den Rückblenden in die Vergangenheit erzeugt Spannung, die den Leser mitfiebern lässt. Weiß man am Beginn noch gar nicht, von wem die Rede ist, ist am Ende das schreckliche Geheimnis er Vergangenheit enthüllt und man versteht die nun auch die Gegenwart. Und dann ist da noch die Märchenstruktur, die die Handlung bestimmt, und die in vielen kleinen Andeutungen – Namen, der Spiegel, das Reh – immer wieder auftaucht und zum einen eine märchenhafte Stimmung erzeugt und zum anderen dem Leser das Gefühl gibt, zu Hause zu sein, dies alles zu kennen und sich daher heimelig und sicher fühlen zu können, auch wenn die Handlung alles andere als beruhigend ist.
Winterkind ist ein historischer Roman, trotz der Märchenstruktur sucht man vergebens nach Phantastik – auch wenn man das Gefühl hat, gleich könnte etwas Phantastisches passieren. Die Atmosphäre des Romans ist dicht wie der wirbelnde Schnee, der das Anwesen der von Rapps von der Aussenwelt abschneidet und die beiden Frauen mit dem todkranken Kind, dem Verrat von geliebten Menschen und dem sich immer weiter steigernden Groll und Zorn der nach ihrer Bezahlung verlangenden Arbeitern alleine lässt. Das Kunststück die Atmosphäre zugleich märchenhaft-verträumt als auch düster-bedrohlich sein zu lassen gelingt Lilach spielend. Wie schon im Siebten Schwan vermengt die Autorin verschiedene Sujets, ohne dass dies störend wirkt; vielmehr entsteht ein homogenes, aber wunderbar vielschichtiges Werk: Winterkind ist zugleich historischer Roman, gothic novel, Märchenadaption, Frauenschicksal und psychologischer Roman.
Die Beschreibung der Lebenssituationen der Frauen und der Arbeiterklasse sind präzise recherchiert und können einem noch viel beibringen, gleichzeitig fliessen alle Beschreibungen in den Roman ein und haben eine Funktion: Sie erhöhen die Spannung, wenn es um einen möglichen Aufstand geht, sie charakterisieren die Figuren und geben ihnen ihre Handlungsspielräume vor, die gebrochen werden können oder eben auch nicht. Sie sind nie Selbstzweck. (Und das ist etwas, das ich an historischen Romanen wirklich verabscheue, wenn zu erkennen ist, das die Autorin hier eine tolle Quelle gefunden hat und unbedingt dieses Wissen unterbringen muss, auch, wenn es den Roman in keiner Weise „voran bringt“.) Persönlich find eich es besonders angenehm, dass Lilach ihre Quellen im Nachwort anspricht und so der interessierten Leserin die Möglichkeit gibt, sich selber weiter zu informieren.
Die Figuren sind durch die Bank weg überzeugend. Alle sind liebevoll charakterisiert und selbst die Nebenfiguren scheinen ein Eigenleben zu haben; als Leserin glaubt man fest daran, dass beispielsweise die Köchin ihr eigenes Leben weiterlebt, wenn die Tür hinter ihr zu geht. Zwar kommen Männer in der Geschichte vor, aber der Fokus liegt eindeutig auf zwei Frauen: Blanka von Rapp und Sophie. Erstere ist die Hausherrin und genauso zart und schön und ätherisch wie die Zeit eine Dame haben möchte. Sophie, die Gouvernante von Blankas Tochter, hingegen ist pragmatisch und vernünftig, freundlich, aber nicht überragend hübsch – ebenso die sich die Gesellschaft es wünscht. Beide könnten kaum unterschiedlicher ein, beide haben an ihrer Vergangenheit zu knabbern, zusammen müssen sie sich der eskalierenden Situation stellen, in denen die Männer sie im Stich lassen und werden so am Ende zu so guten Freundinnen, wie die Zeit es zulässt. Dass dabei vieles unausgesprochen und nur angedeutet bleibt, ist eine der großen Stärken von Winterkind. Nicht nur bei den Figuren und ihren Beziehungen zueinander bleiben „Leerstellen“, die der Leser füllen kann, wie es ihm beliebt, auch das Ende ist offen. Die Probleme sind nicht alle gelöst, aber die Protagonistinnen wissen nun, was sie leisten können – und der Leser bleibt mit dem Gefühl zurück, dass die beiden ihr Leben nun selbst in die Hand nehmen werden und ihr Schicksal mitbestimmen werden.

Mehr zu und über Lilach Mer gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!