Mein Körper gehört mir von pro familia & Dagmar Geisler

Rezensionsmontag!

Heute zu einem Buch, dass ich wunderbar finde, und zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt.
In Deutschland allein werden im Schnitt 40 Kinder pro Tag Opfer von sexueller Gewalt. Die Dunkelziffer ist deutlich höher. Es liegt in der Natur der Sache, dass niemand weiß wie hoch, aber Experten schätzen bis zu 20mal höher.
Diese Zahlen machen deutlich, dass noch viel passieren muss im Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Prävention ist dabei besonders wichtig: Viele Kinder müssen erst lernen, dass es in Ordnung ist, in unangenehmen Situationen Nein zu sagen und klare Grenzen zu setzen, nicht nur wenn es um ihren Körper geht. . Deshalb ist es für Kinder wichtig zu lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und benennen zu können.
Vor 25 Jahren erschien der Ratgeber „Mein Körper gehört mir!“ in Zusammenarbeit mit ProFamilia und Dagmar Geisler, die seit vielen Jahren zu diesem Thema arbeitet. Das Bilderbuch ist ein Klassiker unter den Kindersachbüchern. Nun erschien im Loewe Verlag die erweiterte Jubiläumsausgabe von „Mein Körper gehört mir!“.

Autorin: pro familia
Titel: Mein Körper gehört mir
Illustratorin: Dagmar Geisler
Verlag: Loewe
Seiten: 32

In dem Bilderbuch erklärt das Mädchen Clara, wie wunderbar ihr Körper ist und dass es schöne und unangenehme Berührungen gibt. Schöne Berührungen geniesst sie und bei unangenehmen Berührungen wehrt sie sich und sagt Nein! Sie erklärt, dass alle Kinder das Recht haben und sich Hilfe holen dürfen, wenn dieses Nein nicht akzeptiert wird.
Erweitert ist die Jubiläumsausgabe um die Behandlung digitaler Medien, über die Clara sagt, dass sich kind nicht anschauen muss, was unangenehm und ungewollt ist und dass die Seele genauso wunderbar ist wie der Körper.

Die Sprache des Bilderbuchs ist einfach und klar. Die Sätze sind kurz und prägnant. So können auch Kinder ab fünf Jahren (so die Empfehlung) dem Inhalt sehr gut folgen und den Inhalt verstehen. Erstleser haben schnell Erfolge, da es nur wenige Sätze pro Seite sind, die schnell gelesen sind.
Auch wenn das Thema ernst ist, liegt der Fokus – nicht zuletzt durch die freundlichen Illustrationen – auf der Dualität von angenehmen oder unangenehmen Berührungen. Durch die klare Botschaft, dass der eigene Körper wunderbar ist und Freude bringen soll, und die ebenso klare Aussage, dass zu unangenehmen Dingen Nein gesagt werden darf und soll, macht das Buch keine Angst. Die kleinen Leserinnen und Leser werden sogar aufgefordert das Nein sagen mit Clara zu üben.
Die Illustrationen von Dagmar Geisler sind bunt und bringen beim Betrachten viel Spaß. Fast meint man die Stimme und das Lachen von Clara beim Betrachten zu hören. Zudem ist da der immer wiederkehrende Stoffhase und Teddy und viele kleine Details, die nicht vom Hauptinhalt des Bildes ablenken, sondern ihm zu einer größeren Tiefe verhelfen. Die Mimik der Figuren ist sehr ausdrucksstark, fast schon übertrieben, aber macht es auch Kindern einfach die Emotionen der Dargestellten zu begreifen.
Schön ist auch die Körperlandkarte, die den kleinen Leser*innen hilft, sich spielerisch und kreativ noch weiter mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Dagmar Geisler verfolgt hier einen kunsttherapeutischen Ansatz. Hier können Körperteile zum Beispiel benannt werden (Auch das ist eine wichtige Präventionsmaßnahme. Eine klare Benennung hilft gegen Sprachlosigkeit.) und mit Erfahrungen verknüpft werden und so „in Besitz genommen“ werden.

Ich habe mein „Mein Körper gehört mir!“ mit den Kindern gelesen. Das Buch macht es sehr einfach mit den Kleinen in ein Gespräch über das Thema zu kommen, indem die Aussagen von Clara in eine Frage umgemünzt werden. Wenn Clara sagt: „Ich mag mich und meinen Körper.“, ist die Frage: „Und du? Magst du dich? Und deinen Körper? Was magst du besonders?“ Viel Spaß hatten wir mit der Übung Nein zu sagen, bei der sich zeigte, dass das Selbstbehauptungstraining, an dem die kleine Tigerin und der kleine Drache teilgenommen haben, Früchte trägt.

Das Buch ist nicht umsonst ein Klassiker geworden. Es ist für kleine Kinder durch und durch zu empfehlen!

Mehr zum Verlag gibt es hier und über Profamilia  Darmstadt hier und Dagmar Geisler hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein von Ben Brooks

Rezensionsmontag!

Die kleine Tigerin hat letztes Jahr zu Weihnachten „Goodnight Stories for Rebel Girls“ bekommen und seitdem wird es wieder und wieder gelesen. Das Buch inspiriert sie genauso, wie es die Intention der Autorinnen war. Aber was ist mit dem kleinen Drachen? Soll er mit den alten, ungesunden Männerrollenbildern groß werden? Nein, natürlich nicht. Daher kommt „Stories for Boys who dare to be different“ genau richtig. Um unsere Welt zu verändern, müssen wir nicht nur die Mädchen ermutigen und stärken, sondern auch den Jungen Vorbilder und den Mut geben sich über Genderstereotypen hinwegzusetzen, damit sie alle zusammen eine Welt jenseits des Gegensatzes Mann vs. Frau errichten können.
Offensichtlich ist auch der Loewe Verlag dieser Meinung, denn natürlich lässt sich der Inhalt der beiden Bücher – 100 Kurzbiografien berühmter Frauen bzw. Männer – miteinander vergleichen, aber auch das Cover von „Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein“ ist lehnt sich sehr an der Gestaltung des Covers vom Buch aus dem Hanser Verlag an.

Autorin: Ben Brooks
Titel: Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein
Illustrator: Quinton Winter
Verlag: Loewe
Seiten: 208

So politisch wie meine Einleitung kommt das Buch dann aber gar nicht daher. Es ist eine Sammlung von kurzen (jeweils eine Seite langen) Biographien von so verschiedenen Männern wie Ai Weiwei, Barack Obama, Bill Gates, Konfuzius, Daniel Radcliffe, Galileo Galilei, Hans Scholl, Harvey Milk, Jamie Oliver, John Lennon, Lionel Messi, Louis Armstrong, Louis Braille, Ludwig van Beethoven, Mahatma Gandhi, Muhammad Ali, Nelson Mandela, Nikola Tesla, Oscar Wilde, Patch Adams,  Siddhartha Gautama, Stephen Hawking, Thomas Edison oder Vincent van Gogh. Das Augenmerk liegt auf den Schwierigkeiten, die diese Persönlichkeiten hatten und wie sie sie überwunden haben und so ihre ureigene Größe und Wirkkraft erreicht haben. Erfolg liegt eben in dem eigenen Ziel und nicht in dem, was die Gesellschaft erwartet, und Stärke muss nicht immer die körperliche sein.

Die Sprache ist einfach und klar. Die Sätze sind kurz und prägnant und fassen die teils komplizierten Sachverhalte deutlich zusammen. Auch ungeübte Leser*innen können hier gut folgen, ohne dass der Eindruck von verkrampften Erstleser-Büchern entsteht.
Das Buch berichtet unsentimental über die zum Teil traurigen Enden der Männer, bleibt dabei aber positiv. Wenn beschrieben wird, dass Hans Scholl hingerichtet wird, folgen danach noch zwei Absätze, die auf seine positive Wirkkraft hinweisen.
Sicherlich gibt es zu den vorgestellten Personen noch viel mehr zu sagen, aber da bei Kurzbiografien auf einer Seite eine Reduktion stattfinden muss, wird das Prinzip konsequent durchgehalten. Der Leser erfährt genug über die Männer und Jungen, um neugierig zu werden. Und wenn man mehr erfahren möchte, kann man sich andere Quellen zum Weiterlesen suchen.
Die Illustrationen von Quinton Winter sind bunt und bringen beim Betrachten Spaß. Da sie neben der einen Seite Kurzbiografie eine weitere Seite einnehmen, spielen sie eine gewichtige Rolle im Buch. Man kann die Dargestellten gut erkennen, aber viele Bilder gleicher eher Karikaturen als Porträts.
Ich mag das Buch und freue mich schon darauf, das Buch dem kleinen Drachen zu schenken, wenn er lesen kann und hoffe, dass es ihn genauso inspiriert wie „Goodnight Stories for Rebel Girls“ seine große Schwester..

Mehr zum Verlag gibt es hier und über Ben Brooks hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!