Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderbüchern: Was ich meinen Kindern nicht vorlese

Ich lese viel vor. Und ich lese oft nicht vor, was da steht, sondern andere Dinge, die ich mir ausdenke. Warum ich das tue, bringt Sohra Behmanesh auf den Punkt.

Meine kleine Nachbarin (8, hellblond, hellgrauäugig) fragte mich neulich, wie es denn eigentlich komme, dass ich als „dunkler Mensch“ mit einem „hellen Mensch“ verheiratet sei und wir zusammen auch noch ein Kind hätten. Das meinte sie gar nicht böse oder wertend – sie fand es einfach nur seltsam: Für ihre Begriffe gehörte das nicht zur Normalität. Ich weiß, dass ihre Eltern ihr diese Sicht nicht beigebracht haben; ihre Mutter hörte aus einiger Entfernung mit, war total entsetzt und entschuldigte sich bei mir für die Aussage ihrer Tochter. Aber irgendwoher hat das Mädchen ihre Wahrnehmung von Normalität – und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Medien, zu denen unsere Kinder Zugang bekommen, diese Wahrnehmung maßgeblich prägen.

Ihren ganzen Artikel „Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderbüchern: Was ich meinen Kindern nicht vorlese“ findet ihr hier.
Ich habe übrigens überlegt, ob ich nicht die entsprechenden Passagen überklebe mit den Worten und Phrasen, die ich meist wähle. Dann kann auch die Oma, die zu Besuch ist, oder ein Elternteil eines besuchendes Kindes spontan nichts „Falsches“ vorlesen. Denn ausgesprochene Dinge werden durch das Aussprechen existent: Einmal gehört sind sie da, im Kopf des Kindes, im Kopf des Erwachsenens, in der Welt. Auch, wenn man die Aussage dann mit dem Kind kritisch hinterfragt, hat der Gedanke schon Eintritt bekommen. Das ist dann wie „Denk nicht an den rosa Elefanten!“

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

4 Kommentare zu “Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderbüchern: Was ich meinen Kindern nicht vorlese

  1. Meine Methode ist die, dem Kind wortwörtlich vorzulesen und die kritischen Stellen abfällig zu kommentieren. Deutlich, so dass klar ist, dass eins diese Dinge auch anders betrachten kann.
    Wenn ich alles abändern wollte, hätte ich nichts anderes mehr zu tun. Denn gerade Sexismus ist auch in neueren Kinderbüchern leider sehr verbreitet.
    Ich kann das Kind ja auch nicht vor den Rollenklischees beschützen, mit denen andere Kinder im Kindergarten aufwachsen – und die sie weitergeben. Ich kann nicht mehr tun, als mein eigenes Kind über den Unsinn dieser Klischees aufzuklären.

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      • Beide Methoden haben ihr Gutes. Manche Methode ist auch für manches Alter besser, für das andere weniger gut geeignet. Ich habe nur manchmal die Befürchtung, dass eine Veränderung des Textes beim Vorlesen oder durch Neuauflagen der historische Kontext ignoriert wird und der falsche Eindruck entsteht, dass Einstellungen und Kultur sich nie verändert hätten. Ähnlich wie die jegliche historische Entwicklung leugnende Behauptung, Geschlechterrollenbilder seien natürlich und „immer schon so gewesen“.

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