5 Fragen an Jeanine Krock

Interview-Montag! Juchhu!


Copyright: Jeanine Krock
Fotograf: Sascha Gramann

Als ich noch in Kiel lebte, spielte auf der Kieler Woche fast jedes Jahr Miles Davis. Und fast jedes Jahr versuchte ich es, ihn auf der Bühne zu erleben. Es ist mir nie gelungen. Immer ist etwas dazwischen gekommen; von verspäteten Bussen bis zu Freundinnen, die weinend auf meiner Türschwelle saßen, war alles dabei. Einmal habe ich es fast geschafft. Ich hörte noch Musik, als ich zur Bühne hastete, aber als ich ankam, war der Gig zu Ende und ich sah nur noch ein Bein, das hinter dem Vorhang verschwand. Vermutlich war es ein Roadie, aber für mich ist Miles Davis seither der Mann mit dem Bein.
Bei Jeanine Krock ist es ähnlich. Wir waren schon häufig zur selben Zeit am selben Ort, aber ich habe sie nie gesehen. Außer das eine Mal vor vielen Jahren auf der Leipziger Buchmesse, als ich ihren Arm gesehen habe, als sie Kristina Günak zum ersten Mal die Hand schüttelte und ich mich diskret im Hintergrund hielt. So ist sie für mich die „Frau mit der Hand“.
Aber ich hoffe sehr, dass wir uns einmal sehen, denn als Freundin einer Freundin ist sie mir sympathisch und was sie auf Facebook schreibt, lässt mich denken, dass wir uns viel zu erzählen hätten.
Jeanine ist in Braunschweig, meiner Heimatstadt, geboren und hat als Kostümbildnerin und Model-Bookerin, als Relocation Consultant und im Musical-Theater gearbeitet; heute lebt sie als Autorin mit langer Veröffentlichungsliste in Norddeutschland.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Alles begann ganz scheinbar mit einer Buchstabensuppe … Meine Eltern haben immer behauptet, ich hätte schon Bücher unter dem Bett gehortet, bevor ich überhaupt ein Wort sprechen konnte. Das stimmt natürlich nicht, denn unter dem Bett wohnten Krokodile, jedenfalls nachts, und denen hätte ich nie meine papierenen Träume anvertraut. Mein erstes Buch bekam ich im ersten Lebensjahr. Es war abwaschbar und ihm folgten viele Bilderbücher, von denen mir die Häschenschule lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Ich wünschte, ich könnte eine originellere Antwort geben.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

So genau kann ich das gar nicht sagen. Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga (Astrid Lindgren) gehörte auf jeden Fall zu meinen Held*innen. Hexen (Ottfried Preußler) fand ich toll, fliegende Klassenzimmer am 35. Mai (Erich Kästner), Jim Knopf und Frau Mahlzahn (Michael Ende), aber auch Hanni und Nanni im Internat (Enid Blyton), unbedingt Islandpferde (Ursula Bruns), Alice im Wunderland (Lewis Carroll), Die Schatzinsel (Stevenson) und natürlich Huck Finn (Mark Twain), als Inbegriff individueller Freiheit. Die Auswahl ist selbsterklärend, denke ich. Starke Mädchen, die ihre Schwingen öffnen, um in die Welt hinaus zu fliegen, kann es gar nicht genug geben.

Märchen gehörten zum Vorlesestoff frühester Erinnerung. Die orientalischen mochte ich sehr, Feengeschichten, Hauff und Hans Christian Andersen. Keine Märchen und auch für Kinder nur bedingt geeignet sind die Geschichten von Wilhelm Busch. Ich liebe ihren finsteren Humor bis heute. An Jugendliteratur kann ich mich nicht erinnern. Gut möglich, dass es davon zu meiner Zeit noch nicht viel gab. Der Schlüssel in die »Erwachsenenliteratur« war definitiv »Narziß und Goldmund« von Hesse. Ich hatte vorher schon so einiges gelesen, aber wenig verstanden. Dieses Buch gilt nicht unbedingt als Meilenstein der Weltliteratur. Mir hat es viel bedeutet.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Lesungen zählen wahrscheinlich nicht? Ich lese meiner Mutter gelegentlich vor. Aus der Wochenzeitung oder neue Kapitel meiner Bücher. Das gehört zu unserer gemeinsamen »Quality Time« und ist ja auch nur fair, denn sie hat mir früher fast jeden Abend vorgelesen. Vater und Omi waren auch am allabendlichen Entertainment beteiligt, aber sie war wirklich süß. Manche Geschichten musste sie immer wieder vorlesen und häufig war sie so erschöpft, dass ihr dabei die Augen zufielen, sie aber noch eine Weile auswendig weitersprach.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Meine Kinderzeit liegt zu weit zurück, um konkrete Empfehlungen geben zu können. Viele Klassiker haben sich wahrscheinlich auch kulturell und weltanschaulich überholt. Unglücklich finde ich allerdings den derzeitigen Trend, Kinder- und Jugendbücher zu »bereinigen«.
Pippi Langstrumpfs Vater kann doch »Negerkönig« bleiben, wenn eine Fußnote darauf hinweist, dass dieses Wort heute als beleidigend empfunden wird. Kinder sind nicht doof, sie verstehen schon, dass früher viele Dinge anders waren. Züge galten mit fünfzehn Stundenkilometern als lebensbedrohlich schnell und arme Kinder blieben in Kaminen stecken, landeten auf Piratenschiffen oder im Bordell. Manches hat sich bis heute nicht geändert. Kinder verstehen das.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ich fürchte, die Heldinnen und Helden meiner Kindheit würden mich schrecklich langweilig finden. Den meisten ist ja auch irgendein Bösewicht oder Ungeheuer auf den Fersen, und die möchte ich lieber nicht in unsere Welt entlassen. An eigenen Ungeheuern fehlt es uns gewiss nicht.
Und ich im Buch? Warte mal … Ja, ich hab’s! Ich würde gern mit Anneliese, Peterchen und Herrn Sumsemann zum Mond fliegen, um dann von dort oben unseren herrlichen blauen Planeten bewundern zu können.

Vielen Dank für das Interview.

Herzlichen Dank für die interessanten Fragen, ich habe die Reise in meine Vergangenheit genossen und könnte noch endlos weitere Bücher aufzählen. Habe ich eigentlich Gullivers Reisen oder Mary Poppins erwähnt?

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

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2 Kommentare zu “5 Fragen an Jeanine Krock

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