5 Fragen an Lilach Mer

Interview-Montag! Juchhu!

Ich habe Lilach bei einer autorenbegleiteten Leserunde auf Leserunden.de kennen gelernt – wir haben wunderbar über die Struktur von „Der siebte Schwan“ diskutiert. Danach habe ich all meinen Mut zusammengenommen und habe sie auf Facebook angefreundet. Lilach ist online nicht sehr präsent – bei einem Job und dem Schreiben wundere ich mich, dass sie überhaupt noch Zeit für irgendetwas findet … Trotzdem hat der Kontakt gehalten. Vielleicht auch, weil wir beide aus dem Norden stammen und die große Vorliebe für Märchen teilen. Als ich Lilach für dieses Interview anschrieb, war sie jedenfalls sofort Feuer und Flamme!
Lilach hat bisher „Der siebte Schwan“ – Unbedingt lesen! Es ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft schön! -, „Winterkind“, „Seacrest House“ und noch eine Kurzgeschichte bei Rowohlt, „Cirque Indigo“ veröffentlicht. Irgendwann dieses Jahr wird auch noch eine irische Variation des „Die Schöne und das Tier“-Motivs bei U-Line erscheinen, der Titel lautet bisher „Wolf und Rose“. Darauf freue ich mich schon sehr!
Mehr zu Lilach Mer findet man hier.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Bücher sind immer schon meine Begleiter gewesen, so weit ich mich zurückerinnern kann. Ich bin praktisch zwischen Regalen groß geworden. Als ich sie noch nicht selbst lesen konnte, habe ich sie immerhin schön (hüstel) ausgemalt – vor allem die Fachbücher meiner Mutter. Na, die wird sich gefreut haben …!

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Ich habe eigentlich alles gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte, und war dabei in meinen Vorlieben, fürchte ich, nicht besonders originell: Astrid Lindgrens wunderschön-traurig-freche Geschichten waren von allen meine besten Bücher-Freunde. Was genau ihren Zauber damals ausmachte, kann ich nicht wirklich sagen; vielleicht funktioniert er deshalb bis heute. Ich erinnere mich aber gut daran, dass ich mich selbst und die Lisa aus „Bullerbü“ eigentlich für mehr oder minder dieselbe Person gehalten habe. Obwohl ich im Leben nie auf die Idee gekommen wäre, in meinem Kinderzimmer Staub zu wischen und den Teppich auszuklopfen …
Was Märchen betrifft, sie sind für meine eigenen Lese-Abenteuer im Prinzip die Grundlage gewesen: Bei uns zuhause bekam man sie vorgelesen oder auch einfach frei erzählt, zusammen mit Balladen und Unsinnsliedern (für letzteres hatte vor allem mein Vater eine fast schon beunruhigende Begabung). Ob die grauslichen Stellen in den Märchen irgendwie geschönt wurden, weiß ich nicht mehr; als Kind stört man sich aber eh erstaunlich wenig an Schwiegermüttern in Nagelfässern und dergleichen. Vermutlich habe ich die Märchen und alles, was darin so passierte, für eine Art mündlichen Geschichtsunterricht gehalten. Sind sie im Grunde ja auch – jedenfalls, was die menschliche Natur betrifft.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich hatte es wirklich gut und bekam praktisch jeden Tag etwas vorgelesen; spätestens zum Einschlafen. Das brachte den Tag zur Ruhe und schloss ihn sozusagen in sich ab. Außerdem ist es natürlich wunderbar, Mama oder Papa eine kleine Weile mal ganz für sich zu haben, in der friedlichen Kinderzimmer-Dämmerung, wo einem nichts passieren kann. Mein Vater musste mir eine Zeitlang sogar übers Telefon vorlesen, wenn er nicht da war – die lila Märchenbücher, die er dafür benutzte, habe ich heute bei mir stehen.
Ich selber lese unheimlich gerne vor, aber leider nicht besonders gut. Manchmal mache ich das mit Freundinnen, wenn wir neue Schätze ausgegraben haben. Außerdem natürlich immer kleine Schnipsel beim Essen (ohne Buch setze ich mich doch gar nicht erst hin …). Kann zu Kartoffel-Pell-Unfällen führen, ist aber trotzdem unbedingt empfehlenswert.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Die Lindgren gehört natürlich ins Kinderzimmer, am besten jedes einzelne Buch von ihr. Es gibt einfach nichts Besseres für die Kinderseele, nichts, was ihr so sehr entspricht und die rätselhafte, wundersame, schmerzliche Welt so vollständig durch ihre Augen betrachtet. Die ganz traurigen Geschichten, wie die „Schafe von Kapella“ und „Klingt meine Linde“ würde ich allerdings die ersten paar Jahre nach hinten stellen. Außerdem jede Menge „leichte Lektüre“, die einfach Spaß macht wie Süßigkeiten. Und die „Taran“-Bücher von Lloyd Alexander. Und der „Kleine Hobbit“! Inzwischen gibt es ja längst ein anderes Cover als das der dtv-Ausgabe, die mich lange glauben ließ, der Hobbit wäre ein Drache (war ja fett in der Mitte abgebildet – das Männchen, das irgendwo am Rand herumturnte, schien mir völlig unwichtig). Oh, und natürlich das „Schnurpsen“-Buch, und eine gute Ausgabe griechischer Sagen für Kinder. Außerdem noch – ach, eigentlich gehören alle Bücher, die ich damals las, dazu. Ich möchte jedenfalls kein einziges missen. Genau das, schätze ich, macht gute Kinderbücher aus.
Was Jugendbücher angeht, bin ich unsicher. Typische Jugendbücher, also Bücher, die extra für Jugendliche geschrieben wurden, mochte ich eigentlich nie besonders leiden. „Outsider“ von Susan Hinton fand ich sehr anrührend, daran erinnere ich mich. Und ich denke, mit Terry Pratchett kann man eigentlich nicht früh genug anfangen.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Na, Pippi natürlich! Wir würden meine beste Freundin abholen, uns mein winziges, wackliges Banana-Faltboot schnappen, ein Bettlaken als Segel aufziehen (für mehr hat’s bisher leider noch nicht gereicht) und Piratenlieder grölend die Schlei hinunter schippern. Vielleicht könnte uns auch der Kleine Onkel vom Ufer aus treideln. Alle Prusseliesen, denen wir begegnen, würden wir mit Wasserbomben bewerfen, dabei Sahnetorte aus der hohlen Hand essen und die tollsten Abenteuer in Buchten erleben, die die „dummen Erwachsenen“ nicht mal mit Karte entdecken würden.
Bei Pippi zuhause würde ich unbedingt aufs Dach klettern wollen, das habe ich mir beim Anschauen der Filme immer gewünscht. Und vielleicht käme dann auch gleich noch Madita vorbei, und wir könnten die Sache mit dem Sprung und dem Regenschirm nochmal ausprobieren – wenn Pippi dabei ist, klappt es bestimmt!

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

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