5 Fragen an Thomas Finn

Interview-Montag! Juchhu!

Ich kenne Tom schon ewig über einen gemeinsamen Freund. Wir haben zusammen Babylon 5 geschaut, als man die Serie noch nicht ganz einfach auf DVD kaufen konnte und ich Fangirl sie alle im Fernsehen auf Video aufgenommen hatte, er hat mir eine Spielerin für eine Vampire-Live-Runde vermittelt, die dann eine sehr liebe und ganz wichtige Freundin geworden ist und wir hatten erinnerungswürdige Rollenspielrunden. Einmal leitete Tom Cthulhu und nachdem wir die Nacht durchgespielt hatten – es war vielleicht vier Uhr morgens -, hatte er es mit seiner spannenden und gruseligen Geschichte geschafft den Zwei-Meter-Riesen neben mir am Tisch dazu zu bringen nur noch hysterisch zu kichern, die einige Jahre ältere Frau, die ich immer so erwachsen fand, hatte sich die sprichwörtliche Decke über den Kopf gezogen und murmelte in unregelmässigen Abständen „Ich verstecke mich.“ und der gestandene Mann von Welt, der Sunnyboy, der immer und in jeder Lebenslage wusste, was zu tun ist, klapperte nervös mit den Würfeln und ließ seinen Charakter kopflos mal hierhin und mal dorthin laufen und sinnlose Dinge tun. Und ich? Ich fand das wunderbar! Es war so spannend und gruselig und Tom erzählte die Geschichte so atmosphärisch dicht, dass ich mich mitten drin fühlte und meinen Charakter einen Heldentod sterben ließ. Deshalb liebe ich auch seine Bücher. Sie lassen mich mitfiebern, sind spannend und voller Atmosphäre. Und Tom hat es mit Aquarius tatsächlich geschafft mich aufs Glatteis zu führen; etwas, das gefühlt seit 500 Büchern nicht mehr geschehen ist …
Mehr zu Thomas Finn findet man hier und hier.

Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Ich habe spannende Geschichten eigentlich schon immer geliebt – nur gab es früher noch nicht so viel coolen und fantastischen Lesestoff wie heute. In der 5. Klasse entdeckte ich dann die John Sinclair-Heftromane, die mich bis zum Beginn der Bundeswehrzeit begleitet und vermutlich auch meine Begeisterung für fantastische Stoffe geweckt haben. Wirklich einschneidend war für mich aber kein Buch, sondern die Entdeckung der Fantasy-Rollenspiele 1984 mit „Das schwarze Auge“. Kaum hielt ich die damalige Spielebox in Händen, machte es bei mir förmlich ‚Klick’. Denn ich begriff schlagartig, welch ungeheuerliches Universum sich mir da eröffnete. Endlich gab es eine Möglichkeit, mit Freunden fast real life selbst in ebenso spannende wie phantastische Geschichten einzutauchen. Mit den Fantasy-Rollenspielen begann auch die Schreiberei immer wichtiger zu werden – erst mittels eines Fanzines, dann für professionelle Magazine, schließlich für Rollenspielverlage. Ich wollte die Geschichten, die ich mir ausdachte, aber auch die erzählerischen Tricks, denen ich auf die Spur kam, natürlich mit anderen teilen. Dass aus alledem mal ein echter Beruf werden würde, hätte ich ursprünglich nie für möglich gehalten.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Fangen wir bei den Märchen an. Ich habe Märchen aller Art regelrecht verschlungen, kaum dass ich selbst lesen konnte. Insbesondere die Geschichten aus 1001 Nacht – und hier mein All-time-favorit „Aladin und die Wunderlampe“. Gefressen habe ich während meiner Grundschulzeit auch alle „Geheimnis um …-Romane“ von Enid Blyton und später dann die TKKG-Romane von Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf. Ich fand es als Jugendlicher unglaublich aufregend, mir vorzustellen, gleich einem Detektiv Kriminalfälle aufzuklären. Aber … es gab auch tolle Filme und TV-Serien, die mich geprägt haben. Zum Beispiel die britische SF-Serie „Mondbasis Alpha 1“, die ich als Kind besser fand als „Raumschiff Enterprise“. Ebenso wie die TV-Serie um Enid Blytons „Fünf Freunde“, die mich wiederum als Romane nicht so begeistern konnten. Ich war also nicht bloß auf ein Medium fixiert. Man sollte halt nicht vergessen, dass Romane bloß ein Mittel sind, um aufregende Geschichte zu erzählen oder zu erleben.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich erinnere mich, dass mein Vater uns Geschwistern recht früh aus dem Lederstrumpf vorlas – was mir als Kind aber immer etwas düster vorkam. Das Kopfkino habe ich aber wirklich genossen. Inwieweit das mein späteres Leseverhalten beeinflusst hat, vermag ich nicht zu sagen. Heute lese ich gern meinen Patenkindern vor, wobei das inzwischen seltener wird, da zumindest der ältere der beiden längst selbst lesen kann und Bücher inzwischen ebenso frisst, wie ich es damals getan habe. Nur hat er heute eindeutig die bessere Auswahl. Ich lese grundsätzlich aber gern – heute aber eher auf offiziellen Lesungen, wozu auch Schullesungen gehören. Gerade die Schullesungen sind stets ganz besondere Herausforderungen, was viele Kollegen deutlich unterschätzen. Denn da kommen die Zuhörer ja nicht gerade freiwillig, sondern das sind gewissermaßen „Zwangsveranstaltungen“, die für manche Schüler gerade mal besser sind, als die dafür ausgefallene Stunde Mathe. Da muss man sich also ein richtiges Programm ausdenken, das auch die weniger leseaffinen Schüler 1 ½ Stunden bei Laune hält.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Oha, das ist schwierig, da das natürlich vom persönlichen Geschmack abhängt. Heutzutage stehen für mich J.K. Rowlings „Harry Potter“-Romane ganz weit oben. Die sind handwerklich sehr gut gemacht, unterfordern die Jugendlichen nicht und sind einfach bunt, schrill und aufregend. Vor allem: Wenn du wissen willst, wie die Story weitergeht, musst du gleich sieben dicke Schinken hintereinander lesen. Danach hast du keine Berührungsängste mehr, was Bücher anbelangt. Manche Erwachsene – insbesondere jene, die die aufregende Phantastik selbst nie kennengelernt haben – tendieren ja eher zu Literatur, die man freundlich ausgedrückt als „schwer“ bezeichnen müsste. Aber das halte ich für einen großen Fehler. Denn speziell bei Kindern und Jugendlichen geht es doch vor allem darum, überhaupt die Lust und den Spaß am Lesen zu entfachen – statt diese mit trockenem Lesestoff bereits im Keim zu ersticken. Davon ab halte ich mich mit Empfehlungen lieber zurück, denn unsere eigene Leidenschaft für bestimmte Geschichten hängt immer auch von der Zeit ab, in der diese geschrieben wurden und in der wir als Kinder aufgewachsen sind. Was uns einst begeistern konnte, mag späteren Lesegenerationen völlig verstaubt vorkommen. Aus dem gleichen Grund bewundere ich aber auch zeitlose Klassiker wie Astrid Lindgrens „Pipi Langstrumpf“. Frau Lindgren hat da generationenübergreifend ein Einfühlungsvermögen fürs kindliche Gemüt bewiesen, das mir ehrliche Bewunderung abnötigt.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ganz früher war das Tim aus TKKG – in den ersten Romanen noch mit dem Spitznamen „Tarzan“ versehen. Mit ihm zusammen hätte ich mich gern selbst auf Verbrecherjagd begeben. Außerdem wurde er von Gabi angehimmelt, was einen echt neidisch machen konnte. Heute würde ich lieber Harry Potter begrüßen und mir von ihm die Welt jenseits der Muggel zeigen lassen.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s