5 Fragen an Robin Gates

Interview-Montag! Juchhu!

Ich habe Robin vor vielen Jahren bei einer gemeinsamen Freundin kennengelernt. Ich fand ihn nett, aber wir haben nicht viel geredet, weil so viele Menschen da waren. Am nächsten Morgen beim Frühstück hatte ich ein Buch in der Hand (Nicht so überraschend …) und zwar die Reclamausgabe des Nibelungenlieds. Robin kam zum Tisch, setzte sich neben mich, sah, was ich las, und fragte mich, ob ich sie auf Mittelhochdeutsch lesen würde. Ich nickte und begann die erste Strophe zu rezitieren, schnell fiel er ein:

Uns ist in alten mæren    wunders vil geseit
von helden lobebæren,    von grôzer arebeit,
von fröude hôchgezîten,    von weinen und von klagen,
von küener recken strîten    muget ir nu wunder hœren sagen.

Und in diesem Moment waren wir auf eine wunderbare Art miteinander verbunden und in einem Einklang, wie es nur Leute sein können, die dieselbe Leidenschaft teilen. Seither hat Robin einen besonderen Platz in meinem Herzen und auch, wenn wir uns gar nicht so oft seitdem gesehen und gehört haben, sind wir – nicht zuletzt dank moderner Medien – immer in Kontakt geblieben. Wie schön!
Inzwischen hat er den Sprung gewagt und lebt tatsächlich vom Schreiben. In den nächsten Tagen erscheint sein neustes Buch Feuermuse unter seinem Pseudonym Robin Gates. Robin schreibt aber nicht nur Fantasy – zum einen Geschichten, die in der Welt Runland spielen, zum anderen Urban Fantasy wie Dilmun: Jäger des ewigen Lebens oder eben Feuermuse -, sondern veröffentlicht als Bernhard Stäber auch hochspannende Thriller um die Hauptfigur des Deutsch-Norwegers Arne Eriksen. Die Bücher spielen in Norwegen, Robins Wahlheimat.
Mehr zu Robin Gates findet man hier und hier. Und mehr Infos zu Bernhard Stäber gibt es hier und hier.
Und los geht’s mit dem Interview-Montag!

Wann begann deine Liebe zu Büchern? Wer oder was hat deine Leidenschaft für Geschichten geweckt? Und gab es eine Initialzündung, ein ganz besonderes Ereignis oder ist die Beziehung langsam gewachsen?

Meine Liebe zu Büchern begann schon im Kindergarten. Ich habe mir das Lesen mit einem dieser altmodischen Setzkästen voll Buchstaben wie auf Scrabble-Steinen selbst beigebracht  – und zwar aus reiner Neugier. Ich wollte unbedingt wissen, was in der Zeitung geschrieben stand, hinter der sich mein Vater immer am Frühstückstisch versteckte, und was für Geschichten es in den Büchern gab, die im Haus meiner Eltern standen.

Was war dein Lieblingsbuch oder deine Lieblingsbücher als Kind? Was war der Grund für diese Liebe? Welches Buch oder Bücher hast du als Jugendlicher geliebt? Was hat dich daran so fasziniert? Haben Märchen in deinem Leben eine besondere Rolle gespielt?

Mein Lieblingsbuch als Kind war Otfried Preußlers „Krabat“. Damals hätte ich es schwer in Worte fassen können, was mich daran so faszinierte – ich fand es einfach unheimlich und spannend. Als Erwachsener denke ich, dass es mich wohl begeistert hat, wie Preußler einen klassischen Märchenstoff genommen und daraus eine sehr persönliche Geschichte gemacht hat, in der die Hauptfigur über den klassischen Märchen-Archetyp hinauswuchs.

Als Jugendlicher hat mich „Watership Down“ stark beeindruckt, besonders Richard Adams´ Angewohnheit, jedem Kapitel ein passendes Zitat aus einem Literaturklassiker voranzustellen. Ich bekam dadurch sofort Lust, mehr über die Autoren der Zitate herauszufinden. Meine Liebe zu englischsprachiger Literatur geht deswegen stark auf Richard Adams zurück.

Märchen haben in meinem Leben immer eine besondere Rolle gespielt. Ich sammle Märchen und Mythen aus den verschiedensten Ländern. Es ist faszinierend, kulturell unterschiedliche Themen in ihnen zu entdecken. Zum Beispiel findet man in irischen Märchen sehr häufig das Motiv eines Geschichtenerzählers, dem keine Geschichte mehr einfällt, und der die unheimlichsten Erlebnisse durchstehen muss, nur um am Ende wieder eine spannende Geschichte erzählen zu können. – ein Motiv, das ich bisher nur in Irland gefunden habe und das die wichtige Rolle oraler Literatur in der irischen Kultur widerspiegelt.

Ist dir als Kind viel vorgelesen worden? Was fandest du am Vorlesen besonders schön? Gibt es einen besonderen Vorlesemoment in deinem Leben? Und liest du heute selber vor? Und wem?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern mir etwas vorgelesen haben. Aber als sie merkten, dass ich selbstständig lesen konnte, schenkten sie mir immer wieder Bücher und kümmerten sich darum, dass ich einen Büchereiausweis bekam. Mein absolutes Lieblingsgeschenk allerdings war ein Kassettenrecorder. Damit konnte ich zum ersten Mal meine eigene Stimme aufnehmen. Ich habe die Lieblingsstellen meiner ausgeliehenen Bücher aufgezeichnet, um mir sie mir wieder und wieder anhören zu können. Ich habe eigene Geschichten erfunden, einfach drauflos erzählt und bekam so beim Anhören ein Gefühl für den Rhythmus meiner eigenen Stimme. Auch heute noch lese ich gerne meine tägliche Arbeit an einem Manuskript laut, um zu hören, wie gut die Geschichte im Fluss ist. Ich sehe mich selbst in erster Linie als Geschichtenerzähler.

Es gab einen Vorlesemoment in meinem Leben, der mich stark beeindruckt hat und an den ich mich auch heute noch gut erinnern kann. Mitte der Neunziger lebte ich in Berlin und besuchte eine Mitternachtslesung von Samuel Becketts „Molloy“ im Roten Salon der Berliner Volksbühne. Zwölf Schauspieler lasen gemeinsam ohne Unterbrechung den kompletten Roman, jeder jeweils eine Stunde lang. Es war ein beeindruckendes Erlebnis. Der Rote Salon schuf mit seinen gemütlichen Sofas eine intime Wohnzimmeratmosphäre, zu der auch die Schauspieler selbst beitrugen, weil die meisten von ihnen sich zu uns Zuhörern gesellten, nachdem ihr Beitrag vorbei war.

Ich selbst lese heute auch immer noch vor. Auf meinem Youtube-Kanal findet sich zum Beispiel mein erster Runland-Roman, „Der Harfner und der Geschichtenerzähler“, komplett Kapitel für Kapitel eingelesen. Ich organisiere auch immer wieder gerne Lesungen aus meinen Büchern. Der direkte Kontakt zu meinen Lesern bei solchen Veranstaltungen ist ein schöner Ausgleich zu der ansonsten ja recht isolierten Schreibarbeit.

Welche Bücher gehören deiner Meinung nach in jedes Kinderzimmer? Und welche, findest du, sollten in jedem Regal von Jugendlichen stehen? Was macht für dich die Kinder- und Jugendbuch-Klassiker aus? Warum sind sie so besonders?

Die Bücher von Rosemary Sutcliff, J.K. Rowling und Astrid Lindgren gehören meiner Ansicht nach in jedes Kinderzimmer. Astrid Lindgrens schlichte, aber dennoch poetische Sprache spricht besonders zu jüngeren Kindern wie es kaum ein anderer Autor nach ihr hinbekommen hat, ohne jemals betulich zu werden. Sie erspart Kindern nichts, nicht einmal den Tod – und nimmt sie damit ernst.

J.K. Rowling hat mit ihren Harry Potter-Büchern ein unglaublich komplexes, doppelbödiges Universum geschaffen, in dem sich viele Handlungen der Charaktere erst auf den zweiten und dritten Blick erschließen. Anfangs wurde sie stark kritisiert. Man warf ihr Eskapismus vor und sagte ihr voraus, im Gegensatz zu anderen Kinderbuchklassikern würden ihre Bücher bald wieder vergessen sein. Aber letztendlich hat sie die Grenzen dessen, was sich in Kinderbüchern erzählen lässt, wie kaum eine andere Autorin vor ihr erweitert. Deswegen sind ihre Bücher bereits heute Klassiker.

Rosemary Sutcliff hat es verstanden, Kinder für Geschichte zu begeistern. Ihre historischen Romane schlagen Brücken zum Leben der Menschen vor zweitausend Jahren und erwecken die Vergangenheit mit allen Sinnen zum Leben.

Soviel zu Kinderbüchern. Ich ziehe nur ungern eine Trennlinie zwischen Jugendbüchern und Literatur für Erwachsene. Aber zu Büchern, die meiner Meinung nach Jugendlichen besonders viel geben, zähle ich „Der Herr der Ringe“ von Tolkien, die Bücher von Stephen King, Terry Pratchett, Neil Gaiman und Michael Ende.

Kinder-und Jugendbuchklassiker haben alle etwas gemeinsam: Sie transzendieren das Alter ihres Klientels. Neil Gaiman hat in „Der Ozean am Ende der Straße“ darüber reflektiert, ob es Erwachsene womöglich gar nicht gibt und alle sogenannten Erwachsenen vielleicht nur äußerlich älter aussehen, aber innerlich genau den gleichen Vorlieben nachgehen, die sie auch schon als Kinder angetrieben haben. Ein gutes Kinderbuch spricht zu dem Kind in uns. Egal in welchem Alter wir es aufschlagen – es erreicht uns, wie ein vertrauter und liebgewonnener Geruch, und macht es auch für Erwachsene lesenswert.

Welche Figur aus einem Kinder- oder Jugendbuch würdest du gerne einmal zu Besuch haben? Was würdet du mit ihr einen Tag lang machen? Und was würdet ihr beide bei einem Gegenbesuch in ihrem Buch treiben?

Ich würde sehr gerne einmal den Halbelfen Elrond aus „The Hobbit“ und „The Lord of the Rings“ zu Besuch haben. Ich bin gespannt, was er davon hält, dass ich mein norwegisches Zuhause „Rivendell“ getauft habe – immerhin liegt es auf einem bewaldeten Hügel umgeben von mehreren Wasserfällen. Und natürlich würde ich bei einem Gegenbesuch sehr gerne eine Führung durch das echte Rivendell oder Imladris bekommen.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zum nächsten Mal!

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