Der kleine Lord von Frances Hodgson Burnett

Der kleine Lord ist einer meiner All-Time-Favourites in Sachen Weihnachten. Vermutlich liegt es daran, dass ich den großartigen Film mit Alec Guiness und Ricky Schroder schon zu Kindertagen geliebt habe und ihn stets zu Weihnachten im Fernsehen sehe. (Auf DVD gibt es diese Version ja leider nicht …) Eigentlich hat die Geschichte ja nicht viel mit Weihnachten zu tun, aber sie endet mit einem zünftigen Weihnachtsfest – zumindest im Film …

Autor: Frances Hodgson Burnett
Titel: Der kleine Lord
Übersetzer: Maria Berger
Illustrator: Graham Rust
Verlag: Gerstenberg Verlag
Seiten: 160

Cedric, liebevoll Ceddie genannt, lebt allein mit seiner verwitweten Mutter in Brooklyn. Sie hat keine Angehörigen und ihr Mann, Hauptmann Cedric Errol, ist seinerzeit wegen seiner Heirat mit Cedrics Mutter von seinem Amerika und die Amerikaner hassenden Vater, dem Earl von Dorincourt, verstoßen und enterbt worden, so dass die beiden ganz alleine – bis auf die alte Mary, mehr Freundin als Dienerin – in der Welt sind. Ceddie ist ein entzückendes, höfliches und sehr, sehr liebenswürdiges Kind. Er mag jeden, seine besonderen Freunde sind jedoch der Gemischtwarenhändler Mr. Hobbs und der Schuhputzer Dick.
Eines Tages erscheint der Anwalt Mr. Havisham bei der kleinen Familie. Cedric ist inzwischen der einzige lebende Nachkomme des Earls von Dorincourt und soll nun bei ihm nun als Lord Fauntleroy – so auch der Titel im Original – auf sein Erbe vorbereitet werden. Dass sein Großvater seine Schwiegertochter weiterhin zutiefst verabscheut, erfährt Ceddie jedoch nicht. Das ist die eine Bitte, die Ceddies Mutter stellt, und das, obwohl sie mit nach England reisen, aber nicht auf dem Schloss, sondern einem Haus in der Nähe wohnen soll. Der kränkliche Graf will sie auf keinen Fall sehen. Auch wenn es Mrs. Errol beinahe das Herz bricht, entscheidet sie sie sich im Andenken an ihren Mann und für die angemessene Ausbildung ihres Sohnes für den Umzug nach England.
Dort wickelt der aufgeweckte, freundliche und liebevolle Cedric den alten, misanthropischen Earl schnell um den Finger und bewirkt bei dem unangenehmen Adligen nach und nach eine komplette Veränderung. Der knurrige alte Mann wird menschlicher, freundlicher und denkt nun auch an andere.
Alles scheint wie im Märchen ein gutes Ende zu nehmen. Doch da meldet eine andere Partei Ansprüche auf das Erbe und den Titel an – und nur die amerikanischen Freunde von Ceddie können jetzt noch helfen.

Auch wenn Frances Hodgson Burnett seinerzeit über ihre Gegenwart schrieb, ist das Buch für uns natürlich ein wenig altertümlich – und das in einem guten Sinne. Es ist die angenehme und gemütliche Altmodischheit, die uns an die gute alte Zeit erinnert, Bilder von Geschichten am Kaminfeuer wachruft und einfach ein gutes Gefühl macht. In der Tat scheint die Geschichte ein wie ein Märchen zu sein.
Die Figuren sind allesamt Klischees und haben keine wirkliche Tiefe. Doch da sie nur Typus dienen funktionieren sie wunderbar. Cedric ist einfach zu bezaubernd, hübsch und liebenswürdig, seine Mutter zu selbstlos, bescheiden und gut, sein Großvater zu misanthropisch, verbohrt und dann bekehrt um dem wahren Leben zu entstammen. Doch in die Welt der Märchenfiguren gliedern sie sich nahtlos ein. Und auch die treue Mary, der knurrige Mr. Hobbs mit dem Karamellherz, der korrekte, etwas steife, aber dann doch gerührte Mr. Havisham, der gutmütige Dorfpfarrer Mr. Mordaunt sind wahrhaft märchenhaft bezaubernde Figuren.
Auch die Handlung ist einfach gehalten und sehr stringent. Ceddie kommt nach England, gewinnt und erwärmt das Herz seines Großvaters. Als schon alles gut erscheint, kommen Schwierigkeiten, die natürlich auch überwunden werden können, allerdings nicht ohne den Großvater auch mit seiner Schwiegertochter auszusöhnen. Spannung entsteht, weil man Ceddie schnell ins Herz schließt und ihm – und der ganzen Welt, der er Gutes tun würde als Graf – wünscht, dass er Lord Fauntleroy bleibt.
Die Atmosphäre des Buches ist einfach be- und verzaubernd. So sehr, dass ich, als ich für diese Rezension nur einige Namen nachschlagen wollte schon wieder lange Passagen lesen musste, weil mich die wunderbare Stimmung einfach eingesaugt hat. Und die wunderbaren Illustrationen von Graham Rust tun das Ihrige dazu!

Mehr zu und über Frances Hodgson Burnett gibt es hier bei der wikipedia.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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