Interview mit Kristina Günak

Kristina Günak hatte dieses Jahr mit Eine Hexe zum Verlieben ihr Debüt bei Ubooks. Die nächsten Bücher sind schon fürs nächste Jahr angekündigt. Sie schreibt herrlich humorvolle Paranormal Romance und Cick-Lit.
Und passend zu der Leserunde für Eine Hexe zum Verlieben auf Leserunde.de, gibt es hier nun ein Interview mit ihr.

Du hast einmal gesagt, Schreiben mache Dich glücklich. Und Dein Mann hat einmal gesagt, dass Du immer ganz gelöst und entspannt seist, wenn Du vom Schreiben wiederkämest. Was genau gibt Dir das Schreiben?

Selbst wenn ich nach einem Schreibmarathon von mehreren Stunden, spritzendem Blut (nur literarisch und in meinem Word-Dokument, versteht sich), abstürzenden Engeln und fluchenden Hexen ins Bett gehe, fühle ich mich wunderbar.

Hirn leer, Akku leer, Herz voll. Ich glaube, dass kreative Arbeit, egal welcher Art, oftmals genau diesen Effekt hat. Man ist völlig erledigt, aber hoch zufrieden. Vermutlich kann man diesen Effekt auch mit dem kreativen Gestalten von Balkonkästen, Seidenmalerei oder Backen erreichen, aber leider bin ich in diesen Dinge total talentfrei. Ich hab’s halt eher mit Worten und das tut mir einfach gut.

Schreiben ist ja nicht nur Leidenschaft, sondern auch Handwerk. Was hast Du getan um es zu erlernen? Und was tust Du noch um besser zu werden? Hast Du literarische Vorbilder? Und warum gerade diese?

Bevor man etwas lernen kann, muss man es ausprobieren. Ich habe einfach angefangen zu schreiben und das Gefühl dabei war schon damals sehr positiv, nur das Ergebnis traf es nicht ganz. Also habe ich geübt. Mich in Foren rumgetrieben, Schreibratgeber gelesen und schlussendlich etwas gefunden, was mich wirklich weitergebracht hat und was für mich zu diesem Zeitpunkt schon so selbstverständlich war, wie Atmen: Lesen.

Ich lese immer, ständig und ausgesprochen gerne und das quer durch sämtliche Genres. Literarische Vorbilder sind für mich Autoren, die so elegant und tief Schreiben, dass ich eine Gänsehaut bekomme und Seiten mehrmals lesen muss, weil sie einfach so gut sind.

Die Dinge auf den Punkt bringen. Konzentriert sein. Ich finde zum Beispiel dieses Zitat einfach grandios:

Um kurze Sätze schreiben zu können, muss man erst gearbeitet haben. In langen Sätzen bleibt die Unwissenheit des Autors leicht verborgen – ihm selbst und dem Leser. Der lange Satz ist meist eine Zuflucht für den, der sich eine Sache nicht erarbeitet hat. Kurze Sätze kann man nicht schreiben, wenn man nicht genau Bescheid weiss.“
– E.A. Rauter, Journalist und Sprachkritiker, 1929 – 2006

Ich lese sehr gerne Charlaine Harris. Sie formt ihre Geschichte um Sookie Stackhouse jetzt schon viele Bände lang, und alles passt zusammen. Das große und ganze des Schreibprozesses im Auge zu behalten, finde ich sehr schwierig. Manchmal lasse ich mich aber auch einfach nur gerne unterhalten und das schafft zum Beispiel Kerstin Gier immer und immer wieder. Ihr Schreibstil ist so herzhaft locker, dass ich für ihre Bücher schon fast eine therapeutische Empfehlung aussprechen möchte. Lesen, statt Psychotherapie. 😉 (Das ist nur ein Witz, damit das klar ist!)

Du arbeitest als Coach und Mediatorin und hast Dich auf Partnerschaften spezialisiert. Als Autorin bewegst Du Dich in den Genres Paranormal Romance und Chick Lit. Hilft Dir Dein Wissen die Liebesbeziehungen und natürlich die Beziehungsprobleme Deiner Heldinnen und Helden zu entwickeln? Wie gehst Du die Verwicklungen, in die Deine Figuren geraten, generell an?

Ja, dieses Wissen hilft. Allerdings mehr das aus dem Bereich des systemischen Coachings. Denn letztendlich ist es immer Angst, die uns in Krisen stürzt, Beziehungen zerstört und großes Leid über uns bringt. Provokativ gesagt basiert jeder Konflikt auf Angst. Wen das Thema interessiert: „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann.

In die Verwicklungen stürzen sich meine Figuren meist selber und ich sitze dann ein paar Minuten perplex vor dem Bildschirm und starre ihnen hinterher. Ich bin dann diejenige, die im Verlaufe des Buches aus der Krise heraushilft. Und das möglichst galant und für den Leser nachvollziehbar.

Ein Beispiel? Ein Held aus meinem aktuellen Projekt ist eine ziemlich gequälte Seele. Er kann nur bei lauter Musik schlafen, was alle in seinem Umfeld in den Wahnsinn treibt. Er braucht die Lautstärke, um selber zur Ruhe zu kommen und die Gefühle der anderen Menschen ausblenden zu können (der Kerl ist auch noch hoch medial veranlagt, dass heißt er spürt die Emotionen anderer Menschen). In Wirklichkeit aber, und das hat er mir erst auf Seite 30 verraten, fühlt er sich so unfassbar einsam, dass er diese quälende Einsamkeit versucht zu übertönen. Und dabei hat er auf den 29 Seiten davor getan, als fürchte er weder Tod noch Teufel.

Schizoide Persönlichkeiten sind einfach grandios. Zumindest in der Literatur. „Ich will Nähe, ich brauche Nähe, aber ich habe solche Angst vor ihr, dass mir die Knie schlottern.“ Und da war sie wieder … die Angst.

Und zum Thema Beziehungsprobleme brauchten meine Figuren bis jetzt noch keine weitere Inspiration meinerseits. Das schaffen die relativ schnell alleine. 😉

Was sind Deine nächsten Projekte? Und/oder woran arbeitest Du momentan? Und was ist Dein großer Traum, wenn es ums Schreiben geht?

Mein aktuelles Projekt ist der oben beschriebene Kerl. Der dritte Band der „Hexe Eli“ befindet sich in der Denkphase. Dann arbeite ich an einigen Kurzgeschichten zum Thema „ schwarze Katzen“ und in meinem Kopf blubbert zur Zeit ein richtiger Liebesroman mit großem Gefühl vor sich hin. Wenn ich es mir recht überlege, sollte ich umgehend eine Verlängerung der Tageszeit von 24 auf 34 Stunden beantragen.

Mein großer Traum? Den lebe ich … ich schreibe. Lasse Figuren entstehen und begleite sie. Außerdem bekomme ich tolles Feedback von meinen Leserinnen (und Lesern) zu meiner Hexe Elionore. Das freut mich so sehr! Da ist sie im Juni in die große weite Welt hinausspaziert und jetzt berichten die Menschen mir, wie es ihnen mit ihr ergangen ist. Da bekomme ich wirklich Herzklopfen.

Und zum Abschluss: Was sind fünf Deiner Lieblingsbücher und was genau gefällt Dir an ihnen so gut?

Nur fünf? Das überfordert mich jetzt aber! Ist ja wie ein Expose schreiben. Bitte fassen sie einen 380 Seiten langen Roman auf vier Seiten zusammen.

Also gut, ich gehe jetzt vor mein Bücherregal und denke darüber nach.

Ich bin wieder da. Folgende Auswahl konnte ich treffen:

  1. „Vergiss ihn nicht“ von Liane Moriarty (leichte Tiefe. Wunderbar. Frau Moriarty trifft menschliche Emotion auf den Punkt.)
  2. „Sookie Stackhaus“ von Charlaine Harris
  3. „Saftschubse“ von Annette Lies (So witzig! Hab es grade ausgelesen.)
  4. „Kaltduscher“ von Matthias Sachau (Männliches Chick Lit)
  5. „Das Leben kleben“ von Marina Lewycka (Beim Lesen habe ich endlich etwas verstanden. Sehr emfehlenswert!)
  6. „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat.“ von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch (Ist jetzt nicht der hochliterarischer Anspruch, aber saugut, witzig und pädagogisch nicht wertvoll. Ein wunderbares Buch!)

Mehr zu den Büchern von Kristina Günak und zu ihrem Schreiben und Leben gibt es auf ihrer Homepage.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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Ein Kommentar zu “Interview mit Kristina Günak

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