Laienspiel von Volker Klüpfel & Michael Kobr

Ich mag Krimis. Aber nicht jeden Krimi. Ich brauche keine blutigen Details, keine klinischen Untersuchungen der Furchtbarkeit der Tat und keine psychologischen Abgründe, die mich in das Reich des Bösen führen. Ich mag Krimis, die wie Denksportaufgaben sind. In denen die Schrecken und furchtbaren Folgen des Verbrechens dem Miträtseln und Mitraten beim Lesen den Vortritt lassen. Ich lese gerne das, was ich als „englischen Landhauskrimi“ bezeichne. Das „englisch“ darin heißt aber nicht, dass das Buch nur in Großbritannien spielen darf, sondern weist vielmehr auf die Schrulligkeiten und Macken hin, die ich bei meinen Krimifiguren liebe. Daher gefällt mir die Kommissar Kluftinger-Reihe von Volker Klüpfel und Michael Kobr auch so gut.

Autor: Volker Klüpfel & Michael Kobr
Titel: Laienspiel
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 361

Kommissar Kluftinger hat mal wieder ein Problem: Seine Erika will mit den schrecklichen Langhammers einen Tanzkurs machen. Man stelle sich das nur vor! Daher ist es eigentlich ganz gut, dass der aktuelle Fall ein paar Überstunden verlangt. Ein Unbekannter hat sich auf der Flucht vor der österreichischen Polizei erschossen. Und vermutlich war er ein Terrorist, der einen Anschlag geplant hat. Doch wo? Und wann? Und mit wem? Klufti muss nicht nur mit den österreichischen Kollegen zusammenarbeiten, sondern auch mit Spezialisten vom BKA. Nebenbei finden auch noch die Endproben der große Freilicht-Inszenierung statt, in der auch Klufti – wie seit seiner Kindheit – eine Rolle spielt. Fehlen geht da natürlich nicht! Und dann will auch noch Markus, Kluftis einziges Kind, zur Polizei. Leicht hat es der Herr Kommissar dieses Mal wirklich nicht.

Wieder einmal schaffen es Klüpfel & Kobr einen spannenden und sehr witzigen Krimi vorzulegen. Stilistisch brillant finden sie den feinen Weg zwischen kriminalistischer Spannung und Entspannung, durch Komik ohne in den Klamauk abzugleiten. So schwankt die Atmosphäre des Lesers zwischen Schmunzeln und hektischem Seitenweiterblättern.
Der Spannungsaufbau ist sehr gelungen. Die Handlung nimmt langsam Fahrt auf und wird dann immer schneller und schneller bis zum großen Finale, das an Dramatik kaum zu überbieten ist. Das liegt zum einen sicher an den Kapitelüberschriften, in denen die Zeit bis zu einem Ereignis – und das kann ja nur schlimm sein! – rückwärts gezählt wird, und zum anderem an dem emotional sehr aufgeladenem Thema Terrorismus. Je klarer wird, dass islamistische Terroristen tatsächlich etwas planen und immer mehr Details ans Licht kommen, aber einfach niemand weiß, wo sie zuschlagen werden, fiebert der Leser mehr und mehr mit. Dass Klufti eigentlich nicht in diese Welt des internationalen Verbrechens passt, aber trotzdem bei den Ermittlungen dabei ist, dass unser Kommissar vieles nicht weiß, aber trotzdem nicht unfähig wirkt, lösen die Autoren geschickt, indem Klufti zwar nicht die „großen Fragen“ klärt, aber in den kleinen Dingen der Polizeiarbeit beweisen kann, dass er ein wirklich guter Kripobeamter ist.
Die Figuren in den Klufti-Krimis sind eigentlich immer liebenswert, und in Laienspiel machen sie da keine Ausnahme. Zuerst ist da natürlich Kluftinger selbst, der einfach von Grund auf sympathisch ist in seiner machmal etwas – im wahrsten Sinne des Wortes – weltfremden, aber sehr bodenständigen Art. Aber auch die Nebenfiguren Erika, seine geliebte Frau, und Markus, der Bub, der nun schon groß ist, die Kollegen Maier, Strobl, Hefele, die wieder einmal Klufti mehr oder weniger auf die Nerven gehen, der österreichische Alpencasanova und Kollege Bydlinski, Faruk Yildrim, der wirklich fähige Mann vom BKA, und natürlich der nervtötende Dr. Langhammer sind einfach wunderbar beschrieben und erwachen zwischen den Seiten zu echtem Eigenleben.

Mehr zu und über das Autorengespann Klüpfel/Kobr und ihren Klufti-Krimis gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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4 Kommentare zu “Laienspiel von Volker Klüpfel & Michael Kobr

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