Sieben von Mark Frost

Nachdem ich mich am Montag, an Halloween davor gedrückt habe, etwas aus dem Genre Horror zu rezensieren, hole ich das heute nach.
Wie ich bereits schrieb, mag ich Horror nicht besonders – eine Ausnahme bilden lediglich die „alten Meister“ Wollenstonecraft Shelley, Stoker, Le Fanu, Hoffmann, Stevenson, Poe und Lovecraft. King, Barker und Co. kann ich nur wenig abgewinnen. Man könnte also sagen, dass ich den Schauerroman, die gothic novel mag, aber Horror eher nicht.

Da mir Sieben jedoch wärmstens empfohlen worden ist, das Buch in der viktorianischen Zeit angesiedelt ist – Ich bin eine große Viktorianik-Liebhaberin. – und dann auch noch der Autor meines liebsten Detektivs die Hauptrolle spielt, dachte ich, ich versuche es einmal …

Autor: Mark Frost
Titel: Sieben
Übersetzer: Ronald M. Hahn
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 510

Im Winter 1884 beginnt für den jungen Arzt Arthur Conan Doyle ein wildes Abenteuer. Er beschäftigt sich seit einiger Zeit mit Spiritismus und hat sich bereits einen Namen dafür erworben, dass er die Tricks der falschen Medien auffliegen lässt. So ist er nicht allzu verwundert, als er einen Brief erhält, in dem er von einer Dame – wie er messerscharf aus dem Papier und der Schrift schließt – um Hilfe gebeten wird. Er soll bei einer Séance anwesend sein und überprüfen, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht.
Bei der Séance trifft Conan Doyle nicht nur eine hinreißende Lady, in die er sich sofort Hals über Kopf verliebt, nein er trifft auch das Übersinnliche oder besser es trifft ihn. Muss er hilflos mit ansehen, wie seine Angebetete und ihr Bruder von dem Bösen niedergemacht werden, kann er mit Hilfe eines mysteriösen Fremden fliehen, bevor es auch ihn tötet. Nach einer wilden Verfolgungsjagd, dem Kampf mit unheimlichen Monstren und dem Verschwinden seines Retters in der Dunkelheit kann der junge Arzt zuhause nur feststellen, dass sie – Wer immer sie auch sein mögen. – diesen Zufluchtsort kennen. Und so bleibt ihm eigentlich keine Wahl, als sich Hals über Kopf in die Aufklärung dieser sinisteren Kabale zu stürzen und zu hoffen, dass er dabei nicht nur sein Leben und seine geistige Gesundheit, sondern auch sein Seelenheil retten kann.

Mark Frost hat Twin Peaks mitgeschrieben und man merkt sofort, dass er meisterhaft Atmosphäre schaffen kann. Sein Stil ist zu Beginn des Buchs gut, geradezu mitreißend. Die schnelle, atemlose Action, in der immer wieder Andeutungen gemacht werden, was für Schrecken da draußen lauern, baut eine Spannung auf, die den Leser atemlos über die Seiten fliegen lässt.
Das Worldbuilding funktioniert – zumindest im größten Teil des Buchs. Gegen Ende versucht der Autor Dinge zu erklären und diese pseudo-esoterisch-wissenschaftliche Erläuterung nimmt dem Geschehen leider für Leser, die sich schon einmal mit der westlichen okkulten Tradition beschäftigt haben, die innere Logik. Das ist umso mehr schade, weil diese Erklärung nicht nötig wäre. Die Geschichte würde auch ohne sie funktionieren.
Die Figuren sind sehr unterschiedlich dargestellt. Als erstes ist da natürlich Arthur Conan Doyle, der – wie es sich für den Helden und Ich-Erzähler der Geschichte gehört – ein echter Sympathieträger ist. Seine Schlussfolgerungen, die er von seinem Lehrer beigebracht bekommen hat, sind seiner späteren Romanfigur durchaus ebenbürtig. Barry und Larry, die Ganovenzwillige sind so einfach ins Herz zu schließen, dass das Ende wirklich schmerzhaft ist. Die Heldin Eileen ist angenehm kompetent. Sie wirkt sehr modern und für das viktorianische Zeitalter erstaunlich emanzipiert. Und dann ist da natürlich noch Sparks. Der eigentliche Held der Geschichte ist problematisch: Er wird als solch Übermensch beschrieben, dass es dem Leser schwer fällt, sich auf irgendeine Art und Weise mit ihm zu identifizieren. Jemand, der alles kann und alles weiß, ist kaum jemand, mit dem man mitzittern mag. Die „Gastauftritte“ historischer Persönlichkeiten wie Helena Blavatsky und Bram Stoker ist sehr gelungen.
Leider krankt das Buch jedoch am Handlungsaufbau. Nach einem rasanten, ja geradezu fulminanten Beginn kommt eine sehr lange Passage, in der der Autor sich nicht an die Maxime „Show, don’t tell“ hält und eine Figur lang und breit die vorangegangenen Ereignisse der Geschichte erzählen lässt. Nach diesem „Bruch“ wird die Handlung vorhersehbar. Die Action ist weiterhin gut beschrieben, aber die Ideen, welche Windungen das Buch nimmt, sind alles andere als überraschend. Dazu kommt, dass viele Andeutungen und ausgelegten Spuren später einfach nicht mehr auftauchen, so dass der Verlauf der Geschichte fast beliebig und nicht ordentlich konzipiert wirkt. Schade, sehr schade!

Mark Frost hat keine eigene Internetpräsens. Mehr zu und über ihn gibt es in der wikipedia hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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