Garou von Leonie Swann

Wie eigentlich jeder, den ich kenne und der das Buch gelesen hat, habe ich Glennkill von Leonie Swann geliebt! Das Buch ist einfach großartig; und ich habe es sicherlich schon fünfmal verschenkt und habe andere Menschen damit glücklich gemacht. Und das bei einem Debüt! Nicht die jahrelang in harter Arbeit geschliffene Situationskomik, die durch ein langes Leben mit Höhen und Tiefen erworbene philosophische Tiefe einer Schriftstellerin mit einer langen Liste von Veröffentlichungen. Das ist wirklich sehr beeindruckend!
Glennkill habe ich im ICE von Frankfurt nach Hamburg in einem Rutsch durchgelesen. Ich habe so gelacht, dass die Leute guckten und ich schon befürchtete, der Schaffner würde mich gleich zur Ordnung rufen. Und ich war wirklich traurig, als das Buch zu Ende war – es war ein gutes Ende! – aber nun gab es nichts mehr für mich zu lesen. Man kann sich also vorstellen, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung gefreut habe …

Autor: Leonie Swann
Titel: Garou
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 415

Die Schafe sind unterwegs. Endlich Europa. In Frankreich um genau zu sein. Dort, wo man die Menschen nicht versteht, und es nur irre Ziegen gibt. Das Letztere liegt aber nicht an Frankreich. Ziegen sind nun einmal verrückt. Überall. Um so schlimmer eigentlich, dass die Herde auf sie angewiesen ist, um Informationen zu bekommen. Denn es geht im Wald um das kleine Schlösschen, in dem sie mit Rebecca, ihrer Schäferin, Winterquartier bezogen haben, ein Loup Garou um. Natürlich könnte das nur wirres Gerede von den verrückten Ziegen sein, doch ein totes Reh, ein beinahe geisterhaftes Schaf und ein Toter auf der Weide sprechen dagegen. Wie gut, dass George, der alte Schäfer, ihnen auch einmal eine Werwolfsgeschichte vorgelesen hat; so wissen die tapferen Schafe, dass Silber hilft. Und mit diesem Wissen bewaffnet können sie sich aufmachen die Herde und Rebecca zu retten.

Wenn man mit einem so gutem Buch startet, ist es nicht einfach nachzulegen. Und – um es vorweg zu sagen – Leonie Swann schafft es auch nicht.
Die Handlung wirkt zerfasert: Es tauchen einfach zu viele (neue) Charaktere auf. Diese hoppeln kurz im Schafsgalopp über die Seiten, aber müssen dann sofort weichen um anderen und deren Taten Platz zu machen. Sie haben keine Zeit um sich in das Herz des Lesers zu blöken, weiden oder philosophieren. Und dann trennt sich auch noch die Herde; und das ist nicht nur für die Schafe nicht gut, auch dem Spannungsbogen des Buches ist das nicht zuträglich. Plötzlich gibt es viele verschiedene Handlungsstränge, die alle parallel erzählt werden. Die Handlung – die bei einem Thriller, auch wenn Schafe die Hauptrolle spielen, durchaus schnell sein darf und sollte – zerfällt in viele kleine, anekdotenhafte Segmente. Diese vielen Perspektiven sind sicherlich notwendig, um das Problem des Garous von vielen Seiten zu beleuchten, aber es gibt leider nichts, was sie alle wieder zusammenhält und wieder zu einer Einheit zu verschmelzen vermag.
Ich habe mich gefreut, Miss Maple, Mopple the Whale, Othello und den anderen wiederzubegegnen. Und auch Rebecca, die neue Schäferin, und sogar ihre Frau Mama habe ich ins Herz geschlossen. Doch all die anderen Figuren, die auftauchen, können nicht die Tiefe und Liebenswürdigkeit gewinnen, die sicherlich in ihnen steckt. Zu schnell wendet sich die Perspektive wieder von ihnen ab und einem anderen zu.
Einige Stellen in Garou sind tatsächlich unheimlich und psychologisch regelrecht gruselig. Serienkiller sind im Thriller das zeitgenössische Äquivalent zum Schwarzen Mann und dieser Gruselfaktor funktioniert bei Garou. Doch die Atmosphäre soll ja nicht durchgehend für Schauder beim Leser sorgen, es soll auch gelacht werden. Bei Glennkill waren die durchaus tiefen philosophischen Einsichten charmant und voller Leichtigkeit in Text versteckt; bei Garou wirken sie leider aufgesetzt und zum Teil sehr gewollt. Und der Witz fehlt: ich habe nicht einmal laut gelacht, nur einige Male geschmunzelt. Die Sicht der Schafe auf die Welt der Menschen ist wieder sehr nett und eröffnet einen anderen Blick auf uns alle, aber das allein trägt leider kein Buch.

Leonie Swann unterhält keine eigene Homepage, aber mehr zu ihr und über sie gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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