Elidar von Susanne Gerdom

Und hier eine aktuelle Rezension. Elidar habe ich vorletzte Woche zu Ende gelesen. Ich bin vor einem guten Jahr auf Susannes Bücher aufmerksam geworden, als ich Der Nebelkönig gelesen habe und dieses Buch mich – seit vielen, vielen Jahren das erste Mal – wieder den Zauber hat spüren lassen, völlig in einer Geschichte zu versinken, auf magische Art und Weise alles um mich herum zu vergessen und nur noch mit den Figuren der Geschichte mitzufiebern … Wie gut, dass Susanne eine Vielschreiberin ist. Da hat man immer noch ein bisschen Lesestoff auf den man sich freuen kann!

Autor: Susanne Gerdom
Titel: Elidar – Magierin der Drachen
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 463

Elidar ist ein Waisenkind, das sich im Basar von Kayvan durchschlägt. Doch der Gardist Luca nimmt sich ihrer an, schützt sie bei einem Überfall und ermöglicht ihr eine Reise nach Ledon. Dort in der Hauptstadt, am Hof des Kurators des Imperiums hat er noch eine alte Freundin, die Elidar unter die Arme greifen kann. Und in der Tat ermöglicht Morgenblüte die Zweitfrau des Kurators dem jungen Mädchen sich in einen der Magierorden einzuschmuggeln. Zwar muss sie sich als Junge ausgeben – Magie kann angeblich nur von Männern ausgeübt werden – aber dafür lernt sie Zauberei. Ihr großes, magisches Talent stellt ihr eine grandiose Karriere im Spinnenorden in Aussicht. Doch das Leben der Magister und am Hofe wird von Intrigen beherrscht und schon bald ist Elidar nicht mehr sicher, wer Freund ist und wer Feind …
Doch das ist nicht das einzige, um das sie sich Sorgen macht. Ihre Magie scheint die legendäre Drachenmagie zu sein und in ihr schlummert immer leichter eine fremde Entität, die ausgesprochen bedrohlich ist. Was bedeutet das alles? Liegt der Schlüssel zu allem in ihrer Magie? Was hat es mit Elidars Herkunft auf sich? Nur wenn die mächtige Zauberin diese Fragen löst, kann sie ihre Bestimmung erreichen.

Die große Stärke von Susanne ist es Atmosphäre zu erzeugen. So ist der Stil von Elidar nicht nur mitreißend, sondern richtiggehend einsaugend. Die Beschreibung des yasemitischen Basars oder des Palatium in der ledonischen Hauptstadt lassen Bilder im Kopf entstehen, Düfte und Geräusche – und wie die Leserunde, mit der ich das Buch gelesen habe, gezeigt hat, auch Geschmäcker und Rezeptideen. Es ist so leicht in diese fremdartige, aber dann doch aus der irdischen Geschichte gespeiste Welt einzutauchen und sich auf eine Reise in exotische Gefilde zu begeben. Susanne zaubert mit wenigen, aber eben richtig platzierten Worten eine ganze Fantasy-Welt voller fremder Länder und Wesen.
Das Worldbuilding ist einfach großartig! Die beschriebenen Kulturen der Yasemiten, Ledonier und Malandaker sind bunt, fremdartig und erinnern doch an irdische Kulturen, so dass man sich schnell in ihnen zurecht findet. Die wie nebenbei dahingeschriebenen Passagen über die Geschichte, Politik oder Geografie, die Götter, Fauna oder Vorgeschichten der Figuren geben der Welt eine unglaubliche Tiefe. Nichts wirkt hier wie ein Potemkinsches Dorf, sondern hinter jedem beschriebenen Haus scheint ein weiteres Schicksal zu warten, hinter jeder Straßenbiegung ein neues, aber beschriebenes Stück Land zu warten. Und so unbekannt, aber doch vertraut die menschlichen Kulturen sind, so völlig anders ist die Kultur der Drachen und Echsen. So entsteht ein neuer Blick auf das leider ja ziemlich häufig ausgelutschte Thema Drache. Diese Drachen sind anders!
Eine Schwäche von Elidar ist leider der Handlungsaufbau. Dem Buch hätten gut 500 weitere Seiten gut getan. So sind zwar der Anfang von Elidars Geschichte und ihre magische Ausbildung wunderbar beschrieben, doch ihre Rückkehr nach Kayvar, das Verhältnis zu ihren Freunden und Gefährten und ihr schlußendliches Finden ihrer Vergangenheit und Bestimmung sind nur szenenhaft und mit großen Sprüngen vorhanden. Und das ist schade, denn diese sonst sehr gute Geschichte würde es verdienen, dass sie im gleichen Tempo nicht nur zur Hälfte, sondern ganz erzählt würde. Und die Figuren würden es verdienen, dass sie nicht nur eine angedeutete Tiefe besitzen, sondern diese auch wirklich im Buch erforscht wird.
Denn die Figuren sind allesamt, durch die Bank weg ausgesprochen sympathisch. Auch die „Bösen“ sind nett. Sie tun die „bösen“ Dinge, weil sie (glauben) einen guten Grund dafür zu haben. Alle handeln sehr menschlich und da sind eben auch mal gewisse Fehltritte möglich. Elidar, der Gardist Luca, Morgenblüte, die Zweitfrau des Kurators, Sao-Tan, ihr Leibwächter, Magister Sturm, Eusebius und Bär, die Lehrer im Orden, Valon und Valerian, die Mitschüler Elidars, sie alle sind spannende, interessante und sympathische Figuren, dass ich gerne noch viel mehr von ihnen gehört hätte.

Mehr zu und über Susanne Gerdom gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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