Weisser Schrecken von Thomas Finn

Zwar ist noch nicht wieder Winter – und bei diesem Mystery-Thriller steigert es die Spannung sehr, wenn draußen viel Schnee liegt – aber der Dezember kommt ja bald und man muss sich das Buch ja auch noch besorgen und vielleicht das eine oder andere von seinem SuB ablesen …

Ich habe im letzten Winter sehr viel Spaß an Weisser Schrecken gehabt. Gerade im ersten Teil habe ich mich herrlich gegruselt, was sicher nicht zuletzt an der großen und verwinkelten Wohnung und den riesigen Mengen Schnee und Eis in Schweden lag …

Autor: Thomas Finn
Titel: Weisser Schrecken
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 492

Es ist Winter in Perchtal, einem abgelegenem Dorf im Berchtesgadener Land, und der bevorstehende Perchtenlauf scheint das spannendste zu sein, was den fünf Freunden Andreas, Robert, Miriam, Elke und Niklas bevorsteht. Doch dann entdeckt Miriam unter dem Eis des Sees ein Mädchen – und die sieht genauso aus wie sie, doch ihre Zwillingsschwester Elke steht doch neben ihr!
Doch die beiden wissen nichts von einer weiteren Schwester … Aber ist das vielleicht die Erklärung für den religiösen Fanatismus ihrer Eltern? Obwohl die Erwachsenen ihnen nichts sagen wollen und offensichtlich Geheimnisse hüten, stellen die Freunde Nachforschungen an. Dabei stoßen sie auf unglaubliche Erklärungen für die prekären Familiensituationen, in denen sie sich alle befinden, und auf ein uraltes und sinisteres Geheimnis. Und bald wissen sie nicht mehr wem sie trauen können und dürfen, doch ihre schicksalshafte Begegnung mit dem Weissen Schrecken kommt unaufhaltsam näher.

Wer Weisser Schrecken gelesen hat, kann nur sagen, dass Tom sein Handwerk versteht; das Buch ist sehr gut geschrieben. Weisser Schrecken ist ein echter Reißer und passt sich in Sprache und Stil ganz seinem Sujet an. Der gern bemühte Vergleich mit Stephen Kings Es liegt sicherlich an der gelungenen Konstruktion der in der Gegenwart spielenden Rahmenhandlung und der in der Vergangenheit spielenden Binnenhandlung. Das Spiel mit Vorausschauen, Rückblicken und Andeutungen hat mir ganz besondere Freude gemacht! Viele Kleinigkeiten reihen sich folgerichtig in den Plot ein. Die Spannung ist gut aufgebaut. Im ersten Teil überwiegen die „Gruseleffekte“ und das Miträtseln bei der Frage, was hier eigentlich geschieht; im zweiten Teil gibt es mehr „Action“ und die Spannung ergibt sich mehr aus der Überlegung, ob und wie die Freunde den Schrecken stoppen.
Die Figuren sind allesamt gut gezeichnet. Beginnen sie vielleicht auch als Klischees, gewinnen die Freunde im Laufe der Geschichte an Tiefe. Besonders die – allesamt traurigen – Familiengeschichten der jugendlichen machen aus ihnen Menschen, die ein echtes Schicksal tragen. Schade nur, dass das Innenleben der Heldinnen weniger klar und anschaulich beschrieben wurde als das der Jungs. Ihre Gefühle blieben leider seltsam unfokussiert. Die Nebenfiguren haben mir eigentlich durch die Bank weg gefallen: man wusste nie, ob die Freunde ihnen nun trauen können oder nicht, ob sie böse waren oder nicht, wahnsinnig oder einfach nur grausam …
Der wissenschaftliche Erklärungsversuch am Ende hat mir persönlich ein wenig von dem Mystery-Gefühl genommen, aber wer weiß, ob sich die Figur nicht irrt und es nicht doch eine metaphysische Erklärung gibt … Sehr gefreut hätte ich mich, im Nachwort zumindest ein paar Sätze dazu zu finden, was der Realität entspricht und was Fiktion ist. Denn beides wird in diesem Buch reichlich bemüht und auf wunderbar schaurige Weise miteinander verwebt, so dass sich am Ende ein herrlich gruseliger Thriller entfaltet.

Mehr zu und über Thomas Finn gibt es hier.

So, dann ist erst einmal alles gesagt. Bis zur nächsten Woche!

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